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Wettbewerbszentrale

BPI sieht Rüge gelassen

28.03.2018  10:13 Uhr

Von Anna Pannen / Für seine Aussagen zur Grippeimpfstoff- Vereinbarung zwischen AOK und Apothekern musste der Bundesverband der pharmazeutischen Industrie (BPI) eine Rüge der Wettbewerbszentrale einstecken. Er zeigt sich davon allerdings wenig beeindruckt.

Der BPI sieht sich in der Auseinandersetzung mit der Wettbewerbszentrale zu Unrecht beschuldigt. Das sagte ein Sprecher vergangene Woche gegenüber der PZ. Die Kontrollinstitution hatte den Verband für seine Formulierungen zur Grippeimpfstoff-Vereinbarung zwischen AOK und Apothekerverbänden gerügt. »Wir sehen der gerichtlichen Klärung gelassen entgegen«, so der Sprecher.

 

Der BPI hatte Anfang März erklärt, eine zwischen AOK Nordost und drei Landesapothekerverbänden geschlossene Vereinbarung über den Preis für quadrivalente Grippeimpfstoffe in der Saison 2018/2019 sei nichts anderes als ein exklusiver Rabattvertrag, wie er seit vergangenem Jahr verboten ist. Außerdem verwirrte der Verband mit der Aussage, Kasse und Apotheker hätten dafür nur einen einzigen Hersteller berücksichtigt und dieser »habe noch gar keinen Impfstoff«. Die Wettbewerbszentrale hatte beide Äußerungen als irreführend bezeichnet. So ist es zum Beispiel gar nicht möglich, dass ein Unternehmen den Grippeimpfstoff für die Herbstsaison bereits im Frühjahr entwickelt hat. Viele Medien hatten die Argumente des BPI jedoch ungeprüft übernommen, auch die neue gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Karin Maag (CDU), nahm die Kritik auf und forderte ein strengeres Vorgehen.

 

Die AOK und die Apothekerverbände haben in ihrer Vereinbarung den Preis von 10,95 Euro für den Vierfach-Impfstoff festgesetzt. Einzig der niederländische Hersteller Mylan erklärte sich bislang bereit, ihn zu diesem Preis zu liefern. Die anderen Hersteller macht das sauer: Wenn ein Arzt den Impfstoff generisch verordnet, werden die Apotheken nun höchstwahrscheinlich das Mylan-Produkt abgeben und nicht ihres – es sei denn, auch sie gehen mit dem Preis runter. Der BPI warnte, die anderen Unternehmen würden ihre Produktion zurückfahren. Das sei gefährlich, denn komme es bei Mylan zu einem Produktionsausfall, könne er nicht aufgefangen werden.

 

AOK und Apotheker können diese Kritik nicht nachvollziehen. Die AOK bezeichnete die BPI-Äußerungen als Panikmache. Ärzte könnten weiterhin Impfstoffe aller Hersteller verordnen, die Kassen würden »problemlos die Kosten übernehmen«. Man habe »noch nie eine Wirtschaftlichkeitsprüfung wegen einer Grippeimpfstoff-Verordnung veranlasst«, so eine AOK-Sprecherin. Außerdem hätten sich die Grippe­impfstoff-Vereinbarungen in den vergangenen Jahren bewährt und keinesfalls zu mehr Lieferausfällen geführt. Ganz im Gegenteil: In den betroffenen Regionen kämen sie kaum noch vor. /

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