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Parasiten

Das große Krabbeln auf der Haut

11.04.2011  13:39 Uhr

Von Marion Hofmann-Aßmus / Die häufigsten Hautparasiten in unseren Regionen sind Läuse, Zecken und Flöhe. Doch verbreiten sich zunehmend auch Exoten wie die Tropische Rattenmilbe oder längst vergessene Spezies wie die Bettwanze. Das große Krabbeln – und was das Apothekenteam dazu wissen sollte.

»Die Flöhe und die Wanzen / Gehören auch zum Ganzen.« Was die Menschen seit jeher wussten, fasste Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe elegant in Versform. Tatsächlich beherbergte die Gletschermumie »Ötzi« zwei Menschenflöhe in ihrer Kleidung, womit eine mindestens seit 5000 Jahren andauernde Koexistenz bewiesen ist! In Mitteleuropa ist der Menschenfloh (Pulex irritans) allerdings selten geworden. Häufiger verirren sich Hunde- oder Katzenflöhe (Ctenocephalides canis und C. felis) auf den Menschen. Alle drei Arten zählen zu den »Nestflöhen«, die in dunklen, trockenen und möglichst ungestörten Verstecken (Polstermöbel, Ritzen, Teppiche) leben. Dort erfolgt auch die Eiablage.

Zum Blutsaugen kommen die geschickten Springer auf den Wirt. Die Weitergabe von Menschenflöhen kann durch Körperkontakt oder durch gemeinsam getragene Kleidung erfolgen. Flohbefall ist meist ein Zeichen schlechter hygienischer Bedingungen.

 

Die Mundwerkzeuge von Flöhen bestehen aus einem kombinierten Stech- und Saugrüssel. Damit stechen sie bevorzugt an bedeckten Hautstellen, wobei ihre Stiche oft hintereinander in Form einer »Flohstraße« angeordnet sind. Es entstehen typischerweise kleine rote Papeln, die stark jucken. Durch Aufkratzen kann es zu Sekundärinfektionen kommen.

 

Meist genügt eine symptomatische Therapie gegen den Juckreiz, etwa mit oralen Antihistaminika oder kühlenden Umschlägen. Stärkere Hautentzündungen erfordern eine kurzzeitige Behandlung mit Cortison-haltigen Salben oder Cremes. Bei bakterieller Superinfektion ist die Gabe von Antibiotika sinnvoll. Um die Entwicklungsstadien (Eier, Larven, Puppen) ebenfalls aus ihren Verstecken zu entfernen, sollte man mehrfach täglich Staub saugen und die Bettwäsche mindestens bei 60 °C waschen. Den Floh selbst wird man nur mit brachialen Methoden wieder los: indem man ihn fängt und zerdrückt. Hilfreich sind altbewährte Mittel wie Licht- oder Wärmefallen, von denen die Flöhe angelockt werden und dann kleben bleiben.

 

Befallene Haustiere müssen ebenfalls behandelt werden, jedoch mit artspezifischen Mitteln. Dazu zählen Flohschutzbänder (etwa mit Propoxur), Spot-on-Präparate (etwa mit Imidacloprid), Shampoos, Spray, Puder oder mit der Nahrung verabreichte Insektizide (etwa mit Nitenpyram). Vorsicht ist bei Präparaten mit Teebaumöl geboten: Sie können bei Katzen Vergiftungen hervorrufen.

 

Weltgeschichte haben Flöhe durch die Übertragung des Pestbakteriums (Yersinia pestis) geschrieben. Diese erfolgt durch den tropischen Rattenfloh (Xenopsylla cheopsis), der zu den Pelzflöhen zählt, die dauerhaft im Haarkleid von Tieren leben. Sporadische Pestfälle gibt es laut Robert-Koch-Institut immer wieder, zum Beispiel in den Rocky Mountains, Vietnam, Indien und derzeit in Madagaskar. Die Inkuba­tionszeit beträgt bei der Beulenpest zwei bis sechs Tage und bei der Lungenpest Stunden bis zwei Tage. Eine frühe antibiotische Behandlung ist oft lebensrettend.

