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Cyanide schneller entgiften

15.04.2008
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Cyanide schneller entgiften

Von Bettina Sauer

 

US-amerikanische Forscher haben ein neuartiges Gegengift gegen Blausäure und ihre Cyanid-Salze entwickelt und erfolgreich an Mäusen getestet.

 

Das berichtete das Team um Dr. Herbert Nagasawa und Dr. Steven Patterson von der University of Minnesota im »Journal of Medicinal Chemistry« (Doi: 10.1021/jm7011497). Die Forscher kündigten an, in den nächsten drei Jahren klinische Studien starten zu wollen.

 

Blausäure und Cyanide gelangen aus Nahrungsmitteln wie etwa Leinsamen oder über die Atemwege in den Körper. Die tödliche Dosis liegt bei etwa 1 mg Cyanid pro Kilogramm Körpergewicht. Denn Cyanidionen binden an dreiwertiges Eisen der Cytochromoxigenase a3. Damit blockieren sie die Atmungskette und die lebensnotwendige Verwertung von Sauerstoff. Die Symptome dieses »inneren Erstickens« reichen von einer beschleunigten Atmung über Kopfschmerzen, Erbrechen, Krämpfe, Atemnot und Bewusstlosigkeit bis hin zum Tod. Als Gegenmaßnahme dient bislang vor allem die intravenöse Kombination aus Dimethylaminophenol und Natriumthiosulfat.

 

Bei ihrem neuen Ansatz kurbeln die Forscher die körpereigene Entgiftungsmaschinerie für Cyanide an. Zu diesem Zweckhaben sie Prodrugs entwickelt, aus denen im Organismus 3-Mercaptopyruvat entsteht. Dieses wird von einem körpereigenen Enzym, der 3-Mercaptopyruvat-Sulfurtransferase, zu Pyruvat umgesetzt. Wenn sich gleichzeitig Cyanide im Körper befinden, entsteht aus ihnen im Zuge dieser Reaktion unschädliches Thiocyanat.

 

Das Gegengift weist gegenüber herkömmlichen Therapien drei Vorteile auf: Es muss nicht injiziert werden, sondern lässt sich auch oral verabreichen. Zudem tritt die Wirkung bereits innerhalb von drei Minuten ein und bleibt bis zu einer Stunde lang erhalten. Daher lässt sich das Mittel nach Angaben der Forscher womöglich auch zur Prophylaxe nutzen, etwa bei Feuerwehrleuten vor einem Löscheinsatz. Denn bei der Verbrennung von Kunststoffen werden häufig Cyanide frei, die die Helfer in Gefahr bringen.

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