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Apotheker als Zeitschriftenredakteure

29.03.2010
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Von Christoph Friedrich /  Apotheker, die im 18. und 19. Jahrhundert erste pharmazeutische Fachzeitschriften gründeten, prägten die Entwicklung der Naturwissenschaften. Im 19. und 20. Jahrhundert gaben Apotheker als Redakteure pharmazeutischen Fachzeitschriften ein unverwechselbares Gesicht, indem sie naturwissenschaftlich-medizinische Inhalte mit Berufspolitik mischten.

1780 begründete der Weimarer Apothekergehilfe Johann Friedrich August Göttling (1753 bis 1809) die erste pharmazeutische Fachzeitschrift, den »Almanach oder Taschenbuch für Scheidekünstler und Apotheker«, was besonders verwundern dürfte, da Gehilfen damals über nur wenig freie Zeit verfügten.

PZ-Originalia

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Göttling, der bereits 1769 im thüringischen Langensalza bei Johann Christian Wiegleb (1732 bis 1800), der als erster Gründer eines pharmazeutischen Privatinstitutes (1779) wesentlichen Anteil an der Verwissenschaftlichung der Pharmazie hatte, seine Lehrzeit begann, fand indes in Weimar, wo er 1774 eine Gehilfen-stelle übernahm, einen verständnisvollen Prinzipal (1,2). Der Arzt und Hofapotheker Wilhelm Heinrich Sebastian Bucholz (1734 bis 1798), der auch zum Freundeskreis Goethes zählte, war an der Pflege der wissenschaftlichen Pharmazie sehr interessiert, sodass er seinem Mitarbeiter größere Freiheit gewährte.

Dabei muss beachtet werden, dass damals zu den Aufgaben eines Zeitschriftenredakteurs nicht nur das Redigieren der Texte, sondern gleichfalls das Nacharbeiten der dort beschriebenen Experimente gehörte. Außerdem führte Göttling in der Weimarer Hofapotheke eigene Versuche durch, deren Ergebnisse er in seinem »Almanach« publizierte. Durch Vermittlung Goethes erhielt er ein Stipendium des Herzogs Carl August von Sachsen-Weimar, das ihm 1785 bis 1787 ein Studium in Göttingen sowie Reisen nach England und Holland ermöglichte (3). Nachdem er 1789 an der Universität Jena zum Doktor der Philosophie promoviert worden war, erhielt er dort eine außerordentliche Professur (4). Den »Almanach« hat er auch während seiner Studienzeit weiter redigiert, nach seinem Tode übernahmen Apotheker wie Christian Friedrich Bucholz (1770 bis 1818) und der Begründer des Terminus Alkaloid, Carl Friedrich Wilhelm Meissner (1792 bis 1853), die redaktionellen Arbeiten (2).

 

Trommsdorff und sein Journal

 

Eine zweite, gleichfalls von einem Pharmazeuten begründete Fachzeitschrift war das »Journal der Pharmacie«, das der Erfurter Apothekenbesitzer und nachmalige Professor Johann Bartholomäus Trommsdorff (1770 bis 1837) bereits 1792 in verschiedenen Zeitungen angekündigt hatte. Im Herbst 1793 erschien dann das erste Heft, und Trommsdorff formulierte als Ziel des Journals: »Aufklärung im pharmaceutischen Fache zu verbreiten; das wissenschaftliche Studium der Pharmacie zu erweitern; verjährte Vorurtheile auszurotten, Mängel aufzudecken, Empirie zu zernichten, junge Pharmaceutiker zu bilden, und so das Ganze zu vervollkommnen« (5). Bedenkt man, dass Trommsdorff zu diesem Zeitpunkt gerade 33 Jahre alt war, so überrascht die Kühnheit und Programmatik seiner Formulierung.