In tropischen Ländern übertragen Menschenflöhe Krankheiten wie das murine Fleckfieber. Dem Gurkenkern­bandwurm (Dipylidium caninum) dienen Hunde- und Katzenflöhe als Zwischen­wirt. Er wird gelegentlich auch auf Kinder übertragen.

 

Bettwanzen nehmen rasant zu

 

Bei der Olympiade 2010 in Kanada war schon von »Olympischen Wanzenspie­len« die Rede. Grund ist eine dramati­sche Zunahme des Wanzenbefalls seit der Jahrtausendwende, unter der besonders US-amerikanische und kanadische Hotels, aber auch einige Fluglinien leiden. Die 1 bis 7 mm großen, gelb- bis rotbraun gefärbten Insekten reisen gerne auch in Möbeln oder Bilderrahmen, und Flohmärkte scheinen ein idealer Ort für ihre Verbreitung zu sein.

 

In Deutschland besteht bislang keine Meldepflicht. Doch registrierte etwa der Berliner Landesverband der Schädlingsbekämpfer 210 Befälle im Jahr 2007, bereits 330 Fälle in 2008 sowie eine steigende Tendenz in 2009. Während man im Mittelalter eine »verwanzte« Herberge bereits am typisch süßlichen Geruch erkannte, kann man sich heute, zumindest für die USA, im Internet informieren, welche Unterkünfte von der Plage bislang verschont blieben (http://bedbugregistry.com).

 

Bettwanzen (Cimex lectularius) sind überwiegend nachtaktiv. Tagsüber verstecken sie sich in dunklen trockenen Ritzen und Spalten, häufig unter der Matratze. Sie können problemlos mehrere Monate ohne Nahrung überdauern. Ihre stechend-saugenden Mundwerkzeuge bestehen aus zwei Röhrchen: Durch ein Rohr befördern sie eine betäubende und gerinnungshemmende Substanz in die Haut, durch das andere saugen sie Blut. Ihr Speicheldrüsen­sekret kann einen sehr unangenehmen Juckreiz hervorrufen, der sieben bis zehn Tage andauert.

Zu erkennen sind häufig hintereinander angeordnete Stiche (»Wanzenstraßen«). Je nach Empfindlichkeit kommt es nur zur Rötung der Einstichstelle oder zu Quaddelbildung und Juckreiz. Bei Menschen, die auf das Antikoagulationssekret allergisch sind, können heftige Reaktionen wie Asthmaanfälle, Urticaria papulosa bis hin zum lebensgefährlichen anaphylaktischen Schock auftreten.

 

Die Behandlung der Stiche erfolgt topisch mit juckreizstillenden Mitteln. Eine bakterielle Superinfektion sollte man mit Antibiotika therapieren. In den Bettwanzen selbst fanden sich Krankheitserreger wie das Hepatitis-B-Virus. Ein Übertragungsrisiko auf den Menschen war bisher jedoch nicht nachweisbar.

 

Problematisch ist, dass man etwa in den USA Tiere gefunden hat, die gegen Insektizide wie Pyrethroide resistent sind (7). Dem Vorsitzenden des Deutschen Schädlingsbekämpfer Verbands e. V., Rainer Gsell, Dortmund, sind für Deutschland keine Fälle von Resistenzen bekannt. »Berichte über Resistenzen sind oft Ausreden für schlechte Arbeit«, sagte er im Gespräch mit der PZ. Zudem würden professionelle Schädlingsbekämpfer sehr viel seltener chemische Gefahrstoffe einsetzen als landläufig angenommen. »Viel effektiver als das Herumsprühen mit Chemikalien, womit sich leider viele Laien helfen wollen, ist zunächst das rein mechanische Vorgehen, um Bettwanzen aufzuspüren. Anschließend gibt es sehr wirksame physikalische Maßnahmen wie Wärme- oder Kälteanwendungen, die wesentlich nebenwirkungsärmer sind als chemische Mittel. Zudem ist der Raum anschließend sofort wieder benutzbar.« Betroffenen sollte man daher raten, sich nicht selbst auf die Jagd zu begeben, sondern einen Schädlingsbekämpfer zu beauftragen, die äußerst robusten Tiere sachgerecht zu beseitigen.

