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Ebola

Kritik von Ärzte ohne Grenzen

25.03.2015
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Ein Jahr nach der offiziellen Bekanntgabe des Ebola-Ausbruchs in Westafrika hat die Organisation Ärzte ohne Grenzen eine kritische Analyse der globalen Bekämpfung der Krankheit veröffentlicht.

 

»Die Ebola-Epidemie hat schonungslos offengelegt, wie ineffizient und langsam die internationalen Gesundheits- und Hilfssysteme auf Notfälle reagieren«, sagt Joanne Liu, die internationale Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen, laut einer Pressemitteilung. Die Organisation warnt davor, den Ausbruch in Westafrika vorschnell für beendet zu erklären.

In der Woche vom 9. bis 15. März sind laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 150 neue Erkrankungen gemeldet worden, im Vergleich zu 116 in der Woche zuvor. So traten in Guinea insgesamt 95 neue Ebolainfektionen auf. Das ist der höchste Wert in diesem Land seit Beginn 2015. Aus Sierra Leone wurden der WHO zufolge 55 neue Fälle gemeldet, was für das Land ein Erfolg ist: Es stellt den niedrigsten Wert seit Juni 2014 dar. In Liberia hatte man gehofft, Ebola überwunden zu haben. Doch vergangene Woche erkrankte nach 20 Tagen ohne Neuinfektionen erneut ein Mensch an Ebola. Eine Frau wurde positiv auf das Virus getestet. Aktuell sei die Situation weiterhin herausfordernd, noch immer gebe es jede Woche mehr als 100 Neuinfektionen, berichtet Ärzte ohne Grenzen.

 

Insgesamt kamen nach WHO-Angaben in den westafrikanischen Ländern Guinea, Sierra Leone und Liberia mehr als 10 000 Ebola-Patienten ums Leben. »Der Ebola-Ausbruch wurde oft als ›perfekter Sturm‹ bezeichnet: eine grenzüberschreitende Epidemie in Ländern mit schwachen Gesundheitssystemen, in denen Ebola bislang unbekannt war«, sagt Christopher Stokes, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen in Belgien, von wo aus die Ebola-Projekte koordiniert wurden. »Doch wer das als einzige Erklärung gelten lässt, der macht es sich zu einfach. Dass die Epidemie dermaßen außer Kontrolle geraten konnte, liegt am Versagen zahlreicher Institutionen. Dieses vermeidbare Versagen hatte schlimme Konsequenzen.« Entscheidend für die Zukunft sei die Entwicklung einer globalen Strategie zur Entwicklung von Impfstoffen, Medikamenten und Diagnostika gegen Ebola. Eine detaillierte Analyse der Epidemie hat die Hilfsorganisation unter dem Titel »Pushed to the limit and beyond« veröffentlicht. /

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