Sein »Journal«, das er bis 1816 weiterführte und ab 1817 bis 1834 unter dem Namen »Neues Journal der Pharmacie fuer Aerzte, Apotheker und Chemiker« fortsetzte, wurde »zum Kernstück seines publizistischen Wirkens«. Sein umfangreicher Briefwechsel, der inzwischen vollständig ediert vorliegt, umfasst zahlreiche Schreiben von Kollegen, die Aufsätze im Journal publizierten. In einigen Fällen, wenn neben dem Abdruck im Journal zugleich die handschriftliche, Trommsdorff brieflich mitgeteilte Fassung des Aufsatzes vorliegt, lässt sich seine redaktionelle Arbeit erahnen, die damals freilich mit Tinte und Feder erfolgte. Nicht selten erschienen die Arbeiten auch mit Anmerkungen des Herausgebers. Trommsdorff erledigte dieses umfangreiche redaktionelle Pensum neben seinen Pflichten als praktischer Apotheker, Lehrer in seinem Privatinstitut und Professor an der Erfurter Alma mater und nicht zuletzt neben zahlreichen weiteren publizistischen und wissenschaftlichen Arbeiten. Immer wieder forderte er junge Apotheker, häufig ehemalige Schüler seines Privatinstitutes, auf, Beiträge für seine Zeitschrift zu liefern (6). Das »Journal« fand eine durchweg positive Resonanz, selbst der als überaus kritisch geltende schwedische Chemiker Jöns Jacob Berzelius (1779 bis 1848) äußerte Interesse an dieser Zeitschrift (2).

Dennoch hatte Trommsdorff bereits 1833 einigen Briefpartnern mitgeteilt, dass er sein Journal aufgeben wolle. Hierzu bewog ihn zum einen sein vorgerücktes Alter, das ihn die redaktionellen Arbeiten zunehmend als Belastung empfinden ließ, aber auch Diskrepanzen mit dem Leipziger Verleger Friedrich Christian Wilhelm Vogel (1776 bis 1842). Schließlich war auch die Anzahl der pharmazeutischen Fachzeitschriften inzwischen beträchtlich gestiegen, wie Trommsdorff 1834, kurz vor der Einstellung seiner Zeitschrift, rückblickend anmerkte:

 

»Ein und vierzig Jahre sind verflossen, seit ich, mit jugendlicher Kraft ausgerüstet, die Herausgabe dieses Journals begann; als ein Greis ergreife ich jetzt die Feder wieder, um Abschied von meinen lieben Lesern zu nehmen. [. . .] Als ich diese Zeitschrift begründete, hatten schon viele würdige verdienstvolle Männer an der Verbesserung und Vervollkommnung der ausübenden Pharmacie gearbeitet, und zwar nicht ohne Erfolg. Die Lehrbücher eines Hagen, Wiegleb u. a. m., so wie die Taschenbücher eines Göttling hatten schon hier und dort Licht verbreitet. [. . .] Nachdem mein Journal die Bahn gebrochen, entstanden in der Folge ähnliche Zeitschriften, die auf ein gleiches Ziel arbeiteten, und jetzt sind derer vielleicht mehr als nöthig entstanden. [. . .] Ruhig kann ich meine Feder niederlegen, mögen die jüngeren Kräfte segensreich fortwirken und die Summe des Guten immer vermehren.« (7)

 

Auf den Vater folgte der Sohn

 

Auch Trommsdorffs wohl bedeutendster Schüler, der Apotheker und spätere Professor in Landshut und dann in München, Johann Andreas Buchner (1783 bis 1852), betätigte sich über viele Jahre als Zeitschriftenredakteur.

Von 1815 an bis zu seinem Tode gab er das »Repertorium für die Pharmacie« heraus, eine Zeitschrift, die von dem Münchner Apotheker Adolf Ferdinand Gehlen (1775 bis 1815) begründet worden war, der aber kurz nach Erscheinen des ersten Heftes an einer Arsen-Wasserstoff-Vergiftung verstorben war. In Buchners Zeitschrift erschienen zahlreiche wertvolle Beiträge deutscher Apotheker und Naturwissenschaftler (8). Das »Repertorium« hatte aber auch besonderen Anteil am Wissenschaftstransfer zwischen Frankreich und Deutschland, da zahlreiche Übersetzungen französischer Chemiker und Apotheker hier regelmäßig erschienen und so die deutschen Leser mit deren Entdeckungen bekannt machten. Zu dieser Zeit war Paris neben Stockholm das Zentrum der Chemie (9).

 

Buchners Sohn Ludwig Andreas (1813 bis 1897), der auch sein Nachfolger als Professor der Pharmazie und Toxikologie an der Münchner Universität wurde, setzte die Zeitschrift seines Vaters unter dem Titel »Neues Repertorium für die Pharmacie« bis 1876 fort.

