Pharmazeutische Zeitung online
CoBox

Videokonferenz mit dem Apotheker

23.03.2010
Datenschutz bei der PZ

Von Sven Siebenand, Marburg / Nachdem es zum Beispiel schon in Sanitätshäusern und in Sparkassenfilialen Videoapotheken gibt, hat nun in einem medizinischen Versorgungszentrum in Marburg eine sogenannte CoBox eröffnet. Virtuelle Apotheke, ganz menschlich?

Bei einer CoBox handelt es sich um eine Videobox, in der Patienten per Videokonferenz Arzneimittel bestellen können, die von einer Apotheke später ausgeliefert werden. In diesem Fall ist das die Lahnapotheke in Marburg mit ihrem Inhaber Thorsten Junk. Wie Ulrich Baudisch, Vorstandsvorsitzender der CoBox AG, auf einer Pressekonferenz berichtete, handelt es sich bereits um die achte Box, die in Betrieb genommen wurde. Nach eigenem Bekunden habe er täglich drei bis fünf Anfragen von Apothekern bundesweit.

 

Bislang hat aber nur das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt die Videoapotheken genehmigt. Das RP ist einem Schreiben an den Hessischen Apothekerverband (HAV) zufolge inzwischen der Auffassung, dass es sich bei der CoBox um einen Apothekenbetriebsraum handelt. Diese sollen gemäß Apothekenbetriebsordnung so angeordnet sein, dass sie ohne Verlassen der Apotheke zugänglich sind. Eine Ausnahme sei jedoch unter anderem für Räume, die dem Versandhandel dienen, vorgesehen. Deshalb müsse vor Inbetriebnahme einer CoBox eine Versandhandelserlaubnis vorliegen. Zudem weist das RP in dem Schreiben darauf hin, dass unter Versandhandel in der Regel die Auslieferung durch Dritte zu verstehen ist, nicht der Botendienst.

 

In jedem Fall müssen aber alle gesetzlichen Vorgaben für den Versandhandel eingehalten werden. Zudem müssen sich die Räume, die dem Versandhandel dienen und sich nicht in der Raumeinheit befinden, in »angemessener Nähe« zur Apotheke befinden. Der HAV sieht das Projekt CoBox mit großer Skepsis: »Die Auffassung des RP, dass es sich um Räume im Zusammenhang mit dem Versandhandel handelt, halten wir für ziemlich weit hergeholt. Damit werden ein weiteres Mal außerhalb der Apotheke Arzneimittel angeboten.« Unter Berücksichtigung der geltenden Vorschrift und deren Auslegung sei rechtlich nichts einzuwenden. Allerdings bezweifelt der HAV, dass so eine CoBox tatsächlich rentabel ist. Baudisch hatte davon gesprochen, dass etwa zehn Rezepte pro Tag dazu ausreichen würden. Großzügig gerechnet sind das dem HAV zufolge 100 Euro. Bei Öffnungszeiten von Montag bis Freitag kommen in vier Wochen dann 2000 Euro (vor Steuer) zusammen. Rechne man die Kosten von 1500 bis 2000 Euro, von denen Baudisch gesprochen hatte, und die Personal- und Versandkosten dagegen, so könne da eigentlich nichts übrig bleiben.

 

Baudisch beeindruckt die Kritik wenig. Den Pressevertretern führte er die Funktion der CoBox in dem Marburger MVZ vor. Dabei versuchte er auch immer wieder zu demonstrieren, wie menschlich diese Form der virtuellen Apotheke doch sei. So reichte er dem pharmazeutischen Personal in der Apotheke nach dem Einkauf die Hand zum Abschied, die Glasscheibe zwischen den Gesprächspartnern war trotzdem da.

 

CoBox-Betreiber Junk will den Patienten des MVZ den Weg zur Apotheke ersparen und eine individuelle und diskrete Beratung sicherstellen. Im Umkreis von zwei Kilometern um das MVZ finden sich allerdings mehrere Apotheken.

 

Immerhin räumte Baudisch Grenzen für die CoBox ein, also Fälle, in denen die Patienten dann doch in die Apotheke einbestellt werden müssen. Wie soll zum Beispiel die Handhabung eines Insulin-Pens oder das Anlegen einer Bandage virtuell eingeübt werden? /

Mehr von Avoxa