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Migräneprophylaxe

Stromimpulse statt Medikamente

19.03.2014
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Von Daniela Biermann / Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat erstmals ein medizintechnisches Gerät zur Prävention von Migräneattacken zugelassen. Cefaly von der belgischen Firma STX-Med ist ein Gerät zur transkutanen elektrischen Nervenstimulation (TENS).

 

Es soll Erwachsenen mit häufigen Migräneattacken eine Alternative zu prophylaktischen Medikamenten bieten. In Deutschland ist das Gerät bereits mit Zertifizierung vom TÜV Nord auf dem Markt, vertrieben von der Bosana Medizintechnik GmbH. Das medizinische Hilfsmittel sei nach der europäischen Medizinprodukte-Norm zugelassen, heißt es auf der deutschen Produktwebsite. Allerdings muss ein Hersteller dabei nur die Unbedenklichkeit und nicht den Nutzen eines Produktes nachweisen. Ein Antrag auf Listung des 295 Euro teuren Geräts im Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung sei gestellt.

 

Cefaly sieht ähnlich aus wie ein Stirnband aus Plastik mit einem batteriebetriebenen Neurostimulator in der Stirnmitte. Das Gerät baut eine elektrische Spannung auf, die den Trigeminus-Nerv stimulieren soll. Schwere Nebenwirkungen traten im Rahmen der Zulassungsstudie, die der FDA vorlag, nicht auf. Es können jedoch ein leichtes Kribbeln, Schläfrigkeit während der Anwendung sowie Kopfschmerzen danach auftreten. Patienten können das Gerät laut FDA-Zulassung maximal einmal täglich für 20 Minuten nutzen, um Migräneattacken vorzubeugen.

 

Die 67 belgischen Probanden hatten zuvor an mindestens zwei Migräneattacken pro Monat gelitten und vor Studienbeginn mindestens drei Monate lang keine Medikamente zur Prophylaxe eingenommen. Im Vergleich zu einem Placebo-Gerät hatten die Patienten mit Cefaly signifikant mehr kopfschmerzfreie Tage und brauchten weniger Medikamente. Allerdings konnte die Behandlung das Auftreten von Mi­gräneattacken nicht komplett verhindern und auch nicht deren Intensität mindern. Auf der deutschen Website wirbt der Hersteller dagegen auch mit einer Schmerzreduktion. /

Von Katharina Holl / Am Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) startet eine Studie mit einem neuen Plättchenhemmer, der bei Patienten mit koronarer Herzerkrankung (KHK) eingesetzt wird. Revacept wirkt im Gegensatz zu konventionellen Gerinnungshemmern lokal und dichtet ähnlich einem Pflaster Gefäßläsionen gezielt ab.

GPVI ist ein Kollagen- bindender Rezeptor, der fast ausschließlich von Thrombozyten exprimiert wird und eine Schlüsselrolle bei der Aktivierung und Aggregation von Thrombozyten im Zusammenhang mit Gefäßverletzungen spielt. Bei intakten Gefäßwänden ist das Kollagen von Endo­thel bedeckt und hat keinen Kontakt mit dem Blut. Wird es im Fall einer Läsion freigelegt, können Thrombo­zyten über GPVI binden und es kommt zur Gerinnselbildung.

 

Bei einer Gefäßverletzung, zum Beispiel bei einer Gefäßweitung mithilfe eines Katheters, fungiert Revacept quasi als lösliches GPVI: Es dichtet die Läsion gezielt ab und verhindert dadurch die Thrombozytenadhäsion. Die Thrombozyten selbst werden nicht beeinflusst, sodass die Wirkung auf den Ort des Geschehens beschränkt bleibt.

 

Dass dies in der Praxis funktioniert, zeigte eine erste klinische Studie an gesunden Probanden. Revacept inhibirte dosisabhängig die Thrombozytenad­häsion, ohne die Blutgerinnung zu beeinflussen. Mittlerweile befindet sich Revacept in Phase II der klinischen Prüfung. Seit 2012 laufen Studien an Patienten mit Schlaganfall beziehungsweise entsprechenden Vorerkrankungen, wie aus einer Mitteilung des DZHK hervorgeht. Aktuell iniitiiert das DZHK eine Studie an 330 Patienten mit stabiler KHK, die sich einer perkutanen Koronarintervention zur Aufweitung der verengten Herzkranzgefäße unterziehen. /

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