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Candidosen

Hilfe bei Hefepilz-Infektionen

22.03.2011
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Von Iris Hinneburg / Hefepilze der Gattung Candida finden sich nahezu überall. Ein gesundes Immunsystem kann Infektionen meist verhindern, doch können sich die Erreger bei prädisponierenden Faktoren auf Haut und Schleimhäuten ausbreiten. Einige Antimykotika, die gegen Candida- Infektionen wirksam sind, können in der Selbstmedikation abgegeben werden. Eine ärztliche Diagnose ist dennoch in manchen Fällen sinnvoll.

Erreger der Gattung Candida werden mikrobiologisch zu den Hefen gezählt. Zur Gattung gehören zahlreiche Arten, die Schleimhautinfektionen, aber auch systemische Mykosen hervorrufen können. Die häufigste humanpathogene Art ist Candida albicans, die sich bei etwa 80 Prozent aller Menschen findet, vor allem im Magen-Darm-Trakt. Bei immungesunden Menschen kommt es in der Regel zu keiner Infektion. Bei einer geschwächten Abwehr oder bei begünstigenden Faktoren kann der Hefepilz aber eine Mykose verursachen. Am häufigsten sind dabei die Vaginal- und Mundschleimhaut betroffen, aber auch Hautinfektionen sind möglich. Bei erstmaligem Befall ist in der Regel ein Arztbesuch anzuraten, um die Erkrankung differenzialdiagnostisch abklären zu lassen.

 

Vaginalcandidose

 

Bei etwa 20 Prozent aller Frauen vor den Wechseljahren ist die Vaginalschleimhaut mit Candida besiedelt, ohne dass es zu einer Infektion kommt. Bei Schwangeren sollen es sogar 30 Prozent sein. Allerdings erkranken etwa zwei von drei Frauen im Laufe ihres Lebens mindestens einmal an einer Vaginalcandidose. Prädisponierende Faktoren wie eine vorhergehende Antibiotika-Therapie, eine gestörte Glucosetoleranz sowie übertriebene Intimhygiene tragen zur Krankheitsentstehung bei. Die Beteiligung von psychosozialem Stress, Allergien, Estrogenen und genetischen Faktoren wird ebenfalls diskutiert.

Typische Symptome, die auf einen Candida-Befall hindeuten, sind ein weißer quarkähnlicher geruchloser Ausfluss, Juckreiz, Brennen und eine Rötung des Scheideneingangs. Bei 85 bis 90 Prozent aller Vaginalcandidosen ist Candida albicans der Krankheitserreger. Allerdings können auch andere Candida-Arten wie Candida glabrata zu einer Candidose führen. Diese Candida-Spezies kommt besonders häufig bei postmenopausalen oder immunsupprimierten Frauen sowie Diabetikerinnen vor. Wichtig zu wissen: Candida glabrata spricht auf die herkömmlichen Antimykotika in der üblichen Dosierung nicht an.

 

Ob bei einer Vaginalcandidose eine Selbstbehandlung sinnvoll ist, ist unter Fachleuten umstritten. So weist etwa die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe zur Vulvo­vaginalcandidose auf eine Studie hin, bei der von 95 Frauen, die Antimykotika in der Selbstmedikation erworben hatten, nur ein Drittel tatsächlich unter einer Candidose litten. Wenn die Symptome unklar sind, sollte daher in der Apotheke die ärztliche Diagnose empfohlen werden. Gleiches gilt, wenn die Symptome zum ersten Mal oder häufiger als vier Mal pro Jahr auftreten, bei Patientinnen unter 18 Jahren sowie bei Schwangeren.

 

In der Selbstmedikation sind lokale Antimykotika in Form von Vaginalcremes oder -suppositorien verfügbar, die je nach Präparat zwischen einem und sechs Tage lang angewendet werden. Um eine möglichst lange Einwirkzeit zu erreichen, sollte die Patientin das Präparat abends vor dem Schlafengehen in die Vagina einführen. Wirkstoffe wie Clotrimazol, Ciclopirox oder Nystatin haben eine vergleichbare Wirksamkeit und führen in etwa 85 Prozent aller Fälle zur Heilung. Wenn die topische Therapie nicht ausreichend hilft, kommen meist orale Präparate mit Fluconazol oder Itraconazol nach ärztlicher Verordnung zum Einsatz.