»Da lebt was drin«

Wenn jemand auf seine Haut deutet und behauptet: »Da drin lebt etwas«, sollte man nicht gleich an Halluzinationen denken. Tatsächlich könnte es sich um eine Dasselfliegenlarve handeln. Hier ist unbedingt der Dermatologe gefragt. Die unkomplizierte Behandlung erklärt Professor Dr. Heidelore Hofmann, München: »Man macht einen kleinen Schnitt und zieht die Larve heraus.«

 

In Europa existieren etwa zehn Dasselfliegenarten, die sich in Rachendasselfliegen (Cephenemyiinae), Nasendasselfliegen (Oestrinae) und Hautdasselfliegen (Hypodermadinae) unterteilen lassen. Ihre Larven leben parasitisch und befallen insbesondere Paarhufer (etwa Rehe) und Unpaarhufer (etwa Pferde), die dagegen entwurmt werden, zum Beispiel mit Ivermectin und Praziquantel. Menschen dienen hierzulande nur in Ausnahmefällen als Wirt für Hautdasselfliegenlarven. Während die Larven bei den Tieren im Körper wandern und zu schweren Erkrankungen führen, bleiben sie beim Menschen stationär in der Unterhaut und verursachen »nur« lästigen Juckreiz.

In der Neufassung (Stand 13. Juli 2010) der Entwesungsmittelliste des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit findet sich neben Pyrethrum ein Kontaktgift mit dem Wirkstoff Alpha-Cypermethrin (www.bvl.bund.de > Bedarfsgegenstände > Mittel zur Schädlingsbekämpfung).

 

Tropische Rattenmilbe

 

Im Haarkleid von Schiffsratten gelangte die Tropische Rattenmilbe (Ornithonyssus bacoti) nach Europa und breitete sich hier weitgehend unbemerkt aus. Ihre Hauptwirte sind Ratten und Mäuse. Der Tierarzt Dr. Wieland Beck aus München schätzt, dass etwa 80 Prozent der Wildnager in Deutschland befallen sind (8). Doch scheint die gerade mal 0,75 bis 1 mm große Milbe nicht wählerisch zu sein. Findet sich kein passender Wirt, befällt sie gerne auch den Menschen. Insbesondere Kinder mit engem Kontakt zu ihren Haustieren sind betroffen. »Lieblingswirte sind Wüstenrennmäuse und Hamster«, berichtete Beck, aber auch Kaninchen oder Meerschweinchen würden nicht verschont.

Die Milben können mit einem neuen Haustier aus der Zoohandlung oder von Nagerzuchten in den Haushalt gelangen. Jedoch zeigen sich die Spinnentiere auch durchaus mobil, wenn es darum geht, einen Wirt zu erreichen. Beck schilderte einen Fall, bei dem alle Bewohner im ersten Stock über einer Bäckerei ungebetenen Besuch bekamen. Die Bäckerei ihrerseits wurde wohl von infizierten Nagern heimgesucht.

 

Die winzige Milbe selbst bekommen Betroffene selten zu sehen. Denn das nachtaktive Tier verweilt gerade einmal 20 Minuten auf der Haut auf, um Blut zu saugen. »Wenn es anfängt zu jucken, sind die Milben schon wieder weg«, erklärte der Parasitologe. Die je nach Fütterungszustand weißlich bis rötlich oder schwarz erscheinende Milbe hinterlasse jedoch quälende Pusteln und furchtbar juckende Stiche. Charakteristischerweise treten diese an unbedeckten Körperstellen wie den Extremitäten oder dem Kopf auf.

