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Wissen wächst

28.03.2018  10:13 Uhr

Wissen wächst

Warum heißt Krebs überhaupt Krebs? Hat der Name der Erkrankung ­etwas mit den Krebstieren zu tun? Die Antwort ist Ja. Denn der Begriff »Krebs« geht auf Hippokrates zurück. Der Vater der Medizin bezeichnete Geschwulste als »Karkinos«, das ist das griechische Wort für Krebs. Der Grund dafür könnte das Aussehen der Tumoren sein. Vor allem Brustkrebs erinnert häufig an Krebsbeine. Eine weitere Parallele zu Krebstieren ist, dass Tumorgewebe im Vergleich zu umliegendem ­Gewebe oft eher hart ist.

 

Bereits einige Jahre ist es her, dass die PZ-Redaktion ein Schwerpunktheft »Krebs« herausgebracht hat. Nun wurde es jedoch wieder höchste Zeit dafür. Denn seitdem hat sich im Bereich der Onkologie einiges getan. Wissenschaftliche und technologische Fortschritte sorgen dafür, dass sich in der Behandlung von Krebserkrankungen immer neue Perspektiven eröffnen. So entwickelt sich die onkologische Bildgebung rasant weiter und verhilft damit der Präzisionsmedizin zum Erfolg. Auch das Verständnis der molekularen Abläufe in Tumorzellen wächst beständig, und neue Treibermutationen werden in regelmäßigen Abständen erkannt.

 

Die Folge sind weitere Methoden der molekularen Diagnostik, neue Formen klinischer Studien (lesen Sie dazu Krebsforschung: Neuen Studien einen Korb geben) und selbstverständlich neue Perspektiven in der Krebsbehandlung. Jährlich kommen neue Kinase­hemmer für die zielgerichtete Behandlung von Krebs hinzu (Kinasehemmer: Sortieren des großen Sortiments) und aktuell boomt die sogenannte Krebsimmuntherapie mit Antikörpern. Schon jetzt sind sie bei einigen Krebsarten zugelassen und es deutet sich an, dass die Immun-Checkpoint-Inhibitoren bei einer Vielzahl weiterer ­Tumorerkrankungen wirken könnten.

 

Die Fortschritte in der Krebsmedizin und die Erfolge können sich sehen lassen. Beispielsweise ist die Krebssterblichkeit in Europa weiter gesunken (Europa: Krebssterberate sinkt weiter). Bei all der Euphorie darf aber nicht vergessen werden, dass die Diagnose Krebs auch heute noch ein bedeutender Einschnitt im Leben ist und die Krankheit im schlimmsten Fall nicht heilbar ist.

 

Zum Glück geht es in der modernen Onkologie heute nicht nur um ­medizinischen Fortschritt, sondern die Betroffenen selbst sind in den ­vergangenen Jahren immer mehr in den Fokus gerückt (Psychoonkologie: Viel erreicht – noch viel zu tun). Ärzte behalten bei ihren Therapieentscheidungen zunehmend die individuellen Wünsche der Patienten im Blick. Auch bei den Gesundheitspolitikern ist diese Botschaft längst angekommen. Zu Recht ist die Stärkung der Patientenorientierung ein wichtiges und ernstgenommenes Handlungsfeld im Nationalen Krebsplan des Bundesministeriums für Gesundheit.

 

Sven Siebenand 

Stellvertretender Chefredakteur

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