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Kuba

Krise senkt Diabetes-Rate

16.04.2013
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Von Annette Mende / Weniger essen und sich mehr bewegen: Das ist das beste Rezept, um nicht an Typ-2-Diabetes zu erkranken Es senkt zudem das Risiko, an einem Herz-Kreislauf- Ereignis zu sterben. Diese an sich banale Erkenntnis untermauern die Ergebnisse einer ungewöhnlichen Beobachtungsstudie über Kuba zur Zeit der Wirtschaftskrise in den 1990er-Jahren.

Die wirtschaftliche Situation Kubas und die sich daraus ergebenden Einschränkungen für die Bevölkerung beeinflussten das durchschnittliche Körpergewicht der Kubaner, und darüber die Diabetes-2-Inizidenz und die Herz-Kreislauf-Mortalität. Dies berichtet ein internationales Forscherteam im »British Medical Journal« (doi: 10.1136/bmj.f1515).

Als sozialistischer Staat war Kuba bis zur Auflösung der Sowjetunion wirtschaftlich stark von dieser abhängig. Ausgelöst vom Zusammenbruch des Ostblocks und einer Verschärfung des US-Wirtschaftsembargos kam es in Kuba ab 1991 zu einer Wirtschaftskrise, in deren Folge die maschinelle Landwirtschaft zusammenbrach und Nahrungsmittel knapp wurden. Da auch der Treibstoff für Autos fehlte, gingen die Menschen entweder zu Fuß oder fuhren mit dem Fahrrad. 1,5 Millionen Fahrräder importierte die kubanische Regierung allein aus China, um die Mobilität der Bevölkerung sicherzustellen.

 

Die unfreiwillige Kalorienreduktion und Steigerung der körperlichen Aktivität führten dazu, dass die Kubaner im Schnitt 5,5 Kilogramm an Gewicht verloren. Parallel dazu sanken die Diabetes-Inzidenz und die kardiovaskuläre Mortalität rapide. Mitte der 1990er-Jahre erholte sich die kubanische Wirtschaft allmählich wieder und prompt stieg auch das Durchschnittsgewicht der Bevölkerung langsam wieder an – bis 2010 um etwa 9 Kilogramm – und mit ihm die Diabetes-Inzidenz. Der starke Rückgang der Herz-Kreislauf-Mortalität kam in dieser Phase zum Stillstand.

 

Innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne kann also ein moderater Gewichtsverlust, wenn er bevölkerungsweit auftritt, einen ausgeprägten Einfluss auf die Diabetes-bedingte Krankheitslast und die kardiovaskuläre Todesrate haben, fassen die Autoren um Professor Dr. Manuel Franco von der Universität Alcalá in Madrid zusammen. Sie berechnen anhand ihrer Daten, dass die Sterblichkeit aufgrund von Diabetes um die Hälfte und die Herz-Kreislauf-bedingte Sterblichkeit um ein Drittel sinken würden, wenn der wohlgenährte Teil der Weltbevölkerung im Schnitt 5 Kilogramm abspeckt. /

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