 

Häufige Fehldiagnosen sind Allergien, Dermatomykosen oder bakterielle Infek­tionen. Der Parasitologe verwies zudem auf den »Dermatozoenwahn« mancher Menschen. Dieser äußere sich in der wahnhaften Vorstellung, Parasiten wie Würmer oder Insekten an und unter der Haut zu haben. »Von zehn Menschen, die bei mir anrufen, leiden neun unter Dermatozoenwahn«, betonte Beck. Handelt es sich bei der Ursache um die Tropische Rattenmilbe, reichen juckreizstillende Medikamente beim Menschen meist aus. Bleiben alle symptomatischen Therapien erfolglos, lohne sich die Frage nach einem Haustier. Im Zweifelsfall sollte man die Betroffenen mitsamt Tier und Käfig zum Tierarzt schicken.

 

Zudem sollte dringend ein Schädlingsbekämpfer verständigt werden, da die Milben ausgesprochen zäh sind. Ihre Verstecke liegen entweder im Haustierkäfig oder an warmen Orten wie Heizungs- oder Warmwasserleitungen. Sind keine Haustiere vorhanden, sollte dringend eine Wildnagerbekämpfung erfolgen. Denn nicht selten, so Beck, kommen Mäuse oder Ratten etwa durch undichte Dielen unbemerkt in die Wohnung.

 

Tropische Rattenmilben gelten in Europa nicht als Krankheitsüberträger, obwohl sie in tropischen Gegenden die Erreger des Murinen Typhus (Rickettsia typhi) und des Q-Fiebers (Coxiella burneti) übertragen können.

 

Krätze ist selten geworden

 

Die Krätzmilbe (Sarcoptes scabiei var. hominis) kommt hierzulande nur als sporadische Erkrankung vor. Betroffen sind vor allem Kinder oder immunsupprimierte Personen in Gemeinschaftseinrichtungen wie Altenheimen oder Kindergärten. Die winzige, nur 0,3 bis 0,5 mm große, weibliche Milbe legt Eier und Kot in bis zu 10 mm lange Gänge in der Oberhaut ab. Ihre bevorzugten Stellen sind Körperfalten.

Als allergische Reaktion auf den Milbenkot bilden sich Pusteln, Blasen, Quaddeln und in der Folge Kratzwunden und Furunkel. Der hartnäckige Juckreiz ist nachts (unter der warmen Bettdecke) stärker als tagsüber. Die Übertragung erfolgt durch engen Körperkontakt und steht, ähnlich wie bei Läusen, nicht in Zusammenhang mit der Körperhygiene.

 

Milben sind relativ einfach zu behandeln: Bereits bei Säuglingen gilt 5-prozentiges Permethrin (etwa als Salbe) als Therapie der Wahl. Die Behandlung erfolgt einma­lig für acht bis zwölf Stunden und kann nach 14 Tagen wiederholt werden. Bleibt dies erfolglos, kann Benzylbenzoat als 25-prozentige Emulsion (10-prozentig bei Kindern) helfen. Die Topika müssen mehrmals angewendet werden. Die Behandlung mit Crotamiton gilt als wenig wirkungsvoll. Das Breitspektrum-Anthelminthikum Ivermectin zeigte in klinischen Untersuchungen in Afrika und Südamerika nach peroraler Gabe eine sehr gute und sichere Wirkung. In Deutschland ist es jedoch nicht zur Behandlung der Scabies zugelassen (1).

