Pharmazeutische Zeitung online
Gesichtsoperationen

Kollege Computer hilft bei der Planung

30.04.2012  12:03 Uhr

Von Annette Mende, Berlin / Bei Krebsoperationen müssen Chirurgen manchmal große Teile des Gesichts eines Patienten entfernen und anschließend möglichst originalgetreu wiederherstellen. Dank moderner Computertechnik können solche Eingriffe millimetergenau geplant werden.

»Mein Fach lässt sich durchaus mit einem Hausbau vergleichen«, sagte Professor Dr. Nils-Claudius Gellrich, Direktor der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie an der Medizinischen Hochschule Hannover beim Chirurgen-Kongress in Berlin. »Wir brauchen einen genauen Plan, bevor wir anfangen mit dem Erd­aushub, sprich mit der Arbeit mit dem Skalpell.«

Dabei ist für Chirurgen heute der Computer ein unverzichtbares Hilfsmittel. Aus Aufnahmen von Gesichtsscanner, Computer-, Volumen- und Kernspintomografie erstellt er dreidimensionale Bilder, auf denen Lage und Größe eines Tumors genau zu erkennen sind. Diese 3D-Bilder ermög­lichen nicht nur eine exakte Operationsplanung. Sie erleichtern dem Operateur auch die Orientierung während des Eingriffs und sind in der Nachsorge Grundlage für die Rezidivkontrolle.

 

Zum Einsatz kommt die Bildgebungstechnik beispielsweise bei der Versorgung von Patienten mit Mundhöhlenkarzinom. Dabei kann es notwendig sein, den Unterkiefer oder weite Teile des Oberkiefers und des Gesichts zu entfernen. »Die Knochen­defekte können durch Transplantate aus Wadenbein, Schlüsselbein oder Beckenkamm vollständig ersetzt werden«, erklärte Gellrich. Die Patienten könnten später sogar mit Zahnimplantaten versorgt werden.

 

Mithilfe der 3D-Bildgebung kann die Rekonstruktion von Kiefer und Gesicht dem Chirurgen zufolge bereits vor der eigentlichen Tumoroperation geplant werden. Da die Technik auch eine sehr genaue Anpassung des Transplantats an den zu füllenden Defekt ermöglicht, könne die Gesichtsform des Patienten heute deutlich originalgetreuer wiederhergestellt werden als in früheren Zeiten. Für die Patienten, die sonst sehr stark entstellt wären, bedeutet das einen immensen Gewinn an Lebensqualität. / 

THEMEN
Berlin

Mehr von Avoxa