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Mit Froschschleim gegen Grippe

25.04.2017
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Von Sven Siebenand / Im Hautschleim eines Frosches haben Wissenschaftler aus den USA und Indien eine Substanz gefunden, die gegen verschiedene Influenza-A-Viren wirksam ist.

 

Darüber berichtet ein Team um Professor Dr. Joshy Jacob vom Emory Vaccine Center in Atlanta im Fachjournal »Immunity« (DOI: 10.1016/j.immuni.2017.03.018). Aus dem Schleim des in Südindien lebenden Frosches Hydrophylax bahuvistara isolierten sie ein Peptid, das in der Lage war, Grippeviren auszuschalten.

 

Elektronenmikroskopische Untersuchungen zeigen, dass es an einen wenig variablen Teil des Oberflächenproteins Hämagglutinin bindet. Die Wirkung des Urumin genannten Peptids beschränkte sich allerdings auf Serotypen mit dem Oberflächenprotein H1. Das zeigten auch Tierversuche mit nicht gegen Grippe geimpf­ten Mäusen, die die Wissenschaftler mit einer sehr hohen Dosis Grippeviren infizierten. Einigen Tieren wurde anschließend intranasal Urumin verabreicht. Diese Tiere hatten ein deutlich niedrigeres Risiko, an den H1-Grippe­viren zu sterben, als Kontrolltiere. Gegen Viren vom Typ H3N2 schützte die Urumin-Gabe dagegen nicht.

 

»Peptide wie Urumin könnten sehr nützlich sein, wenn zum Beispiel Impfstoffe bei einer Pandemie nicht rechtzeitig verfügbar sind oder wenn die ­Viren gegen andere antivirale Medikamente bereits resistent sind«, sagt ­Jacob. Im nächsten Schritt will der Mikro­biologe und Immunologe nun an Methoden arbeiten, um Peptide wie Urumin besser zu stabilisieren, damit sie bei einem potenziellen Einsatz am Menschen überhaupt eine Chance haben, ihre Wirkung zu entfalten. Zudem soll im Schleim der indischen Frösche nach anderen Peptiden gesucht werden, unter Umständen nach solchen, die gegen Dengue- oder Zikaviren wirksam sind. /

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