 

Herbstgrasmilbe auf Wirtssuche

 

Die Herbstgrasmilbe (Trombicula autumnalis) ist weitverbreitet, aber relativ unbekannt. Umgangssprachlich wird sie auch als »Erntemilbe« oder »Beiss« im Zusammenhang mit dem Ortsnamen bezeichnet. Im späten Sommer oder Herbst sammeln sich die Milbenlarven an Grasspitzen und warten darauf, von einem Wirt abgestreift zu werden. Gelangt die Larve auf den Menschen, sucht sie sich eine Stelle mit möglichst dünner Haut. Dort daut sie das Gewebe mithilfe eines Sekrets an und saugt es auf. Die mit 0,2 bis 0,3 mm sehr kleinen, rund-ovalen Larven schwellen dabei auf nahezu dreifache Größe an.

 

Auf der Haut bildet sich eine Quaddel, die an der Spitze die Larve enthält. Sie ist kaum von einem Mückenstich zu unterscheiden. Anders als Mückenstiche findet sie sich jedoch an bedeckten Körperstellen wie Beinen und Rumpf oder am behaarten Kopf. Der Juckreiz hält an, bis sich die Larve nach zwei bis drei Tagen vollgesogen hat und abfällt. In der Natur würde sie sich anschließend in der Erde verkriechen, im Haus endet ihr Vermehrungszyklus.

 

Die juckende Quaddel ist symptomatisch mit lokalen Antihistaminika behandelbar. Gegen besonders starken Juckreiz eignen sich Corticosteroid-haltige Emulsionen.

 

Gefährliche Überträger: Zecken

 

Schon ab 10 °C sind die Zecken wieder aktiv und warten an Gräsern oder niedrigen Büschen darauf, dass sie ein Wirt abstreift. Unter den zahlreichen Krankheiten, die Zecken übertragen können, sind die FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) sowie die Borreliose besonders häufig. Selten sind Infektionen wie Ehrlichiose, Rickettsiosen oder Babesiose.

An der bakteriell bedingten Borreliose erkranken in Deutschland jährlich schätzungsweise 60 000 bis 100 000 Menschen. Exakte Daten liegen nicht vor, da keine bundesweite Meldepflicht besteht. Die Durchseuchungsrate der Zecken mit Borrelien liegt in Süddeutschland mit 30 bis 50 Prozent höher als in nördlichen Regionen mit etwa 10 Prozent. Da sich die Borrelien im Mitteldarm der Zecke befinden, geht man davon aus, dass das Ansteckungsrisiko etwa acht Stunden nach dem Festsaugen der Zecke beginnt.

 

Borrelien sind mit Antibiotika gut zu behandeln. Allerdings werden die primären Symptome wie Kopfschmerzen oder Fieber häufig nicht richtig zugeordnet. Das charakteristische Erkennungsmerkmal, die »Wanderröte« (Erythema migrans) rund um die Zecken-Einstichstelle, kann 4 bis 30 Tage nach dem Zeckenstich auftreten. Dies ist jedoch bei weniger als der Hälfte der Infizierten der Fall (2). Unbehandelt kann es im weiteren, oft jahrelangen Verlauf zum Befall der Organe, Gelenke, Muskeln sowie des Nervensystems kommen. Hirnhautentzündung, starke Schmerzen oder Herzprobleme können die Folge sein.

 

FSME-Viren persistieren in den Speicheldrüsen der Zecken und gehen daher relativ schnell auf den Mensch über. Doch steht hier für Erwachsene und Kinder ab einem Jahr eine Impfung zur Verfügung. Die STIKO rät allen Personen mit »konkretem Expositionsrisiko« zur Impfung. Dies betrifft insbesondere Menschen, die sich (auch in ihrer Freizeit) viel im Freien aufhalten. Die Grundimmunisierung besteht aus drei Impfungen; die zweite und dritte erfolgen im Abstand von einem bis drei sowie neun bis zwölf Monaten nach Erstimpfung. Eine erstmalige Auffrischung sollte man nach drei Jahren vornehmen lassen, anschließend reicht ein Abstand von fünf Jahren. Für Personen ab 50 Jahren ist eine Auffrischung wieder alle drei Jahre ratsam, da das Immunsystem schwächer wird. Kinder können ab dem vollendeten ersten Lebensjahr geimpft werden.

