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Krankenhäuser

Weniger Bürokratie, andere Finanzierung

23.03.2010
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Von Martina Janning, Berlin / Der Gesundheitsminister steht seit Wochen im Kreuzfeuer. Nicht so beim Empfang der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Die rund 800 Gäste waren sich weitgehend einig: Philipp Rösler hat satirisches Talent. Auch seine Ansätze fürs Krankenhaus stießen bei vielen auf Zustimmung.

Unbekannte Töne von Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP): Beim Frühlingsempfang der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) eröffnete er seine Rede mit einer Politik- und Mediensatire. Darin spielte Rösler durch, was passiert, wenn er im kleinen Kreis erzählt, er würde gern mal wieder ohne Anzug und Krawatte über die Friedrichstraße gehen. »Rösler will nackt über die Friedrichstraße laufen«, hieße es dann in den Medien und sein »neuer Kumpel« von der SPD, Karl Lauterbach, geißele das als die gelebte soziale Kälte der FDP. Das brachte Rösler Lacher, Sympathie und Aufmerksamkeit für seine Inhalte.

Drei Stunden für Dokumentation

 

Der Minister machte sich für einen Bürokratieabbau in den Kliniken stark. Ein Krankenhausarzt sei drei Stunden am Tag mit Dokumentationsaufgaben beschäftigt, dies sollte mindestens eine Stunde weniger werden. »Das ist alle Anstrengung wert«, sagte er. Rösler ermahnte die Krankenhäuser aber auch zu mehr Transparenz, indem sie verständliche Qualitätsberichte veröffentlichen. Am Ende, so sagte Rösler, hätten mündige Versicherte und aufgeklärte Patienten die wichtigste Kontrollfunktion in der medizinischen Versorgung.

 

Zur Finanzierung versprach Rösler, bei den Krankenhausbudgets die bestehende Bindung an die Grundlohnrate abzulösen. Sie leitet sich aus der Lohnentwicklung in der Vergangenheit ab und nimmt keinerlei Rücksicht auf die aktuellen Ausgaben. Von den Bundesländern forderte der Minister, ihren Investitionspflichten nachzukommen. »Wenn die Länder Krankenhausplanung machen wollen, müssen sie die nötige Verantwortung übernehmen. Ich traue mir zu, eine Gesundheitsreform auf den Weg zu bringen, aber keine Föderalismusreform«, sagte Rösler.

 

Er kündigte erneut an, die ambulante Versorgung in Krankenhäusern, kritisch zu überprüfen. Das findet die DKG »nicht akzeptabel«. Medizinische Versorgungszentren (MVZ) würdigte Rösler dagegen als Chance für junge Ärzte und Ärztinnen, um Familie und Beruf besser vereinbaren zu können und einen Ärztemangel zu beseitigen. Er berichtete, dass das Ministerium eine Arbeitsgruppe um Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz (CDU) eingerichtet hat, um den Arztberuf im Krankenhaus attraktiver zu gestalten als bisher. DKG-Präsident Dr. Rudolf Kösters hatte zuvor darauf hingewiesen, das zwei Drittel der Krankenhäuser ihre Arztstellen nicht mehr besetzen könnten. Er forderte mehr Studienplätze und andere Auswahlverfahren. /

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