Tipps für das Beratungsgespräch

Vaginalmykose

keine übertriebene Intimhygiene – tägliche Reinigung mit warmem Wasser ist ausreichend

richtige Toilettenhygiene (nach dem Stuhlgang nicht in Richtung Scheide wischen)

Unterwäsche aus Baumwolle tragen und bei 60 Grad waschen

Slipeinlagen mit Plastikfolie vermeiden

 

Mundsoor

Sitz von Prothesen regelmäßig kontrollieren lassen

Inhalative Glucocorticoide vor den Mahlzeiten anwenden beziehungsweise nach der Anwendung den Mund ausspülen

 

Hautinfektionen

Feuchte Hautfalten vermeiden (Pflege von bettlägrigen Patienten!)

Bei Feuchtarbeiten im Beruf auf ausreichende Hautpflege achten

Bei Säuglingen Stuhlwindeln sofort wechseln

 

Rezidivierende Infekte sind häufig und werden in der Regel mit einer intermittierenden oralen Fluconazoltherapie über mehrere Monate hinweg behandelt. Wenn der Sexualpartner keine Symptome eines Candida-Befalls hat, bietet eine Partner­behandlung keinen Nutzen für die Patientin. Schwangeren mit vaginaler Candida-Kolonisation wird auch ohne Symptome eine antimykotische Behandlung empfohlen, um eine Übertragung von Candida albicans auf das Neugeborene während der Geburt zu verhindern.

 

Diskutiert wird auch die vaginale oder orale Applikation von Laktobazillen zur Stärkung der Vaginalflora, um wiederkehrende Candida-Infektionen zu vermeiden. Die Datenlage zur Wirksamkeit ist jedoch uneinheitlich. Da die Präparate in der Regel gut verträglich sind, können Frauen mit rezidivierender Vaginalcandidose einen Therapieversuch unternehmen. Die Leitlinie zur Behandlung der Vaginalcandidose fordert aber weitere Studien, bevor eine eindeutige Empfehlung ausgesprochen werden kann.

 

Mundsoor

 

Auch auf der Mundschleimhaut wird bei 20 bis 50 Prozent der gesunden Menschen eine Kolonisation mit Candida albicans gefunden. Das Krankheitsbild des Mundsoors entwickelt sich, wenn gleichzeitig prädisponierende Faktoren vorliegen. Dazu gehören etwa Zahnprothesen, Diabetes mellitus, eine Behandlung mit Breitspek­trumantibiotika oder immunsupprimierende Medikamente. Mundsoor ist auch eine häufige lokale Nebenwirkung, wenn bei Atemwegserkrankungen Glucocorticoide inhalativ angewendet werden. Die orale Candidose äußert sich typischerweise mit einem weißen Belag auf einer stark geröteten Mundschleimhaut. Häufig klagen die Patienten über Missempfindungen, gelegentlich treten auch Schmerzen auf. Bei ausgedehntem Befall, der sich unter Umständen bis zum Ösophagus ausweiten kann, sollten die Patienten immer zum Arzt geschickt werden, da eine immunsupprimierende Grunderkrankung vermutet werden muss.

 

Behandelt wird die orale Candidose in der Regel topisch mit Polyen-Antimykotika (etwa Nystatin Suspension, Lutschtabletten mit Amphotericin B oder Natamycin) oder Imidazolen (Miconazol Mundgel). Präparate mit Nystatin und Miconazol sind für die Selbstmedikation verfügbar. Der Patient sollte das Arzneimittel so lange wie möglich im Mund behalten, um die Kontaktzeit zu verlängern. Bei ausgedehntem Befall oder wenn die lokale Behandlung nicht ausreicht, kann der Arzt Interna (Fluconazol, Itraconazol, Posaconazol) verordnen.

