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Rabattverträge

Unsägliche Variante einer gewollten Entwicklung

24.04.2007
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Rabattverträge

Unsägliche Variante einer gewollten Entwicklung

Von Daniel Rücker

 

ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf hält Rabattverträge zwischen Krankenkassen und Pharmaherstellern für grundsätzlich richtig. Er unterscheidet dabei jedoch klar zwischen sinnvollen und weniger gelungenen Varianten.

 

Am unteren Ende der Skala rangiert der Vertrag, den die AOK mit elf Generikaherstellern abgeschlossen hat. Bei der Mitgliederversammlung des Berufsverbandes der krankenhausversorgenden Apotheker in Bad Homburg bezeichnete er den Kontrakt über 43 Wirkstoffe als »unsägliche Variante einer gewollten Entwicklung«.

 

Der ABDA-Präsident sieht die Krankenkassen in einer Lernphase. Verträge, wie die von der AOK oder den Ersatzkassenverbänden, seien Erscheinungen einer Übergangsphase. Verträge mit mehreren Wirkstoffen und zahlreichen Herstellern hätten keine Zukunft. Er geht davon aus, dass die aktuell für Apotheker extrem schwierige Situation sich in den kommenden Monaten deutlich bessern wird.

 

Wolf favorisiert eindeutig sogenannte »Prefered-provider-Verträge«, in denen eine Kasse mit einem Generikahersteller Rabatte über das gesamte Sortiment vereinbart. Diese seien für die Apotheker weitaus einfacher zu handhaben. Lieferengpässe kämen hier deutlich seltener vor, wenn der Vertragspartner eine ausreichende Größe habe.

 

In die richtige Richtung weisen zum Beispiel die Kooperationsverträge der Barmer mit den Generikaherstellern Stada und Hexal. Diese Verträge sollen nach Angaben der Barmer die bereits zuvor geschlossenen Vereinbarungen mit anderen Anbietern von Generika und Originalpräparaten ergänzen.

 

Aktuell müssen sich die Apotheker jedoch weiterhin mit den Unzulänglichkeiten des AOK-Vertrages herumschlagen. Die Lieferprobleme sind hier noch längst nicht behoben. Weiterhin müssten sich die Apotheker »wie Sherlock Holmes auf die Suche nach lieferfähigen Produkten machen«, kritisiert der Vorsitzende des Hessischen Apothekerverbands, Dr. Peter Homann. Die Arbeit, für die die Apotheker ihre akademische Ausbildung absolviert haben, bleibt dabei auf der Strecke.

 

Die AOK hat die offenkundigen Defizite ihres Vertrages mittlerweile wohl erkannt. Dem Vernehmen nach verhandelt sie aktuell mit weiteren Generikaherstellern, die die Lieferschwierigkeiten ein wenig verkleinern sollen.

 

Einige der Vertragspartner reagieren auf das von ihnen mitverschuldete Chaos mit einer gewissen Hilflosigkeit. So preist Biomo-Corax sein extra eingerichtetes Apotheken-Informationscenter und die dazugehörige Hotline an. Dort sollen zehn Experten wochentags ab 8 Uhr Auskunft zu den Rabattarzneimitteln des Unternehmens geben. Bei zwei Testanrufen erreichte die PZ-Redaktion jedoch keinen der zehn Experten, sie landete im Nirwana der Telefonanalage. Dass einem dies bei der Telekom oder anderen Großkonzernen auch passieren kann, ist dabei wohl nur ein bescheidener Trost.

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