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Honorardebatte

Becker drängt auf Dynamisierung

19.03.2013
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Von Christiane Berg, Hamburg / Die Einführung des Kombi­modells zur Preisbildung verschreibungspflichtiger Arzneimittel in Apotheken 2004 war der richtige Schritt. Jetzt müsse dringend über eine Dynamisierung nachgedacht werden, waren sich die Diskutanten einer Podiumsdiskussion einig.

Für den Vorsitzenden des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), Fritz Becker, gibt es keine Alternative zu einer Dynamisierung des Honorars. Diese müsse absolut rechtssicher sein, damit die Apotheken und deren Mitarbeiter nicht länger von der allgemeinen Wirtschaftentwicklung abgekoppelt seien, sagte Becker am vergangenen Wochenende bei einer Podiumsdiskussion während der Interpharm in Hamburg. Stattdessen müssten sie für den erhöhten Arbeitsaufwand etwa infolge der Rabattverträge entschädigt werden, betonte der DAV-Chef. »Das Wahljahr ist ein guter Zeitpunkt für diese Evolution«, sagte auch Professor Andreas Kaapke von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg.

 

Monster und Meisterwerk

 

Auch wenn es sich bei dem Entwurf des Apothekenotdienst-Sicherstellungsgesetzes (ANSG) um ein »von Juristen geschaffenes Meisterwerk« und »klares Monster« handele, hätten die Apotheker keine Wahl, so Becker. Sie müssten das Gesetz annehmen, wie es kommt. Ansonsten »sind die 120 Millionen Euro weg«, sagte der DAV-Vorsitzende. Die Notdienstpauschale müsse jedoch so gestaltet werden, dass sie einfacher umzusetzen sei. Dennoch könnten sich die Apotheker über die Pauschale freuen: Mit ihr werde erstmals die Versorgungsstruktur gestärkt, so Becker.

Auch der Vorsitzende des Hamburger Apothekervereins, Jörn Graue, sieht die Notdienstpauschale positiv. Erstmals sei den Apothekern mit dem ANSG eine Strukturkomponente zugebilligt worden, auf die sie schon gar nicht mehr zu hoffen wagten. »Dafür sollten wir dankbar sein«, sagte Graue. Er hält eine kostenfreie Abwicklung der Pauschale über die Rechenzentren für möglich. Hamburgs Kammerpräsident Kai-Peter Siemsen nannte das ANSG einen »bürokratischen Moloch«, der dennoch praxistauglich gestaltet werden könne. Siemsen forderte vernünftige wirtschaftliche und ordnungspolitische Rahmenbedingungen für die Apotheke, die auch die Kostenentwicklungen der vergangenen zehn Jahre abdecken.

 

Für Becker ist die Pauschale nur ein erster Schritt. Der DAV-Vorsitzende sieht konstruktive Ansätze dafür, dass in Zukunft auch weitere Leistungen der Apotheker honoriert werden könnten. Mit dem Honorar für die Arzneimittelversorgung und dem Notdienst als Basis müssten die Apotheker eine Honorierung weiterer Zusatzleistungen erkämpfen. Die bisherige Zurückhaltung von Kassen und Politik an dieser Stelle kann der DAV-Chef nicht nachvollziehen. »Die Kassen sind zwar an Zusatzleistungen interessiert, doch wollen sie bislang dafür nicht zahlen. Das kann es nicht sein«, so Becker.

 

Der Berater Uwe Hüsgen ermutigte die Apotheker, sich offensiver zu äußern: »In Apotheken ist eine unglaubliche Kompetenz vorhanden. Es fehlt den Apothekern jedoch an Selbstbewusstsein, diese nach außen zu tragen und entsprechend zu verkaufen«, konstatierte Hüsgen. »Apotheker sind Vollakademiker, die immer so tun, als seien sie Hilfsarbeiter des Arztes. Das kann so nicht weitergehen.«

 

Politiker überzeugen

 

»Apotheker müssen ihre eigenen Vorstellungen ins Spiel bringen«, betonte auch Kaapke. »Im Sturm schießt man Tore.« Standespolitiker müssten als Stürmer fungieren und die Politik »gebetsmühlenartig« mit den Vorstellungen der Apothekerschaft konfrontieren. Den derzeitigen Streit um den Kassenabschlag nannte Kaapke einen Skandal. Zum einen sei die Erhöhung im Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz lediglich als zeitweiliges Sonderopfer gedacht gewesen. Zum anderen sei die grundlegende Idee von Rabatten die Goutierung besonderer Leistungen, etwa beim Bestellen von Waren. Bei den Kassen könne davon kaum die Rede sein.

 

Ohnehin rechnet Kaapke nicht damit, dass die Kassen ihre strukturelle Vormachtstellung aufgeben werden. Im Gegenteil: Das Verhältnis zwischen Apothekern und Krankenkassen werde sich in den kommenden Jahren weiter verschlechtern, so Kaapkes Prognose. /

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