 

Candida-Infektionen der Haut

 

Candida-Infektionen der Haut äußern sich üblicherweise mit Pusteln, die nässende und gerötete Herde mit einem weißlichen Saum bilden. Sie entstehen bevorzugt in intertriginösen Bereichen, etwa in den Hautfalten von Leiste, Bauch, Achseln sowie bei Frauen unter der Brust. Dort findet der Hefepilz ideale feucht-warme Wachstumsbedingungen vor. Infektionen sind bei Frauen häufiger als bei Männern und nehmen mit steigendem Alter zu. Bei Berufsgruppen, die über einen längeren Zeitraum mit Feuchtarbeiten beschäftigt sind, etwa in Küchen oder Wäschereien, kommen Candida-Infektionen häufig in den Interdigitalräumen der Hand vor.

Diabetes mellitus und Adipositas stellen zusätzliche Risikofaktoren für eine dermale Candidose dar. Da sich ein bisher unbekannter Diabetes auch in einer Candida-Infektion der Haut erstmals manifestieren kann, sollte der Apotheker dem Patienten zu einem Arztbesuch raten, wenn die Erkrankung zum ersten Mal auftritt.

 

Bei Säuglingen kann das feucht-warme Klima der Windel einen Candida-Befall der Haut am Po und im Genitalbereich fördern. Der Erreger hat in der Regel vorher den Gastrointestinaltrakt besiedelt und führt zur Entstehung einer Windeldermatitis, wenn er mit dem Stuhl ausgeschieden wird. Die Infektion entwickelt sich besonders leicht auf vorgeschädigter und gereizter Haut, kann aber auch gesunde Haut betreffen. Lange Einwirkzeiten, wenn die Windel etwa zu selten gewechselt wird, tragen ebenfalls zu einer Infektion bei. Eine Selbstbehandlung sollte möglichst nur dann erfolgen, wenn die Symptome bereits vorher aufgetreten oder die Eltern mit der Erkrankung vertraut sind. Infektionen bei frühgeborenen oder immunsupprimierten Säuglingen müssen auf jeden Fall ärztlich behandelt werden.

 

Dermale Candidosen werden in der Regel topisch therapiert. In der Selbst­medikation stehen dafür Dermatika mit Terbinafin, Nystatin und Imidazol-Antimykotika (etwa Bifonazol, Clotrimazol) zur Verfügung. Die Patienten sollten auf eine aus­reichend lange Anwendungs­dauer hingewiesen werden, die je nach Präparat unterschiedlich ist. Eine zu kurze Behandlungsdauer erhöht das Risiko für Rezidive. In Präparaten zur Behandlung der Windeldermatitis ist neben antimykotischen Wirkstoffen häufig auch Zinkoxid enthalten, das die nässenden Bereiche abheilen lässt. Wenn der Kinderarzt Candida-Befall festgestellt hat, wird häufig eine orale Behandlung empfohlen, um den Erreger im Gastrointestinaltrakt zu eliminieren. / 

Literatur

Deutsche Dermatologische Gesellschaft/Deutsche Mykologische Gesellschaft. S1-Leitlinie Orale Candidose. AWMF-Reg.nr. 013/006, Stand Januar 2008

Deutsche Dermatologische Gesellschaft/Deutsche Mykologische Gesellschaft/Berufsverband der Dermatologen. S1-Leitlinie Candidose der Haut. AWMF-Reg.nr. 013/005, Stand September 2005

Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. S1-Leitlinie Vulvovaginalkandidose. AWMF-Reg.nr. 013/004, Stand August 2010

Hahn H. Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer Heidelberg, 2009

Mendling W. Rezidivierende Vaginalinfektionen. Gynäkologe 2009; 42:766–771

Mylonas I. Infektionserkrankungen der Vulva und Vagina. Gynäkologe 2010; 43:429–440

Witt A, Kiss H. Infektionen in Gynäkologie und Geburtshilfe. Gynäkologe 2009; 42:39–42

 

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