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Roter Teppich und blaues Wunder

13.04.2006
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Farblehre

Roter Teppich und blaues Wunder

von Klaus Bürger, Düsseldorf

 

Die unbewusste Wahrnehmung und Wirkung von Farben hatte Goethe in seiner Farbenlehre bereits 1791 näher untersucht. Mittlerweile ist Farbe ein elementarer Bestandteil nicht nur in der Innenarchitektur, sondern insbesondere in der Werbepsychologie. Wie können Kunden in die richtige Stimmung gebracht werden, ein Geschäft zu betreten, sich dort wohl zu fühlen und ein Produkt zu kaufen?

 

Aspekte, die auch in der Gestaltung einer Offizin, nicht nur in Frei- und Sichtwahl, berücksichtigt werden können. Rot, um Aufmerksamkeit zu erwecken. Gelb, um eine gute Stimmung zu erzeugen. Grün für die Harmonie. Blau für die Ruhe. Alles zusammen, neben-, unter-, übereinander hat jedoch eine eher gegenteilige Wirkung. Keine Farbe kann für sich wirken, kann ihren Einfluss auf den Menschen und seine Stimmung wirkungsvoll entfalten.

 

Nicht nur im Einzelhandel generell, auch in der Offizin wird einem das häufig, und für die Augen oft schmerzhaft, bewusst. Frei- und Sichtwahl sind bestückt mit vielen farbigen Packungen, mit blinkenden Regalstoppern, mit bunten Preisschildern, zusätzliche Aufsteller für Handzettel und Broschüren, Deckenhänger, Dekosäulen und Bodenmatten, leider oft unterschiedlichster Coleur. Ist die Apotheke die Basis für Gesundheit oder ein Umschlagplatz für psychologische Werbebotschaften? Es geht auch anders, bereits Details können eine andere Stimmung schaffen, aber die ganze Kraft einer Farbe wird erst durch die Konzentration auf einen bestimmten Ton deutlich.

 

Gesundheitsfördernde Eigenschaften werden der Farbe Orange zugeschrieben. Ein warmer, leuchtender Ton, der in dem richtigen Zusammenspiel mit Licht seine volle Wirkung entfaltet, der Menschen häufiger lächeln lässt und aufgeschlossener macht. Aufgeschlossener auch gegenüber den Beratungshinweisen und Präparateempfehlungen.

 

Lebensfreude und Optimismus können durch ein sattes, tiefes Gelb hervorgerufen und verstärkt werden. Das kommt nicht nur den Kunden zu Gute, auch die Mitarbeiter in und hinter der Offizin profitieren von einer solchen Umgebung. Unendlichkeit, Ruhe, Weite, Entspannung ­ die Eindrücke von Tauchern in den Tiefen der Meere lassen sich über die Farbwelt ebenfalls in Räume transportieren. Zusammen mit Weiß und schwerelos wirkenden Regalstrukturen scheint die Offizin Ruhe auszustrahlen.

 

Kunden verbringen einige Minuten in der Offizin, bei Beratungsgesprächen noch länger. Aber die Farbgebung und die damit verbundene Wirkung kommt insbesondere den Mitarbeitern am HV-Tisch zu Gute.

 

Noch ein Wort zum roten Teppich. Der Kunde steht zwar im Mittelpunkt, aber er will nicht um jeden Preis die Scheinwerfer auf sich gerichtet sehen ­ schließlich ist nicht jedes Anliegen dazu bestimmt, von allen Seiten in der Öffentlichkeit beleuchtet zu werden. Ein Wohlgefühl, Geborgenheit, Sicherheit und sozusagen ein sicheres Stehen vermittelt eher ein dunkler Boden aus Holz, aus Granit, aus Stein.

 

Die Auswahl der richtigen Farbkombination, der Einfluss von Tages- oder Kunstlicht auf den Ton und die Sättigung, das Zusammenspiel von Material und Form, Farbe und Licht sollte als Gesamtheit verstanden und realisiert werden. Genauso wie die Gesundheit und der Genesungsprozess eine Kombination von vielen Einflussfaktoren ist. Wenn die Apotheke dabei als Kompetenzzentrum im Mittelpunkt stehen will, muss sie dies bereits bei ihrem ersten Eindruck ganzheitlich und stimmig in allen Aspekten vermitteln. Denn der Apothekenkunde ist, bewusst oder unbewusst, in der Lage, die Offizin als Ausdruck der Unternehmenskultur und der Apothekenphilosophie wahrzunehmen und für sich zu bewerten.

 

Weitere Informationen unter: k.buerger(at)k-buerger.de

 

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