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Neu auf dem Markt

Fosaprepitant

08.04.2008  17:38 Uhr

Neu auf dem Markt

Fosaprepitant

Von Brigitte M. Gensthaler

 

Mit Fosaprepitant-Dimeglumin kam im März ein neuer Arzneistoff auf den deutschen Markt. Die Substanz kommt im Rahmen einer Konbinationstherapie zur Prävention akuter und verzögerter Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapie zum Einsatz.

 

Zu den häufigsten Nebenwirkungen einer Zytostatikatherapie gehören Übelkeit und Erbrechen. Dies kann so belastend sein, dass die Patienten nicht die volle Dosis vertragen oder die Krebstherapie ganz abbrechen müssen. Das Erbrechen kann akut oder verzögert einsetzen; kennen die Patienten diese schlimme Nebenwirkung, kann sie auch antizipatorisch, das heißt vor Beginn der Chemotherapie eintreten. Eine effektive antiemetische Prophylaxe sollte daher heute Standard sein. Eingesetzt werden Corticosteroide, meist Dexamethason, und 5-HT3-Antagonisten (»Setrone«) wie Ondansetron. Seit 2003 ist in der EU auch der Neurokinin-1-(NK1)-Rezeptorantagonist Aprepitant erhältlich.

 

Mit Fosaprepitant-Dimeglumin kommt jetzt ein Prodrug von Aprepitant auf den deutschen Markt. Der Handelsname zeigt den wesentlichen Unterschied: Ivemend® ist die intravenös zu applizierende Form von Emend®, das Aprepitant in Kapseln zum Schlucken enthält (MSD).

 

In vivo wird Fosaprepitant durch ubiquitär vorkommende Phosphatasen sehr rasch zur Wirkform Aprepitant gespalten. Beide Stoffe haben die identische Indikation: Prävention von akuter und verzögerter Übelkeit und Erbrechen bei Krebspatienten, die eine hoch emetogene, auf Cisplatin basierende Chemotherapie oder eine moderat emetogene Chemotherapie erhalten. Immer wird mit einem Corticoid und einem Setron kombiniert.

 

Studien haben gezeigt, dass die intravenöse Applikation von 115 mg Fos-aprepitant zu gleichen Plasmakonzentrationen (AUC) wie 125 mg Aprepitant per os führt; die Spitzenspiegel (Cmax) lagen nach der Infusion jedoch 2,5-fach höher. Daher kann am Tag 1 der Krebstherapie das Prodrug (115 mg) als 15-minütige Infusion eine halbe Stunde vor Beginn der Chemotherapie anstelle von Aprepitant (125 mg) peroral eine Stunde vorher gegeben werden. Zusätzlich bekommen die Patienten ein Corticoid und ein Setron. Am zweiten und dritten Tag nehmen sie 80 mg Aprepitant sowie bei hoch emetogenen Therapien zusätzlich noch ein Corticoid (dieses auch am 4. Tag) ein.

 

Aprepitant passiert die Blut-Hirn-Schranke und besetzt plasmakonzentrationsabhängig NK-1-Rezeptoren. Dies verhindert die Bindung von Substanz P, die sonst Übelkeit und Erbrechen auslöst. Man geht davon aus, dass nach dreitägiger Therapie mehr als 95 Prozent der zerebralen NK-1-Rezeptoren besetzt sind. Dass dies effektiv ist, zeigten zwei Studien mit insgesamt 1094 Patienten unter Cisplatin-Therapie, die Aprepitant kombiniert mit Dexamethason und Ondansetron erhielten. 68 Prozent waren an den ersten fünf Tagen frei von Übelkeit und Erbrechen; in der Vergleichsgruppe, die nur die etablierte Zweierkombination bekam, waren es 48 Prozent. Bei Patienten unter mäßig emetogener Therapie war der Unterschied nicht so ausgeprägt. Beide Wirkstoffe werden nur prophylaktisch eingesetzt.

 

Neben lokalen Reizungen wie Verhärtung und Schmerzen an der Injektionsstelle waren die häufigsten Nebenwirkungen Schluckauf, Müdigkeit und Abgeschlagenheit, erhöhte Leberenzymwerte, Verstopfung, Kopfschmerzen und Appetitlosigkeit.

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