Allgemeine Regeln zum Schutz vor Zecken

bereits vor einem Aufenthalt im Freien Repellentien auftragen

lange, geschlossene Kleidung mit über die Hose gezogenen Socken tragen

Körper nach dem Aufenthalt im Freien nach Zecken absuchen

festgesaugte Zecken nicht mit Nagellack, Öl oder Alkohol traktieren, sondern möglichst rasch mittels Zeckenpinzette, -zange oder -karte entfernen

abgerissenen Zeckenkopf nicht behandeln, er wird nach einigen Tagen abgestoßen.

 

Möglich ist zudem eine Schnellimmunisierung, mit der man innerhalb von 21 Tagen einen Impfschutz erreicht (Impfungen an Tag 0, 7 und 21, erste Auffrischung nach 12 bis 18 Monaten). Die Impfung im Schnellschema ist auch für Kinder ab zwölf Jahren zugelassen.

 

Eine aktuelle Darstellung deutscher Risikogebiete veröffentlicht das RKI (3). Dabei ist zu bedenken, dass FSME-Erkrankungen in Deutschland auch außerhalb der »klassischen« Endemiegebiete wie Bayern und Baden-Württemberg kontinuierlich zunehmen; derzeit werden etwa 10 bis 15 Prozent aller FSME-Fälle außerhalb dieser beiden Bundesländer registriert.

 

Gefährdet sind zudem Personen, die in die Schweiz, nach Österreich oder in die Tschechische Republik reisen. Auch in Skandinavien hat sich die Situation deutlich verschärft; im Norden Finnlands ist bereits der sibirische FSME-Subtyp aufgetaucht. Hierbei handelt es sich um die besonders aggressive Taiga-Variante, die sich von Russland über Weißrussland und die baltischen Staaten in Richtung Westen ausbreitet. Vor allem Kinder entwickeln bei einer Infektion mit diesem Subtyp schwere Verlaufsformen.

 

Dauerbrenner Kopfläuse

 

Die Kopflaus (Pediculus humanus capitis) begleitet den Menschen seit jeher und scheint nicht ausrottbar. Vor allem in Schulen oder Kindergärten treten die stationären Ektoparasiten immer wieder auf. Dies hängt jedoch nicht mit den dortigen hygienischen Verhältnissen zusammen. Es gibt zwar keine zuverlässigen Daten, doch vermutet man in den letzten Jahren eine Zunahme des Lausbefalls. Dafür sprechen etwa die steigenden Verkaufszahlen an Pedikuloziden.

Die menschliche Kopflaus ist speziell an den Menschen angepasst. Sie kann sich weder auf einem anderen Wirt, etwa Hund oder Katze, noch im Kunstfell von Kuscheltieren vermehren, da sie auf das menschliche Blut angewiesen ist. Ohne engen Kontakt zum Wirt, der ihr alle drei bis sechs Stunden eine Blutmahlzeit garantiert, überlebt sie nicht lange: bei Zimmertemperatur zwei, im Ausnahmefall drei Tage.

 

Zudem tolerieren sowohl ausgeschlüpfte Läuse als auch ihre Eier (Nissen) nur einen engen Feuchtigkeits- und Temperaturbereich (Optimum 28 bis 29 °C) und halten sich daher meist nahe der Kopfhaut auf. Ausgefallene Haare mit Nissen bilden also keine Ansteckungsquelle. Fallen adulte Tiere aus dem Haar, handelt es sich in der Regel um geschwächte, kaum infektiöse Läuse. Übertriebene Maßnahmen sind demnach nicht erforderlich. Es genügt, die Bettwäsche zu wechseln und die Kuscheltiere vorsichtshalber für drei Tage in Plastiktüten zu packen.