 

Zeitschriften kamen und gingen

 

Das 1795 entstandene »Berlinische Jahrbuch«, eine weitere pharmazeutische Fachzeitschrift, wurde gleichfalls von Apothekern, die allerdings häufig wechselten, redaktionell betreut, darunter Valentin Rose d. J. (1762 bis 1807), Carl Friedrich Wilhelm Meissner und der Berliner Apotheker August Friedrich Theodor Lucae (1800 bis 1848) (2).

Schließlich bestand auch das Redaktionskollegium des 1822 aus den »Pharmaceutischen Monatsblättern« des Pharmazeuten und Buchhändlers Theodor Bernhard Georg Friedrich Varnhagen (1790 bis 1846) hervorgegangenen »Archivs des Apotheker-Vereins im nördlichen Teutschland« nur aus Apothekern, zunächst Rudolph Brandes (1795 bis 1842), Oberdirektor des norddeutschen Apothekervereins, aber auch August Peter Julius Du Menil (1777 bis 1852) sowie Ernst Witting (1795 bis 1861). Diese Zeitschrift, die 1831 und 1834 zeitweise mit den »Annalen der Pharmacie« fusionierte, erschien aufgrund von Spannungen zwischen Brandes und dem gegenüber Apothekern recht kritischen Justus Liebig (1803 bis 1873) ab 1835 wieder als selbstständige Zeitschrift und existiert heute noch als »Archiv der Pharmazie«, in dem vornehmlich pharmazeutisch-chemische Arbeiten erscheinen (10).

 

Unter der Schriftleitung der beiden Professoren für pharmazeutische Chemie, Ernst Schmidt (1845 bis 1921) aus Marburg und Heinrich Beckurts (1855 bis 1929) aus Braunschweig, erlebte die Zeitschrift zwischen 1890 und 1921 ihre erste große Blütezeit. Während Schmidt das Ziel verfolgte, die Zeitschrift zu »einer Sammelstelle aller Arbeiten auf dem Gebiet der pharmazeutischen Chemie und Pharmakognosie zu machen und dadurch das wissenschaftliche Ansehen des Apothekerstandes zu fördern« (11), war Beckurts ebenso um die Berücksichtigung von Standesfragen bemüht. Die Zeitschrift enthielt vorwiegend Originalarbeiten zur angewandten und pharmazeutischen Chemie, Pharmakognosie und Botanik, während andere Themen an die 1886 gegründete »Apotheker-Zeitung«, die von diesem Zeitpunkt an als Organ des Vereins fungierte, verwiesen wurden (1).

 

Hermann Hagers »Centralhalle«

 

Zu den bedeutenden Zeitschriftenredakteuren gehört der Apotheker Hermann Hager (1816 bis 1897), dessen Name bis heute mit dem nach ihm benannten Handbuch verbunden ist.

Hager verkörpert einen neuen Typus von Apothekerredakteuren: Während die Begründer und Herausgeber pharmazeutischer Fachzeitschriften des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts die redaktionelle Tätigkeit stets neben ihrem Beruf als Hochschullehrer oder praktische Apotheker zu bewältigen hatten, widmete sich Hager nach dem Verkauf seiner Apotheke in Fraustadt ab 1859 ganz seiner fachschriftstellerischen Arbeit. Im gleichen Jahr begründete er die »Pharmazeutische Centralhalle«, die er 20 Jahre redigierte.

 

Er widmete sich sehr intensiv seiner redaktionellen Arbeit für die »Centralhalle«, die ihn etwa drei Tage pro Woche beschäftigte, was gelegentlich dazu führte, dass er seine anderen Werke nur verzögert fertig stellen konnte. (12) 1879 trat aber der Apotheker Ewald Albert Geissler (1848 bis 1898) in die Redaktion ein, durch den lebensmittelchemische Arbeiten eine stärkere Berücksichtigung fanden.

 

»Pharmaceutische Zeitung«

 

Der in Schlesien wirkende Apotheker Hermann Mueller (1828 bis 1896) begründete 1856 noch als angestellter Provisor in der Stadtapotheke Bunzlau die »Pharmaceutische Zeitung«. Mueller, Sohn eines Kreisgerichtssekretärs aus dem schlesischen Raudten, hatte 1845 seine pharmazeutische Laufbahn als Lehrling in der Apotheke in Winzig bei Philipp Hanke (1813 bis 1899) begonnen.

