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Klinische Pharmazie

Ohne Forschung keine Anerkennung

03.05.2010  12:45 Uhr

Von Axel Helmstädter, Freiburg / Die Vorgaben der Approbationsordnung zur Klinischen Pharmazie werden an den einzelnen Hochschulen unterschiedlich umgesetzt. Patientenkontakt sollte jedoch in jedem Fall im Zentrum der Ausbildung, aber auch der Forschung stehen.

Dr. Thorsten Hoppe-Tichy, Heidelberg, betonte beim 35. wissenschaftlichen Kongress des Bundesverbandes deutscher Krankenhausapotheker in Freiburg in einem Seminar für Studenten die Bedeutung wissenschaftlichen Arbeitens für die noch junge Hochschuldisziplin Klinische Pharmazie. Er favorisiert das aus dem Angelsächsichen adaptierte »Teacher/Practitioner-Modell«, nachdem praktisch tätige Krankenhausapotheker sich auch in Lehre und Forschung engagieren.

Die Apotheke des Universitätsklinikums Heidelberg, die Hoppe-Tichy leitet, übernimmt einen großen Teil der Ausbildung im Rahmen einer Kooperation mit dem (medizinischen) Lehrstuhl für Klinische Pharmakologie. Um im akademischen Betrieb ausreichend wahrgenommen zu werden, darf aber auch die Forschung nicht zu kurz kommen, für die es vielfältige Ansatzpunkte gibt: »Wir haben schließlich den Kontakt zu Patienten und erheben ohnehin eine Vielzahl von Daten, etwa bei der Arzneimittelanamnese«. Diese müssten zielgerichtet und im Hinblick auf wissenschaftliche Fragestellungen ausgewertet und die Ergebnisse konsequent publiziert werden. Große Chancen sieht Hoppe-Tichy im Rahmen der sogenannten Versorgungsforschung, die auch von der Politik eingefordert wird. So sind die Ergebnisse klinischer Studien oft nicht ohne Weiteres auf Praxisbedingungen zu übertragen und das Potenzial, aber auch die Nebenwirkungen manchen Arzneistoffs zeigen sich erst bei seinem breitem Einsatz. In Heidelberg werden Studenten, hauptsächlich aber Pharmazeuten im Praktikum sehr eng an die Forschung herangeführt. Jeder Praktikant bearbeitet ein klinisches Projekt, Visitenbegleitung und Arbeit mit echten Patientendaten ist Alltag. Eine Mitarbeit in logistischen Bereichen ist nur ausnahmsweise erforderlich. Zielvorstellung ist, dass mindestens ein Praktikant pro Halbjahr später eine Promotion in Klinischer Pharmazie beginnt, was in Heidelberg auch in der medizinischen Fakultät möglich ist.

 

Professor Dr. Roland Radziwill, Leiter der Apotheke des Klinikums Fulda und Lehrbeauftragter der Universität Marburg, rief die Studenten dazu auf, sich im klinischen Alltag mehr zuzutrauen; erfahrungsgemäß wüssten sie viel mehr als sie freiwillig äußern. »Trauen Sie sich ruhig, den Arzt anzusprechen«, so Radziwill. Anamnesen, Schnittstellenmanagement und Complianceförderung sind auch in Fulda und Marburg zentrale Aufgaben klinischer Pharmazeuten, gerade weil sie im Gegensatz zu Medizinern automatisch auch Präparate der Selbstmedikation berücksichtigen. Zum Beispiel fragt der Arzt: »Was wurde Ihnen verordnet?«, der Apotheker aber »Was nehmen Sie ein?«. Pharmazeuten im Praktikum bekommen in Marburg und Fulda bereits verantwortungsvolle Aufgaben übertragen, so etwa die Schulung von Diabetikern und Asthmapatienten oder die Führung von Entlassungsgesprächen. Das Klinikum Fulda bietet zur Vertiefung der Hochschulausbildung einen wahlobligatorischen Unterricht an, der sich über drei Wochen erstreckt. Zwei Wochen arbeitet der Student auf Station mit und muss am Ende einen authentischen Patientenfall präsentieren und kommentieren. Dabei kann man vor allem lernen, sich vom typisch pharmazeutischen, arzneimittelzentrierten Denken zu lösen und aus Patientensicht zu denken. / 

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