Pharmazeutische Zeitung online
Studie

Land-Apotheken sind aktiver

22.03.2017
Datenschutz bei der PZ

Von Jennifer Evans / Wie sich die Leistungen von Präsenzapotheken zwischen Stadt und Land unterscheiden, hat das Institut für Handelsforschung (IFH) Köln mit dem Landesapothekerverband Baden-Württemberg ermittelt. Demnach gibt es deutliche Unterschiede, wie oft Nacht- und Notdienste, Botengänge sowie die Heimversorgung in Anspruch genommen werden. Land-Apotheken sind besonders fleißig.

Die Studienergebnisse, für die 1672 Apotheken und 300 Ärzte zu Offizin-Leistungen befragt wurden, zeigen: Apotheken in Orten mit weniger als 5000 Einwohnern übernehmen durchschnittlich 2,8 Nacht- und Notdienste pro Monat. Bei mehr als 100 000 Einwohnern müssen sie monatlich nur noch 1,2 Mal außerhalb der Öffnungszeiten erreichbar sein.

 

Häufigster Kundenkontakt

Allerdings versorgen Apotheken in ländlichen Gebieten weniger Notdienstkunden als Stadtapotheken. Mit 57 Notdienstkunden pro Monat haben Apotheken in Städten (Einwohnerzahlen zwischen 20 000 bis 50 000) den häufigsten Kundenkontakt. In kleineren Orten (weniger als 5000 Einwohner) sind es nur 27 Patienten, die den Nacht- und Notdienst aufsuchen. Folglich machen diese auch weniger Umsatz.

 

Die IFH-Untersuchung nahm auch den Botendienst unter die Lupe. Dieser wird umso häufiger genutzt, je kleiner die Stadt ist und je weiter die nächste Apotheke entfernt liegt. Im Schnitt beliefern Apotheken in kleineren Orten 196 Kunden pro Monat mit Arzneimitteln. Die Zahl der Kunden, die diesen Dienst nutzen, nimmt jedoch mit zunehmender Einwohnerzahl kontinuierlich ab. Laut Auswertungen machen in Großstadtapotheken (mehr als 100 000 Einwohner) im Monat nur 135 Kunden davon Gebrauch. Dieses Verhältnis gilt genauso mit Blick auf die Entfernung zwischen Apotheken. Je weiter Präsenzapotheken verstreut liegen, desto mehr Botengänge übernimmt jede einzelne.

 

Auch bei der Belieferung von Pflege- und Altenheimen sind Apotheken auf dem Land überdurchschnittlich aktiv. In kleineren Orten vorsorgen zwei Drittel auch Heimbewohner mit Arzneimitteln und Medizinprodukten. In Großstädten gaben dies nur knapp vier von zehn Befragten an.

 

Laut Studie setzen 80 Prozent der Land-Apotheken bis zu zwei Millionen Euro jährlich um. Das sind Betriebe, die in mehr als fünf Kilometer Entfernung zur nächsten Offizin liegen (in kleineren Orten betrifft das allein 51 Prozent aller Apotheken). Zum Vergleich: Sind Präsenzapotheken maximal 500 Meter auseinander, kommen weniger als zwei Drittel von ihnen auf diesen Umsatz.

 

In dünn besiedelten Gegenden müssten zentrale Aufgaben der Apotheken auf wenige Schultern verteilt werden, so der wissenschaftliche Leiter am IFH Köln, Markus Preißner. »Jede einzelne Präsenzapotheke leistet hier einen überdurchschnittlichen Beitrag zur flächendeckenden Arzneimittelversorgung.« Der Ausfall einer einzelnen Offizin könne kaum kompensiert werden. /

Mehr von Avoxa