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Resistenzen

Tumoren stehlen Blutgefäße

13.04.2016
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Von Annette Mende / Tumorzellen können gegen eine Antiangiogenese-Therapie resistent werden, indem sie die normalen Blutgefäße des umgebenden Gewebes mitbenutzen. Diese Beobachtung hat ein internationales Forscherteam jetzt an Mäusen mit Leberkrebs gemacht.

 

Arzneistoffe, die diese Gefäß-Mitnutzung (vessel co-option) unterbinden, könnten künftig die Antiangiogenese-Therapie ergänzen und effektiver machen, schreiben die Autoren um Elizabeth Kuczynski von der Universität Toronto im »Journal of the National Cancer Institute« (DOI: 10.1093/jnci/djw030).

 

Die Antiangiogenese ist ein bewährtes Konzept in der Therapie solider Tumoren. Wirkstoffe, die gegen den endothelialen Wachstumsfaktor (VEGF)-Rezeptor gerichtet sind, stoppen die Einsprossung von Blutgefäßen in den Tumor und schneiden ihn so von der Versorgung ab. Allerdings werden Tumoren meist früher oder später resistent gegen die Behandlung. Die Mechanismen dieser Resistenzentwicklung waren bisher noch unklar.

 

Die Autoren konnten nun zeigen, dass Lebertumoren, die initial gut auf eine Therapie mit dem VEGF-Rezeptor-Antagonisten Sorafenib ansprachen, ihre Blutversorgung zunächst hauptsächlich über die Neoangiogenese sicherstellten. Im Verlauf der Therapie gingen sie jedoch dazu über, aktiv die bereits vorhandenen Blutgefäße des umgebenden Lebergewebes zu verwenden, und wurden dadurch resistent gegen den Arzneistoff. Um das zu ermöglichen, erhöhten die Krebszellen ihre Beweglichkeit. In der Hemmung der Krebszellen-Bewegung sehen die Forscher somit einen Ansatzpunkt für Therapien, die die vessel co-option verhindern könnten.

 

Ein weiteres interessantes Ergebnis der Studie ist, dass der Switch der Tumorzellen von Neoangiogenese auf vessel co-option reversibel war. Stoppten die Forscher die Behandlung mit Sorafenib, stellten die Zellen wieder auf die Neoangiogenese um. Das erklärt, warum manche Krebspatienten nach einer Behandlungspause wieder auf eine Antiangiogenese-Therapie ansprechen. /

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