Sein Lehrherr betätigte sich intensiv in der Kommunalpolitik als Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung, 1863 als Beigeordneter und 1874 als Ratmann. Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass er Muellers Interesse an der Politik schärfte, der später in Bunzlau gleichfalls als Stadtverordnetenvorsteher wirkte. Nach dem Studium der Pharmazie in Berlin 1852 und der ein Jahr später bestandenen Staatsprüfung konditionierte Mueller ab 1855 in der Stadtapotheke Bunzlau. Hier verfolgte der Postsekretär Schröder den Plan, eine Zeitung für Apotheker zu gründen. Als Vorbild diente ihm das ab September 1855 erschienene »Pharmaceutische Wochenblatt für Apotheker, Ärzte, Droguisten und die damit in Verbindung stehenden Fächer«, das die Kartonagefabrik und kartographische Anstalt Hermann Göbel & Co. in Bunzlau als Anzeigenblatt herausgebracht hatte, das aber nur wenige Monate erschien. Da für Schröder als Nichtapotheker die Herausgabe einer solchen Zeitung schwierig war, ließ er sich »nach langem Feilschen« die Idee von Mueller für 100 Taler abkaufen, der am 1. April 1856 die »Pharmaceutische Zeitung« in einer Auflage von 400 Exemplaren herausbrachte (13).

Mueller wollte im Unterschied zum Vorgängerblatt nicht nur Annoncen publizieren, sondern »sich vornehmlich auch über die mancherlei Fragen der ärztlichen und pharmaceutischen Interessen verbreiten, als auch dieser Kategorie angehörenden rein wissen­schaftlichen Artikeln stets gern ihre Spalten öffnen« (14). Als Redakteur und Unternehmer war »Chefmueller«, wie er genannt und als »kleiner, dicker, beweg­licher Herr mit langen, schlichten Haaren und goldener Brille« beschrieben wurde, bald ein reicher Mann und konnte sich ein repräsentatives Wohnhaus leisten (15).

 

Böttger und Urban

 

1869 trat mit Hermann Julius Böttger (1843 bis 1917) ein weiterer Apotheker in die Redaktion der Zeitung ein, der aufgrund seiner vielseitigen Ausbildung – er hatte neben Pharmazie noch Nationalökonomie und Philosophie studiert und war in Göttingen promoviert worden – die Zeitung entscheidend prägte. Nachdem er 1881 alleiniger Redakteur geworden war, machte er die Zeitschrift zu einem führenden Fachorgan der deutschen Apothekerschaft, wobei er sich stets bemühte, pharmazeutische Themen zugleich unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten zu betrachten.

Böttger, der Müllers Schwiegersohn wurde, trat auch als Buchautor hervor und galt als einer der besten Kenner des deutschen Apothekenrechts. Unter seiner Leitung wurde die Redaktion 1886 nach Berlin verlegt, und die Zeitung erschien nun im Verlag Julius Springer. Die Aufsätze erreichten in seiner Ära ein fast durchgängig hohes Niveau und behandelten neben gewerblichen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen auch historische, kulturhistorische und literarische Themen. Urban bemerkte dazu: »So gestaltete sich das Forum der Pharmaceutischen Zeitung zu einem Spiegelbild des fachlichen Lebens, zu einem Turnierplatz, auf dem mit eleganter, manchmal auch etwas spitzer Feder geistige Kämpfe ausgefochten wurden« (14).

 

Der aus dem Apothekerstand hervorgegangene bedeutende Fachjournalist Ernst Urban (1874 bis 1958) war 1900 zunächst als dritter Redakteur in die Pharmazeutische Zeitung eingetreten. In Breslau geboren, studierte er 1897 bis 1899 bei Hermann Thoms (1859 bis 1931) in Berlin Pharmazie und setzte seine Studien nach dem Staatsexamen in Breslau fort. Nachdem er 1908 zum zweiten Redakteur befördert worden war, übernahm er nach Böttgers Tod die Hauptschriftleitung.

