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Hirnverletzungen erhöhen Demenzrisiko

18.04.2018
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Von Daniela Hüttemann / Ein Schädel-Hirn-Trauma erhöht das Risiko, an einer Demenz zu erkranken, auch Jahrzehnte nach dem Unfall. Das relative Risiko steigt im Schnitt um 22 Prozent, schreibt ein dänisch-amerikanisches Forscherteam im Fachjournal »The Lancet Psychiatry« (DOI: 10.1016/S2215-0366(18)30065-8).

 

Dabei korreliert der Risikoanstieg mit Schwere und Häufigkeit der Hirnverletzungen. Doch selbst ein leichtes Trauma wie eine Gehirn­erschütterung erhöht das Demenz­risiko um 17 Prozent. Ein einzelnes schweres Trauma lässt es um ein Drittel steigen. Bei fünf oder mehr Hirnverletzungen ist das Risiko fast um das Dreifache erhöht. Auch das Alter zum Zeitpunkt des Ereignisses spielte der Analyse zufolge eine Rolle: Je jünger die Betroffenen waren, desto höher fiel das Demenzrisiko aus.

In absoluten Zahlen betrachtet, sei das Risiko jedoch eher niedrig, betont Studienleiter Professor Dr. Jesse Fann von der University of Washington in Seattle. »Unsere Ergebnisse legen nicht nahe, dass jeder, der eine traumatische Hirnverletzung erleidet, später eine ­Demenz entwickeln wird.«

 

Zuvor hatten Studien bereits einen Zusammenhang zwischen Hirnverletzungen und Demenz vermuten lassen, aber niemals zuvor wurden die Daten so vieler Menschen über einen so langen Zeitraum ausgewertet, so die Forscher. Bei der Untersuchung handelt es sich um eine bevölkerungsbasierte Kohortenstudie mit fast 2,8 Millionen Erwachsenen, die über 36 Jahre beobachtet wurden. Weltweit erleiden pro Jahr schätzungsweise 50 Millionen Menschen eine traumatische Hirnverletzung, häufig durch Stürze, Verkehrsunfälle oder Überfälle. Damit könnten diese ­Verletzungen ein häufiger Grund für ­Demenzen im Alter sein. Die patho­mechanistischen Zusammenhänge zwischen Hirntraumen und einer Demenzentwicklung sind aber noch unklar. /

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