 

Mit ihren stechenden und saugenden Mundwerkzeugen nehmen die Läuse Blut auf. Dabei gelangen Speicheldrüsensekrete in die Wunde und rufen Fremdkörperreaktionen sowie Juckreiz hervor. Bei der Erstinfektion treten erst nach vier bis sechs Wochen zwei bis drei Millimeter große rote juckende Papeln auf. Eine erneute Infek­tion macht sich dagegen bereits nach einem bis zwei Tagen mit den gleichen Symptomen bemerkbar. Das Aufkratzen der Papeln kann zu Krustenbildung sowie zu einer bakteriellen Superinfektion (Läuseekzem) führen.

Kleider- und Filzläuse

Die Kleiderlaus (Pediculus humanus humanus) hält sich nicht direkt auf dem Menschen auf, sondern verbirgt sich in körpernahen Kleiderfalten und kommt nur zum Blutsaugen auf die Haut. Mit 3 bis 4,5 mm ist sie der größte Vertreter der Läuse. Da ihr Biss einen besonders heftigen Juckreiz hervorruft, kommt es durch Aufkratzen der Stellen häufig zu Sekundärinfektionen, die antibiotisch zu behandeln sind. Von Mensch zu Mensch gelangen Kleiderläuse durch Körperkontakt oder gemeinsam benutzte Wäsche. Im Gegensatz zu Kopfläusen spielt hier tatsächlich mangelnde Hygiene eine Rolle. Als Gegenmaßnahme helfen neben Pedikuloziden (Permethrin-haltige Mittel) ein regelmäßiger Kleiderwechsel, Wäschewaschen bei 60 °C sowie eine intensivere Körperpflege. Das Auftreten von Kleiderläusen ist in Deutschland beim Gesundheitsamt zu melden.

 

Filzläuse (Phthirus pubis, 1,5 bis 2 mm) werden in der Regel beim Geschlechtsverkehr übertragen und besiedeln den Schamhaarbereich, die Achselhöhlen und die behaarte Brust. Bei Kindern können sie auch die Wimpern oder Augenbrauen befallen. Dies ist besonders unangenehm, denn durch die Eiablage verkleben die Wimpern. Da man die Eier nicht mit Wasser abwaschen kann, müssen die Wimpern ausgezupft werden. Durch den Biss entstehen kleine Blutergüsse auf der Haut. Filzläuse überleben auch ohne direkten Kontakt zum Wirt bis zu vier Tage.

Die Diagnose erfolgt anhand der Eier. Frische Nissen kleben höchstens 1 cm von der Kopfhaut entfernt an den Haaren. Ältere leere Nissen wachsen mit den Haaren heraus. Die Läuse selbst sind schwer zu finden. Sie übertragen in unseren Breiten keine Krankheitserreger.

 

Zweitbehandlung obligatorisch

 

Zur optimalen Behandlung sollte man nach heutigen Erkenntnissen chemische, mechanische und physikalische Wirkprinzipien kombinieren. Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist die Wiederholung der Behandlung. Da bislang kein Kopflausmittel bekannt ist, das die sehr widerstandsfähigen Eier zu 100 Prozent abtötet, muss das Mittel innerhalb von acht bis zehn Tagen (optimal an Tag 9 oder 10) ein zweites Mal angewandt werden. Ansonsten beginnen die nachschlüpfenden Larven sehr bald einen neuen Vermehrungszyklus.

 

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit führt eine Entwesungsmittelliste mit geprüften und anerkannten Mitteln gegen Läuse. Bei den Arzneimitteln handelt es sich um ein Allethrin-haltiges Spray (mit PBO, Piperonylbutoxid) oder Fluid, ein auf Permethrin basierendes sowie ein Pyrethrum-haltiges Mittel (mit PBO und Diethylenglykol). Als Medizinprodukte finden sich Läuse-Shampoo mit Kokosöl und Präparate mit Silikonölen. Weitere Mittel, etwa mit Neem-, Soja- oder Lavendelöl, wurden bislang nicht für die Liste geprüft.

