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Filialapotheken

Eine Chance richtig nutzen

03.04.2012
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Apobank / Während die Zahl der Apotheken in Deutschland insgesamt abnimmt, steigt die Zahl der Filialen. Im Gespräch erläutert Jens Leutloff, Gesundheitsökonom bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (Apobank), was beachtet werden muss, damit die Filialisierung zum Erfolg wird.

Frage: Herr Leutloff, in Deutschland gibt es immer mehr Apothekenfilialen. Was sind die Gründe hierfür?

Leutloff: Früher oder später stößt eine Apotheke, bezogen auf ihr wirtschaftliches Wachstum, an ihre Grenzen. Weiteres Wachstum ist dann in der Regel ohne eine Expansion eher schwierig. Hier ist die Filialisierung eine Chance. Auch die Wettbewerbssituation kann ausschlaggebend sein; so zum Beispiel, wenn man eine abzugebende Apotheke übernimmt, um sie nicht einem Wettbewerber zu überlassen. Und eine weitere Motivation ist die, dass der alte Standort mittelfristig an Attraktivität verliert und man ihn schließen will, zum Beispiel weil in der Umgebung liegende Praxen ihren Standort wechseln. Hier kann es Sinn machen, für die Übergangszeit eine Filialapotheke zu führen, die später dann als Hauptapotheke übernommen wird. Aber egal, was der Hintergrund ist: Die Filialisierung sollte gut überlegt sein.

 

Frage: Worin sehen Sie die He­rausforderungen?

 

Leutloff: Das A und O ist die wirtschaftliche Tragfähigkeit. Deshalb sollte man die Rentabilität immer im Auge behalten – und zwar für alle Standorte gemeinsam. Nehmen wir den Fall, dass die Filialapotheke eine Neugründung ist. Hier kann es einige Monate dauern bis das Geschäft angelaufen ist. In dieser Zeit müssen die finanziellen Belastungen über die Hauptapotheke aufgefangen werden. Wenn sich die neu gegründete Filiale zudem in der Nähe der Hauptapotheke befindet, wird es hier zwangsläufig zu Umsatz- und Gewinn­einbußen kommen. Hier muss man ausloten, was finanziell verkraftbar ist. Ein anderer Punkt ist, dass im ersten Moment oft vergessen wird, dass die Personalkosten einer Filialapotheke in der Regel deutlich höher liegen als in der Hauptapotheke – schließlich muss das Gehalt des Apothekenleiters gezahlt werden.

 

Frage: Je mehr Apotheken man führt, desto höher ist der Verwaltungsaufwand. Wie geht man hiermit um?

 

Leutloff: Eine zusätzliche Apotheke bedeutet auch zusätzliche Belastung. Prinzipiell sollte man deshalb ein gehöriges Maß an Unternehmertum mitbringen, wenn man die Filialisierung in Angriff nehmen will. Denn die Organisation von Abläufen und Prozessen wird komplexer, die Anforderungen an die Personalführung steigen und auch das Controlling nimmt mehr Raum ein. Wer diese Aufgaben nur ungern erfüllt, wird sich mit einer Filialapotheke keinen Gefallen tun.

 

Frage: Abgesehen von der unternehmerischen Eignung – gibt es Fälle, in denen man von dem Gedanken an die Filialisierung Abstand nehmen sollte?

 

Leutloff: Pauschal lässt sich das nicht beantworten. Wenig sinnvoll ist es aber, eine Filiale zu gründen, um die Defizite einer nicht rentablen Haupt­apotheke zu kompensieren. Wer aber über eine wirtschaftlich gesunde Hauptapotheke verfügt, in der die Abläufe reibungslos und eingespielt funktionieren, wer unter finanziellen Aspekten in der Lage ist, eine weitere Apotheke zu übernehmen oder neu zu gründen, und wer einen attraktiven Standort für eine Filialapotheke gefunden hat, für den kann die Filialisierung Erfolg versprechend sein. Und dann lassen sich auch Synergieeffekte nutzen, zum Beispiel durch einen standortübergreifenden Personaleinsatz oder durch verbesserte Einkaufskonditionen.

 

Frage: Neueröffnung oder Übernahme – was eignet sich besser?

 

Leutloff: Beide Optionen haben ihre Vor- und Nachteile. Übernimmt man eine etablierte Apotheke, gibt es einen bestehenden Kundenstamm, die Anlaufphase ist in der Regel kürzer – man weiß, woran man ist. Anders ist das bei der Neugründung. Hier ist es vergleichsweise schwieriger, das wirtschaftliche Potenzial abzuschätzen. Und auch die Anlaufphase kann deutlich länger sein. Vorteilhaft ist aber, dass man mehr Freiheiten hat, seine eigenen Vorstellungen bezüglich der Strategie und der Ausstattung umzusetzen. Unter dem Strich muss man die Vor- und Nachteile individuell abwägen. Wichtig ist in meinen Augen aber vor allem die Frage nach dem Standort: Wie sieht die Wettbewerbssituation aus? Welche Fachärzte gibt es am Ort? Verfügt der Standort über Laufkundschaft? /

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