Wie Hein bemerkt, verstand es Urban meisterhaft, »die Stofffülle der aktuellen Tagesfragen in bestrickender Klarheit darzustellen« (16). Offensichtlich vom Stil des einflussreichen Publizisten, Schriftstellers und Kritikers Theodor Wolff (1868 bis 1943), der seit 1906 an der Spitze des Berliner Tageblatts stand, beeinflusst, lassen seine Beiträge stets einen bereits im Elternhause juristisch geschulten Verstand erkennen, insbesondere, wenn sich Urban als kritischer Kommentator der pharmazeutischen Gesetzgebung und Rechtsprechung zeigte. Überzeugend trat er für die privatrechtlich betriebene Apotheke ein, war er doch zutiefst überzeugt, dass diese am besten geeignet ist, die pharmazeutischen Aufgaben zu erfüllen. Aufgrund seiner kritischen Berichterstattung während der Zeit des Nationalsozialismus verlor er 1933 seine Stellung. 1947 knüpfte er wieder als Chefredakteur der Pharmazeutischen Zeitung an die einstigen Erfolge an und leitete bis 1955 erneut die Redaktion (17), von 1951 an gemeinsam mit Dr. Hans Meyer (1895 bis 1977), der als eigentlicher Gründer der ABDA überaus segensreich für den Berufsstand wirkte (18).

 

Hauptamtliche Redakteure

 

Auch die »Süddeutsche Apotheker-Zeitung« prägten Pharmazeuten als Redakteure. Bereits der Vorläufer dieser Zeitschrift, das 1861 begründete »Pharmaceutische Wochenblatt aus Württemberg« war von einem Apotheker, Gottlieb Zwink (1811 bis 1891), herausgegeben worden. Der Heilbronner Apotheker Friedrich Kober (1847 bis 1926), der die Schriftleitung 1885 übernommen hatte, änderte ein Jahr später den Titel in »Süddeutsche Apotheker-Zeitung«. Er trug wesentlich zu ihrer Profilierung bei, indem er nun vermehrt wissenschaftliche, aber auch gewerbliche Beiträge abdruckte. 1914 übernahm Roland Schmiedel (1888 bis 1967) die Leitung der Redaktion; dank der Genehmigung der amerikanischen Militärregierung konnte unter ihm die Zeitschrift im April 1946 erneut erscheinen. Die 1886 gegründete »Apotheker-Zeitung«, damals offizielles Vereinsorgan des Deutschen Apotheker-Vereins, wurde gleichfalls von einigen sehr engagierten Apothekern geprägt; von 1884 bis 1886 wirkte der spätere Professor der Pharmazeutischen Chemie in Berlin, Hermann Thoms, als Chefredakteur, und danach bis 1900 der nachmalige Vorsitzende des Deutschen Apotheker-Vereins (DAV), Heinrich Salzmann (1859 bis 1945). Von 1924 bis 1933 stand der bereits erwähnte Hans Meyer an der Spitze der Redaktion (19).

 

Schließlich gab es auch einige Apotheker, die ihre journalistischen und publizistischen Ambitionen auf nichtpharmazeutische Gebiete ausdehnten. Zu ihnen zählt beispielsweise Franz Genthe (1857 bis 1923), der sich nach dem Verkauf der väterlichen Apotheke im altmärkischen Bismarck 1859 als Reiseschriftsteller betätigte und später Mitglied der Redaktion des Scherlschen Verlages in Berlin war (20).

 

Resümee

 

Apotheker gründeten im 18. Jahrhundert erste naturwissenschaftliche Zeitschriften. Für sie gilt, was Ernst Herbert Lehmann über die ersten Zeitschriftengründer generell bemerkte: Sie waren Männer, »die mit heißer Liebe an ihrem Beruf hingen und deshalb auch publizistisch auf ihrem Interessengebiet tätig sein wollten« (21). Dies trifft aber wohl auch für die Zeitschriftenredakteure des 19. und 20. Jahrhunderts zu. Während die Redaktionen der wissenschaftlichen Zeitschriften der Pharmazie bis heute überwiegend in der Hand von Hochschullehrern liegen, die sich dieser Nebentätigkeit mit großem Einsatz widmen, sind in den wöchentlich erscheinenden pharmazeutischen Periodika wie der Pharmazeutischen Zeitung oder der Deutschen Apotheker Zeitung vornehmlich hauptamtliche Redakteure, meist Apotheker, tätig. Dabei erwies es sich, wie die Geschichte zeigt, für deren Entwicklung stets als Glücksfall, wenn Redakteure berufspolitisches und wissenschaftliches Engagement zu verbinden vermochten, wie dies dem Chefredakteur der Pharmazeutischen Zeitung, Professor Dr. Hartmut Morck, 22 Jahre in geradezu idealer Weise gelang. /