 

Zu Permethrin mehren sich mittlerweile die Berichte über Resistenzen (4). In Dänemark sind bereits rund 70 Prozent aller Kopfläuse gegen den Wirkstoff resistent (5). In Deutschland gibt es dazu bislang nur Vermutungen, jedoch keine wissenschaftliche Untersuchungen. Relativ neu auf dem Markt sind synthetische Wirkstoffe auf Silikonbasis, zum Beispiel Dimeticon und Cyclomethicon. Sie verkleben die Atemöffnungen von Läusen, Larven und Nissen und führen so zum Ersticken. Eine Resistenzentwicklung wird daher nicht erwartet. In einer Studie erwies sich das Dimeticon-haltige Kopflausmittel signifikant wirksamer als eine 1-prozentige Permethrin-Lösung (6). So waren mit dem Dimeticon-Präparat nach zwei Tagen 69 von 73 Kindern frei von lebenden Läusen, mit Permethrin nur 48 von 72 Kindern.

 

Allerdings bergen auch physikalisch wirksame Mittel Risiken. Vereinzelt kam es in den Niederlanden zu schweren Verbrennungen bei der Anwendung von Produkten, die brennbare Stoffe wie Dimeticon und Cyclomethicon enthalten, warnte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte Anfang 2009. Daher wird dringend geraten, sich während der Anwendung von Zündquellen wie Zigaretten oder einem Haarfön fern zu halten. Außerdem soll man das Zimmer nach der Behandlung gut lüften.

 

Während der Schwangerschaft, in der Stillzeit, bei MCS-Syndrom (multiple Überempfindlichkeit gegen chemische Substanzen) oder bei Chrysantemenallergie empfiehlt das Robert-Koch-Institut, Kopfläuse rein mechanisch durch nasses Auskämmen mit dem Läusekamm zu entfernen. /

Literatur

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Heukelbach, J., Feldmeier, H., Scabies. Lancet 367 (2006) 1767-1774.

Edlow, J. A., Erythema migrans. Med. Clin. North Am. 86 (2002) 239-260.

RKI, FSME: Risikogebiete in Deutschland (Stand April 2010) Epidem. Bulletin Nr. 17 (2010) 147-154.

Kwon, D.H., et al., Determination of Permethrin Resistance Allele Frequency of Human Head Louse Populations by Quantitative Sequencing. J. Med. Entomol. 45 (2008) 912-920.

Kristensen, M., et al., Survey of permethrin and malathion resistance in human head lice populations from Denmark. J. Med. Entomol. 43 (2006) 533-538.

Heukelbach, J., et al., High efficacy of a pediculicide based on dimeticone in a popula­tion with a high intensity of infestation: a randomized controlled trial. Trop. Med. Int. Health 12, Suppl. I (2007) 178-179.

Romero, A., et al., Insecticide resistance in the bed bug: a factor in the pest’s sudden resurgence? J. Med. Entomol. 44 (2) (2006) 175-178.

Beck, W., Tropische Rattenmilben sind unter uns. Vortrag beim 14. Biedersteiner Symposium, München 28. 2. 2009.

 

Die Autorin

Marion Hofmann-Aßmus absolvierte eine Ausbildung als veterinärmedizinisch-technische Assistentin (VMTA) und studierte anschließend Diplom-Biologie an der Ludwig-Maximilians-Universität, München. Promoviert wurde sie 1999 mit einer Arbeit über molekulare Kardiologie an der Chemischen Fakultät der LMU München. Seither ist sie freiberuflich in verschiedenen Redaktionen und als Fachjournalistin tätig.

 

Dr. Marion Hofmann-Aßmus

Abt-Führer-Straße 9a

82256 Fürstenfeldbruck

hofmann_assmus(at)t-online.de

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