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Umfrage

Gute Noten für die Apotheken

04.05.2010
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Von Bettina Sauer und Stephanie Schersch, Potsdam / Die Deutschen setzen hohes Vertrauen in die Apotheken und sind mit den pharmazeutischen Leistungen sehr zufrieden. Das zeigt eine Umfrage, die beim Wirtschaftsforum erstmals vorgestellt wurde.

90 Prozent der Menschen in Deutschland vertrauen der Apotheke stark oder sehr stark. Das ergab eine bundesweite, repräsentative, telefonische Befragung mit 1013 Teilnehmern, die das Institut für angewandte Sozialwissenschaft (infas) Anfang April im Auftrag des Deutschen Apothekerverbandes (DAV) durchgeführt hat und beim DAV-Wirtschaftsforum erstmals präsentierte. Demnach bekamen auch die Qualität und die Beratung der Apotheken gute bis sehr gute Noten. So beurteilten die Teilnehmer, die beim Besuch in der Apotheke eine Beratung erwarten, die Leistungen des pharmazeutischen Personals mit der Note 1,5.

Besonders gut schnitten bei der Erhebung die Präsenzapothe­ken ab. Rund 75 Prozent der Befragten halten diese für »sehr wichtig« oder »eher wichtig«. Dagegen genießen die Versand- und Internetapotheken ein deut­lich schlechteres Image: Knapp die Hälfte der Teilnehmer hält diese für »etwas un­sicherer« oder sogar »deutlich unsich­erer« als die örtlichen Apothe­ken.

 

»Unsere Ergebnisse passen sehr gut zu früheren Kundenbe­fragungen, wonach die Apothe­ken in der öffent­lichen Wahrneh­mung sehr gut dastehen«, kommentierte infas-Mitarbeiter Robert Follmer, der die Umfrage präsentierte.

 

Selbstmedikation unter der Lupe

 

Deren Schwerpunkt lag auf der Einstellung der Bürger zur Selbstmedikation. Diese scheint tatsächlich in Deutschland eine sehr wichtige Rolle zu spielen. So gaben 90 Prozent der Befragten an, regelmäßig Arzneimittel ohne vorherigen Arztbesuch zu kaufen, meist aufgrund akuter Erkrankungen. Die häufigsten Ursachen der Selbstmedikation sind laut Umfrage Kopfschmerzen (30 Prozent) und Erkältungen (28 Prozent). Alle anderen Erkrankungen folgen mit weitem Abstand und machen jeweils Anteile deutlich unter 10 Prozent aus.

 

Mehr als die Hälfte greift bei der Selbstmedikation auf noch vorhandene Arzneimittel zurück. Nur 35 Prozent der Befragten gaben an, sich bei ihrer letzten Erkrankung in der Apotheke ein neues Präparat gekauft zu haben. »Vor-Ort-Apotheken werden dabei weit öfter genutzt als Versand- und Internetapotheken«, betonte Follmer. Bei letzteren bestellen rund 14 Prozent der Befragten ihre nicht-verschreibungspflichtigen Medikamente. Dabei handelt es sich vor allem um jüngere Menschen, aber auch um chronisch Kranke, die sich gut mit ihrer Arzneimitteltherapie auskennen. »Alle anderen Befragten besorgen ihre Selbstmedikationspräparate in der Vor-Ort-Apotheke«, sagte Follmer. Knapp die Hälfte von ihnen benötige dabei übrigens eine Beratung.

 

Darüber hinaus sind jedem Zweiten schriftliche ärztliche Hinweise zur Selbstmedikation wichtig. Bei Kennern des Grünen Rezeptes gaben dies sogar zwei Drittel der Befragten an. Weitere beliebte Informationsquellen über Arzneimittel sind laut Umfrage die Freunde, Familienangehörige und Bekannte, gefolgt von Kundenmagazinen aus der Apotheke (besonders für ältere Patienten) und dem Internet.

 

»Über 80 Prozent der Befragten sind mit der Wirkung der Selbstmedikation zufrieden«, sagte Follmer. Doch bei manchen Krankheitsbildern, wie etwa Rücken- oder Gliederschmerzen, benötigten viele doch noch einen Arztbesuch. In der Apotheke wird den Kunden meist ein Präparat auf Nachfrage angeboten. Nur in 25 Prozent der Fälle werden laut Umfrage mehrere Arzneimittel zur Auswahl gestellt.

 

Übrigens kauften 69 Prozent der Befragten ihre Arzneimittel in einer Stamm­apotheke. »Hier liegen große Chancen, eine enge Beziehung zum Kunden einzugehen und ihn gezielt zu beraten«, sagte Follmer. Zu diesem Zweck empfahl er den Ausbau von Kundenbindungsinstrumenten, namentlich von Medikationsdateien, Kundenkarten und dem Grünen Rezept, auf dem Ärzte nicht-erstattungsfähige Präparate empfehlen. »Derzeit kennt es nur ein Viertel der Befragten«, sagte Follmer. Immerhin rund 40 Prozent wüssten um die Existenz von Medikationsdateien und Kundenkarten. »Hier lässt sich sicherlich noch einiges steigern und, zusammen mit einer guten Beratung, eine hohe Kundenbindung und -zufriedenheit erzeugen.« /

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