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Omeprazol

Fälscher verhaftet

26.03.2013
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Von Anna Hohle / Im Zusammenhang mit den gefälschten Präparaten des Protonenpumpenhemmers Omeprazol sind zwei Tatverdächtige verhaftet worden. Schon seit zwei Jahren sollen sie ihr kriminelles Geschäft betrieben haben.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart und das Regierungspräsidium Tübingen teilten am Montag in einer gemeinsamen Presseerklärung mit, zwei 50 und 54 Jahre alte Verdächtige seien in der vergangenen Woche in Hamburg festgenommen worden. Sie sollen bereits »seit etwa zwei Jahren den Wirkstoff im Ausland bezogen und in gefälschten Packungen verschiedener Pharmaunternehmen bundesweit vertrieben« haben, heißt es dort. Inzwischen habe man auch die Lagerhalle ausfindig gemacht, in der die Verdächtigen die Medikamente verpackt und versendet haben sollen.

Zahlreiche Durchsuchungen

 

In den vergangenen Wochen hatten die Ermittler insgesamt 39 Groß- und Zwischenhändler durchsucht und dabei Fälschungen von Omeprazol-Präparaten der Hersteller Ratiopharm, Hexal und KSK gefunden. Zurzeit prüfe man, »ob noch weitere Hersteller betroffen sind«, so die zuständige Staatsanwältin gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung.

 

Nach dem aktuellen Stand der Ermittlungen scheint die Spur der gefälschten Pillen auch nach Spanien zu führen. Das Bundesgesundheitsministerium teilte mit, die Spanische Polizei (Guardia Civil) sei bereits in die Untersuchungen eingebunden worden. Aufgeflogen ist der Schwindel anscheinend nur durch einen Fehler der Fälscher: Diese hatten in der Packungsbeilage eines Ratiopharm-Präparats mehrere, einander widersprechende Wirkstärken angegeben, was einem Patienten aufgefallen war.

 

Wie groß ist nun die Gefahr für deutsche Patienten? Noch in der vergangenen Woche hatte Ratiopharm mitgeteilt, es hätte »zu keinem Zeitpunkt eine Gefährdung« bestanden. Peter Krcmar, Chef von KSK, würde diese Aussage jedoch nicht unterschreiben. »Auch wenn Wirkstoff und Dosierung mit dem Original übereinstimmen: Niemand weiß, wie es in den Produktionsstätten der Fälscher etwa in Bezug auf die Hygiene aussieht«, sagte Krcmar der Pharmazeutischen Zeitung. »Eine Gesundheitsgefährdung der Patienten kann deshalb auch nicht einfach ausgeschlossen werden.«

 

Ebenfalls nicht auszuschließen sei, dass es sich bei den nun aufgefundenen Fälschungen nur »um die Spitze des Eisbergs« handele, so Krcmar. Dass Fälschungen in dieser Dimension überhaupt möglich seien, liegt dem KSK-Chef zufolge an den zunehmend undurchsichtigen Lieferwegen über mehrere Zwischenhändler und Reimportfirmen.

 

Und auch die Bürokratie innerhalb Deutschlands treibe seltsame Blüten: So sei KSK von den Behörden mitgeteilt worden, das Unternehmen sei im Grunde nicht verpflichtet, die gefälschten Chargen nun zurückzurufen. »Denn die seien ja gar nicht von uns.« Zuständig für den Rückruf sei in diesem Fall von Rechts wegen eigentlich der Fälscher.

 

KSK zog die betroffene Charge nun dennoch zurück, so wie es zuvor auch Ratiopharm getan hatte. Auch Hexal hat nach der ersten betroffenen Charge mit Omep® 40 mg jetzt eine zweite Charge mit Omep® 20 mg zurückgerufen (siehe Rubrik AMK). /

Diese Größenordnung hat selbst Experten überrascht: Seit zwei Jahren sollen Betrüger Tausende Omeprazol-Fälschungen günstig im Ausland erworben und an Groß- und Zwischenhändler verkauft haben. So sind die Packungen letztendlich auch in deutsche Apotheken gelangt. Ein solcher Skandal erschüttert das Vertrauen der Verbraucher in Arzneimittel zutiefst. Denn obwohl Inhaltsstoffe und Wirkstärke der Fälschungen nach bisherigen Erkenntnissen mit den Originalen übereinstimmen: Noch weiß niemand, wo, von wem und unter welchen Bedingungen diese Mittel produziert wurden.

 

Um ähnliche Fälle in Zukunft zu verhindern, sind nun zwei Schritte unumgänglich: Erstens müssen die zuständigen Aufsichtsbehörden für eine lückenlose Aufklärung sorgen. Sämtliche Profiteure müssen ermittelt, ihre Motive und Methoden offengelegt werden. Zweitens müssen Initiativen wie Securpharm, die fälschungssichere Barcodes für Medikamentenpackungen vorsehen, rasch, flächendeckend und möglichst für alle Arzneimittel eingeführt werden. Nur über ein solches System können Apotheker jedes Medikament zuverlässig als Original identifizieren.

 

Ohne einen besseren Schutz jeder einzelnen Packung geht es nicht. Denn die Transportwege sind durch zahlreiche Zwischenhändler und Reimporteure längst so unübersichtlich geworden, dass der einzelne Apotheker kaum mehr nachvollziehen kann, wo ein Präparat tatsächlich hergestellt wurde. Und solange Händler wie Fälscher von unübersichtlichen Lieferwegen profitieren, wird dies nicht der letzte Fälschungsversuch gewesen sein.

 

Anna Hohle

PZ-Redaktion

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