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Duloxetin lindert auch Schmerzen

28.03.2006  17:37 Uhr

Duloxetin lindert auch Schmerzen

von Christiane Berg, Hamburg

 

Der selektive Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Duloxetin verbessert nicht nur die depressive Symptomatik, sondern auch die häufig mit der Depression einhergehenden körperlichen Beschwerden. Dieser analgetische Effekt tritt offenbar unabhängig von der psychischen Wirkung der Substanz auf.

 

»Das Bild der Depression hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Während Depressionen früher zumeist gemeinsam mit Angst auftraten, erscheinen sie heute überwiegend gepaart mit Schmerz«, sagte  Dr. Heike-Ariane Washeim, Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie aus Zirndorf, auf einer Veranstaltung der Lilly Deutschland GmbH. Zunehmend gehen larvierte Depressionen mit ausgeprägten körperlichen Beschwerden wie Brust-, Kopf-, Rücken- und Bauchschmerzen sowie mit Appetit- und Gewichtsveränderungen, Müdigkeit und Schlafstörungen einher.

 

Krank von Kopf bis Fuß

 

Etwa acht von zehn Patienten berichten über diese so genannten Präsentiersymptome. Drei von vier sehen keinen direkten Zusammenhang zu psychischen Krankheitszeichen wie gedrückte Stimmung und Antriebsarmut, Abnahme der Konzentration und des Selbstwertgefühls, Interessenverlust und Hoffnungslosigkeit. Für die Prognose sei dies fatal, so Washeim. Teilweise hätten zahlreiche Patienten bis zu zehnjährige Odysseen durch ärztliche Praxen hinter sich, bevor ihnen mit einer entsprechenden Diagnose und Therapie wieder ein normales, unbeschwertes Leben möglich wäre. 

 

»Krank von Kopf bis Fuß«: Die Referentin verwies auf den neurobiologisch engen Zusammenhang von Depression und begleitenden Schmerzen, die pathopyhsiologisch durch die Dysregulation serotonerger und noradrenerger Neurone geprägt sein können. Die für die psychischen Symptome der Depression primär verantwortliche Dysbalance der Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin beeinflusse auch das Schmerzgeschehen, indem die inhibitorisch vom Mittelhirn über Nervenzellen und -bahnen auf Interneurone weitergeleiteten Schmerzsignale gehemmt werden. Die Neurologin machte deutlich, dass sich die Dysregulation  serotonerger und noradrenerger Neurone durch Gabe selektiver Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer wie Duloxetin beheben lässt. So verbessere sich bei einer Standarddosierung von 60 mg Duloxetin pro Tag im Vergleich zu Placebo bereits ab der zweiten Behandlungswoche nicht nur die depressive Kern-, sondern auch die sie begleitende Schmerzsymptomatik statistisch signifikant. Washeim sprach von einem »direkten analgetischen Effekt« des Antidepressivums. Die schmerzlindernde Wirkung sei auch an nicht depressiven Patienten belegt worden. Duloxetin ist nicht nur zu Behandlung depressiver Episoden, sondern seit Juli 2005 auch zur Behandlung von Schmerzen im Rahmen einer diabetischen Polyneuropathie zugelassen.

 

Etwa vier Millionen Deutsche leiden an depressiven Störungen. Lediglich zwei bis 2,8 Millionen sind in hausärztlicher Behandlung. Wiederum nur bei 1,2 bis 1,4 Millionen ist die Depression als solche erkannt und diagnostiziert. Letztlich werden nur 0,24 bis 0,36 Millionen Bundesbürger effizient therapiert. Die Depression zählt den häufigsten Erkrankungen des 21. Jahrhunderts und wird nach Untersuchungen der WHO zukünftig deutlich an Bedeutung gewinnen. Washeim betonte, dass es einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Zahl der beschriebenen körperlichen Schmerzsymptome und der Wahrscheinlichkeit einer Depression gebe.

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