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Booster für Checkpoint-Inhibitoren entdeckt

05.04.2016
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Von Annette Mende / Eine Möglichkeit, die Wirkung von Checkpoint-Inhibitoren in der Krebstherapie zu verstärken, haben Forscher des Lee Moffitt Cancer Center & Research Institute in Tampa, Florida, entdeckt.

 

Sie fanden heraus, dass die gegen den PD-1-Rezeptor gerichteten Immuntherapeutika besser wirken, wenn man sie mit einem weiteren Krebsmittel aus der Klasse der Histon-Deacetylase-Hemmer (HDACi) kombiniert. Die Wissenschaftler um Hong Zheng, die ihre Beobachtung zunächst nur an Mäusen machten, wollen den Ansatz nun in einer klinischen Studie am Menschen testen.

 

Antagonisten am Programmed Death (PD)-1-Rezeptor wie Nivolumab (Opdivo®) und Pembrolizumab (Keytruda®) wirken indirekt gegen Tumoren, indem sie die gegen den Krebs gerichtete T-Zell-vermittelte Reaktion des körpereigenen Immunsystems verstärken. Sie gehören zu den wichtigsten Innovationen des vergangenen Jahres, da sie die Überlebenszeit von Patienten mit malignem Melanom oder Lungenkrebs im Vergleich zur bis dato etablierten Standardtherapie signifikant verlängern können. Bei Lungenkrebs, zu dessen Behandlung von den PD-1-Inhibitoren in Europa momentan nur Nivolumab zugelassen ist, beträgt die Ansprechrate jedoch nur etwa 20 Prozent.

 

Ein Grund für das Nichtansprechen auf die Therapie kann ein niedriger T-Zell-Level im Tumorgewebe sein. Dieser lässt sich mithilfe von Histon-Deacetylase-Hemmern erhöhen, berichten Zheng und Kollegen im Fachjournal »Clinical Cancer Research« (DOI: 10.1158/1078-0432.CCR-15-2584). In Versuchsmäusen führte der HDACi Romi­depsin zu einer gesteigerten Chemo­kin-Expression, die wiederum die T-Zell-Infiltration und -Aktivität im Tumorgewebe erhöhte. Die Kombina­tion von Romidepsin mit einem PD-1-Inhibitor verstärkte dessen Wirkung sig­nifikant, bei zwei Tiermodellen kam es sogar zu einer nahezu vollstän­digen Rückbildung des Tumors.

 

»Diesen Ergebnissen zufolge könnte die Kombination aus einem HDACi und einem PD-1-Blocker eine vielversprechende Strategie zur Behandlung von Patienten mit Lungenkrebs sein«, fassen die Forscher zusammen. Der in der Studie eingesetzte HDACi Romidepsin ist zwar in den USA, jedoch nicht in Euro­pa zugelassen. Einziger verfügbarer Vertreter dieser Wirkstoffklasse ist hierzulande Panobinostat (Farydak®), das eine Zulassung beim Multiplen Mye­lom besitzt. /

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