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Kindergesundheit

Apotheker können helfen

27.03.2012
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Von Eugenie Wulfert / Eltern mit kranken Kindern sind besonders stark auf die Beratung in der Apotheken angewiesen. Apotheker sind aber auch gefragt, wenn Krankheiten verhindert werden sollen.

Nicht nur Eltern, sondern auch Ärzte sind oftmals nicht ausreichend informiert, wie man Arzneimittel bei Kindern richtig einsetzt. »Das zeigt, dass pharmazeutische Beratung gerade bei Kindern dringend nötig ist«, sagte Friedemann Schmidt, Vizepräsident der ABDA – Bundesvereinigung der Apothekerverbände beim 20. Jubiläum der Selbsthilfeorganisation Kindernetzwerk vergangene Woche in Berlin.

 

Traditionelles Wissen

 

Gerade junge Eltern benötigen eine fachkundige Beratung, vor allem über den Einsatz von Hausmitteln. Das Wissen um traditionelle Behandlungsmethoden nehme rapide ab, sagte Schmidt. »Diese Kenntnisse werden offenbar nicht mehr von Generation zu Generation weitergegeben. Die Apotheker können dazu beitragen, das wertvolle Wissen um bewährte Behandlungsmethoden zu erhalten«, appellierte der ABDA-Vize. Eltern müssten dafür sensibilisiert werden, nicht in jedem Krankheitsfall sofort ein Medikament einzusetzen.

Kinder sind spezifische Patienten. Sie sind keine kleinen Erwachsenen. Auch deshalb gibt es bei der Behandlung kranker Kinder eine Reihe praktischer Probleme, die die Apotheker lösen müssen. Kinder mögen keine schlecht riechenden oder schmeckenden Arzneimittel. »Die pharmazeutische Kunst besteht darin, die Arzneimittel dem kindlichen Geschmack anzupassen. Damit können Arzneimittelhersteller und Apotheker ganz entscheidend die Compliance bei Kindern fördern«, sagte Schmidt.

 

Auch kindgerechte Darreichungsformen können helfen, die Kinder von der Einnahme zu überzeugen. Deren Bandbreite ist inzwischen hoch. Das ist gut, auf der anderen Seite lässt diese Vielfalt den Beratungsbedarf wachsen. »Die Einnahme von Arzneimitteln muss dem Kind so angenehm wie möglich gestaltet werden. Unser Beitrag besteht im Wesentlichen in der Anpassung und Entwicklung von pädiatrischen Arzneiformen und in der Anwendungsberatung«, sagte ABDA-Vizepräsident.

 

Neben den pharmazeutischen Aufgaben haben die Apotheken als besonders niedrigschwelliges Gesundheitsangebot im ambulanten Bereich die Aufgabe der Gesundheitsaufklärung und Gesundheitserziehung. »Auch wenn hier noch einige Verbesserungsmöglichkeiten bestehen, gibt es bereits viele tolle Projekte«, berichtete er.

 

So kümmern sich die Apotheker nicht nur in ihren Apotheken um die Gesundheit der Kinder, sie gehen auch in die Schulen und engagieren sich für die Prävention, so wie in dem Projekt »Apotheke macht Schule«. Im Rahmen des Projektes wurden zahlreiche Vorträge zu relevanten Gesundheitsthemen konzipiert. Apotheker informieren Schüler, Eltern und Lehrer unabhängig und werbefrei über Themen wie Lifestyle-Drogen, Essstörungen oder darüber, was Lehrer von chronisch kranken Kindern, wissen sollten. Das Projekt wurde 2005 in Baden-Württemberg ins Leben gerufen. Inzwischen bieten einige Landesapothekerkammern das Projekt mit großem Erfolg an Schulen an.

 

Ratgebermagazin für Eltern

 

Ein anderes Projekt hat die Sächsische Landesapothekerkammer 2009 initiiert. In Zusammenarbeit mit den ärztlichen Heilberufskammern sowie dem Sozialministerium gibt das Ratgebermagazin »Kinderstube« heraus. Es richtet sich an alle, die im Leben von Kindern eine Rolle spielen, also an Eltern, Großeltern, Erzieher und Lehrer.

 

»Apotheker haben eben die Chancen, auch die Menschen zu erreichen, die sonst dem Gesundheitswesen ausgesprochen kritisch gegenüberstehen, Menschen, die noch nie bei einem Elternabend waren oder ihre Kinder nicht persönlich in den Kindergarten bringen. Sie alle kommen trotzdem irgendwann in eine der 21 000 Apotheken in Deutschland«, sagte Schmidt. Diese Chance müssten die Apotheker zum Wohle der Kinder nutzen, so Schmidts Appell. /

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