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Chemikum Marburg

Hightech in der Hexenküche

27.03.2012
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Von Ulrike Abel-Wanek, Marburg / Hier knallt es, brodelt und zischt: In den neuen Räumlichkeiten des Chemikums Marburg in der Bahnhofstraße dürfen kleine und große Forscher nun täglich Experimente machen.

Mit weißen Kitteln bis zu den Knöcheln und riesigen Schutzbrillen marschiert eine Gruppe von zwölf Fünfjährigen aufgeregt ins »Kinderchemikum«, einen Raum mit Experimenten für die Altersgruppe von etwa vier bis zehn Jahren. Sie werden von Anja, Armin, Martin und Virginia in Empfang genommen. Die Betreuer, alle Chemie-Studenten der Philipps-Universität Marburg, gehen mit jeweils drei Kindern zu den verschiedenen Experimentierstationen. »Schlangen beschwören« heißt ein Versuch, bei dem sich ein schlangenähnliches Gebilde aus einer in Ethanol getränkten und dann angezündeten Emser-Pastille herauswindet. »Cool«, so der Kommentar von Henry, Tim und Richie, die das Experiment mithilfe ihres Betreuers eigenhändig und hoch konzentriert durchführen.

Nicht vordergründige Wissensvermittlung, sondern eigenständiges Handeln und Selbstvertrauen beim Experimentieren: So lautet das Konzept des Chemikums, das schon 2005 seine Labore im Fachbereich Chemie der Marburger Universität für jeweils vier Wochen im Jahr öffnete und bald zum Publikumsmagneten wurde. Der Erfolg der naturwissenschaftlichen Mitmacheinrichtung machte einen neuen, eigenen Standort und größere Räumlichkeiten notwendig.

 

Milchtütenweitspritzen, glibbrige Würmer, fliegender Pfeffer und platzende Lufballons stehen im »Kinderchemikum« auf dem Programm. Jugendliche und Erwachsene bringen im »Chemikum« Blechdosen zum Schreien, versilbern Reagenzgläser oder untersuchen, was Babys eigentlich trocken hält. Allein mit dem Gehör, dem Geruchs- und Tastsinn werden in einem weiteren Raum Experimente wahrgenommen, die sich schwerpunktmäßig an blinde und stark sehbehinderte Menschen, aber auch alle anderen Besucher wenden. Insgesamt vier verschiedene Bereiche bieten an rund 60 Experimentierstationen Einblicke in die faszinierende Welt der Stoffe: Wasser, Metalle, Energie oder die Chemie des Haushalts. Warum gehört beispielsweise Sekt in den Kühlschrank, und warum tilgt die Zitrone Fischgeruch? Andere Experimente kreisen um die Themen Sinneswahrnehmung und Ernährung, aber auch um moderne Methoden der Kriminaltechnik wie der DNA-Analyse.

 

Nicht Museum, sondern Mitmach-Labor: Vor allem soll es Spaß machen, den Phänomenen aus Chemie, Biologie, Pharmazie und Physik auf den Grund zu gehen. Im Gegensatz zur Schule wählen die Schüler hier ihre Experimente selbst aus und bestimmen, wie tief sie in die Materie einsteigen wollen. Man kann Experimente »nur« durchführen und sich an den Effekten freuen. Man kann aber auch Diskussionen mit den Assistenten über eine Deutung auf Teilchenebene suchen. »Es gibt Jugendliche, die sind total interessiert und von einem Labortisch gar nicht mehr wegzukriegen, andere ziehen von einem zum nächsten«, beobachtet Nathalie Nett, Betreuerin und Chemie-Masterstudentin im 7. Semester. »Viele wollen aber auf jeden Fall wiederkommen.«

 

»Auch ohne Werbung läuft es bisher super«, sagt Sabine Fahle, die Koordinatorin des Mitmachlabors. Erst seit Anfang März sind hier die Pforten dauerhaft von Dienstag bis Freitag und jeden ersten Samstag im Monat geöffnet. Und die Besucher strömen, so die Biologin. Hauptsächlich kämen Schulen und Kindergärten, auch Kindergeburtstage im Labor seien sehr beliebt. Geplant sind außerdem Berufsfindungsprojekte mit Jugendlichen. »An einen Ort zu gehen, sich einen Kittel anzuziehen und mit Ruhe zu forschen ist einfach ein Erlebnis«, so Fahle. Für alle Altersklassen und Berufe. Ärztliche Praxisteams waren schon da, sagt sie, und vielleicht käme demnächst ja auch mal die eine oder andere eine Apotheke. /

Chemikum Marburg

Bahnhofstraße 7

35037 Marburg/Lahn

 

Öffnungszeiten:

Di. bis Fr.: 8 bis 13.30 Uhr

Mi.: 15 bis 17 Uhr

1. Samstag im Monat: 15 bis 17 Uhr

www.chemikum-marburg.de

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