Quellen und Literatur

  1. Wolf, S., Das deutsche pharmazeutische Reformschrifttum und Zeitschriftenwesen im 19. Jahrhundert, Dissertation Marburg 1971.
  2. Friedrich, Ch., Der Apotheker als Zeitschriftenredakteur in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in: Müller-Jahncke, W.-D. (Hrsg.), Der Apotheker und seine Fachliteratur. Pharmaziegeschichtliche Tagungsberichte, Stuttgart 2001, S. 57–71.
  3. Friedrich, Ch., Pharmazeuten rund um Goethe, in: Pharmazeutische Zeitung 144 (1999), 3303–3311.
  4. Aigner, W., Die Beiträge des Apothekers Johann Friedrich August Göttling (1755 [!]–1809) zur Entwicklung der Pharmazie und Sauerstoffchemie, Dissertation München 1985.
  5. Götz, W., Zu Leben und Werk von Johann Bartholomäus Trommsdorff (1770–1837). Darstellung anhand bisher unveröffentlichten Archivmaterials, Würzburg 1977 (Quellen und Studien zur Geschichte der Pharmazie, 16), S. 23–27, hier 25.
  6. Götz, W., Friedrich, Ch., Johann Bartholomäus Trommsdorff: Forschungen zu Leben und Werk, in: Pharmazeutische Zeitung 140 (1995), 4009–4016.
  7. Trommsdorff, J., Vorrede, in: Neues Journal der Pharmacie für Aerzte, Apotheker und Chemiker 27 (1834), S. III–XIV.
  8. Springer, M., Johann Andreas Buchner. Sein Leben und Werk. Ein Beitrag zur Entwicklung der deutschen Hochschulpharmazie im 19. Jahrhundert, Dissertation Marburg 1978.
  9. Friedrich, Ch., Französischer Wissenschaftstransfer im »Repertorium für die Pharmacie«, in: Pharmazeutische Zeitung 140 (1995), 2589–2595.
  10. Friedrich, Ch., Justus von Liebig und die Pharmazie, in: Pharmazeutische Zeitung 148 (2003), 1634–1638.
  11. Beckurts, H., Ernst Schmidt, in: Archiv der Pharmazie 259 (1921), zwischen 160 und 161.
  12. Hermann, J., Das wissenschaftliche Werk Hermann Hagers von 1859 bis 1897 im Briefwechsel mit seinen Verlegern Julius und Ferdinand Springer, Dissertation Heidelberg 1992.
  13. Brachman, W., Beiträge zur Apothekengeschichte Schlesiens, Würzburg 1966, S. 219.
  14. Urban, E., 100 Jahre Pharmaceutische Zeitung, Rückblick und Ausblick, in: Pharmazeutische Zeitung 101 (1956), S. 355–367, hier 358.
  15. Brachman, W., Die Bunzlauer Stadapotheke, in: Pharmazeutische Zeitung 101 (1956), S. 368–370, hier 370.
  16. Hein, W.-H., Urban, Ernst Oskar Waldemar, in: Hein, W.-H. u. Schwarz, H.-D. [Hrsg.]: Deutsche Apotheker-Biographie, 1. Ergänzungsbd., Stuttgart 1986 (Veröffentlichungen der Internationalen Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie, N. F. 55), S. 431f.
  17. Wolf, E., Stationen im Leben einer Zeitung, in: Pharmazeutische Zeitung 126 (1981), 647–657.
  18. Friedrich, Ch., »Es wird an uns liegen, diesem Namen Inhalt zu geben«. Die Geschichte der ABDA von 1950 bis 2000. Eschborn 2000.
  19. Friedrich, Ch., Müller-Jahncke, W.-D., Geschichte der Pharmazie. Von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart (Geschichte der Pharmazie/R. Schmitz 2), Eschborn 2005, S. 566 f.
  20. Urdang, G., Der Apotheker als Subjekt und Objekt der Literatur, Berlin 1926.
  21. Lehmann, E. H., Bemerkungen zur Erforschung der deutschen Fachpresse, in: Zeitungswissenschaft 9 (1934), 448.

Herrn Professor Dr. Hartmut Morck mit vielen guten Wünschen zum Geburtstag und mit Dank für die stets gute Zusammenarbeit gewidmet.

Anschrift des Verfassers:

Professor Dr. Christoph Friedrich

Institut für Geschichte der Pharmazie

Roter Graben 10

35032 Marburg

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