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DAV-Wirtschaftsbericht

2017 – ein Jahr der Trendumkehr

25.04.2018
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Von Stephanie Schersch / Im Jahr 2017 war das Betriebsergebnis einer durchschnittlichen Apotheke erstmals seit Jahren rückläufig. Zwar haben die Apotheker aufgrund einer teilweise besseren Vergütung insgesamt etwas mehr verdient, die steigenden Kosten konnte dieses Plus aber nicht auffangen.

Eigentlich gab es für die Apotheker im vergangenen Jahr Grund zur Freude: Im Mai trat das Arzneimittel-Versorgungsstärkungsgesetz in Kraft und bescherte den Apothekern eine bessere Vergütung für Rezepturen. Auch die Gebühr für die Dokumentationspflichten bei der Abgabe von Betäubungsmitteln wurde angehoben. Das spiegelt sich in der Entwicklung des Apothekenhonorars wider, wie aus dem aktuellen Wirtschaftsbericht des Deutschen Apothekerverbands (DAV) hervorgeht: So stieg die Vergütung insgesamt auf 5,2 Milliarden Euro (2016: 5 Milliarden Euro), auch wenn dieser Wert noch unter Vorbehalt steht, da es bislang es keine richterliche Entscheidung im Streit um den Schiedsspruch zur sogenannten Hilfstaxe gibt.

Steigende Kosten

 

Ein Blick auf die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen zeigt dem DAV zufolge jedoch, dass die Honorierung nicht ausreicht, um steigende Kosten aufzufangen. Demnach lag etwa die Wareneinsatzquote, also das Verhältnis von Wareneinsatz zu Umsatz, im vergangenen Jahr mit 76 Prozent auf einem Allzeithoch (2016: 75,8 Prozent). Auch die Personalkosten steigen kontinuierlich. Eine durchschnittliche Apotheke mit einem Netto-Umsatz von 2,32 Millionen Euro erwirtschaftete im vergangenen Jahr ein steuerliches Betriebsergebnis von 143 500 Euro. Im Vergleich zu 2016 ist das zwar ein leichtes Plus (2016: 142 600 Euro). Inflationsbereinigt zeigt sich laut DAV jedoch, dass damit das Betriebsergebnis erstmals seit Jahren real leicht gesunken ist.

 

Deutlich wird diese Entwicklung demnach auch, wenn man das Betriebsergebnis als prozentualen Anteil des Netto-Umsatzes ausweist: Mit 6,2 Prozent ergibt sich der drittniedrigste Wert seit Jahren. Noch geringer fiel der Anteil lediglich in den Jahren 2011 und 2012 aus, in denen die Apotheker deutliche Einschnitte durch das Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetzes zu spüren bekamen.

 

In den vergangenen Jahren ist der Anteil des Apothekenhonorars an den Gesamtausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) kontinuierlich gesunken. Flossen 2007 noch 2,6 Prozent der GKV-Ausgaben in die Apothekenvergütung, waren es im vergangenen Jahr nur noch 2,2 Prozent (2016: 2,3 Prozent). Gleiches gilt für die Arzneimittelausgaben der Kassen. 2007 lag deren Anteil bei 13,5 Prozent, 2017 waren es nur noch 12,4 Prozent (2016: 12,5 Prozent).

 

Insgesamt 18,4 Milliarden Euro konnte die GKV im vergangenen Jahr im Arzneimittelbereich sparen. Die Apotheker leisteten dazu einen großen Beitrag, das gilt etwa mit Blick auf den bürokratischen Aufwand, den die Rabattverträge mit sich bringen. Ganze 4 Milliarden Euro sparten die Kassen auf diesem Weg ein (2016: 3,9 Milliarden Euro), die Festbeträge brachten noch einmal 7,8 Milliarden Euro (2016: 7,4 Milliarden Euro), Erstattungsbeträge 1,6 Milliarden Euro (2016: 1,2 Milliarden Euro). Die Einsparungen aus dem Apothekenabschlag blieben mit 1,1 Milliarden Euro konstant, ebenso die Ersparnisse aus Herstellerabschlägen (1,7 Milliarden Euro). Hier tragen die Apotheker für die Krankenkassen das Inkassorisiko.

 

Problem Zuzahlungen

 

Wie 2016 sparten die Kassen über die Zuzahlungen der Patienten 2,2 Milliarden Euro ein, im Schnitt zahlten die Versicherten dabei 2,90 Euro pro Packung zu (2016: 2,80 Euro). Laut DAV ist inzwischen nur noch jedes vierte Rx-Medikament zuzahlungsbefreit oder -ermäßigt. Zudem gibt es immer weniger Patienten, die keine Zuzahlungen leisten müssen. So lag die Quote unter Chronikern zuletzt bei gerade einmal 6 Prozent.

 

1,37 Millionen Packungen gaben die Apotheken 2017 ab. Im Vergleich zum Vorjahr (1,41 Millionen) ist das erneut ein leichter Rückgang. Dabei wächst der Anteil rezeptpflichtiger Arzneimittel, ganze 54 Prozent der Packungen waren Rx-Medikamente (2016: 53,6 Prozent). Zudem entfielen 80,3 Prozent des Umsatzes auf diese Präparate (2016: 79,9 Prozent). Mit OTC-Arzneimitteln erwirtschafteten Apotheken im vergangenen Jahr 9,8 Prozent (2016: 10,1 Prozent) ihres Umsatzes, mit Produkten aus dem apothekenüblichen Randsortiment insgesamt 9,9 Prozent (2016: 10 Prozent).

 

Zugleich gibt es immer weniger Apotheken in Deutschland. Ihre Zahl lag Ende 2017 bei 19 748 (2016: 20 023) und ist damit erstmals seit vielen Jahren unter 20.000 gesunken. Laut DAV ist die flächendeckende Versorgung aktuell zwar nicht in Gefahr. Setze sich dieser Trend fort, könne es jedoch zu Problemen kommen, heißt es. Hierzulande kommen auf 100 000 Einwohner im Schnitt 24 Apotheken, damit liegt Deutschland seit Jahren unter dem EU-Durchschnitt von 31 Betrieben.

 

Trend Filialisierung

 

Auch die Filialisierung schreitet voran, größere Verbünde setzten sich dabei immer stärker durch. So ist die Zahl der Apotheken mit einer Filiale zum ersten Mal leicht gesunken, dafür gibt es immer mehr Betriebe mit zwei oder drei Filialen. Auch die Zahl der Apotheken, die als sogenannte offene Handelsgesellschaften von mehreren Inhabern gemeinsam betrieben werden, wächst. Ende 2017 gab es 709 solcher Betriebe (2016: 689). Offenbar scheuen immer mehr Apotheker davor zurück, das finanzielle Risiko einer Selbstständigkeit alleine zu tragen.

 

Trotz der sinkenden Apothekenzahl gibt es immer mehr Mitarbeiter in öffentlichen Apotheken. Insgesamt 51 098 Apotheker waren dort 2017 beschäftigt (2016: 50 123). Dabei ist die steigende Mitarbeiterzahl sicher ein Zeichen für die Arbeitsverdichtung und den erhöhten Beratungsbedarf in der Apotheke. /

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