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Tuberkulose

Keine Entwarnung

23.03.2010
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Von Gudrun Heyn, Berlin / Seit Jahren geht die Zahl der neu erkrankten Tuberkulose-Patienten in Deutschland kontinuierlich zurück. Doch global steigt sie. Zudem entwickeln immer mehr Keime Resistenzen gegen Antibiotika. Die Gefahr ist alles andere als gebannt.

Noch in den 1970er-Jahren glaubte die Weltgesundheitsorganisation, die Tuberkulose besiegen zu können. »Heute ist sie weltweit die tödlichste bakterielle Infektionskrankheit, und die Zahl der Menschen, die an einer multiresistenten Tuberkulose erkrankt sind, liegt auf einer Rekordhöhe«, sagte Professor Dr. Robert Loddenkämper vom Deutschen Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose anlässlich des Welttuberkulosetages am 24. März vor Journalisten in Berlin.

 

Die WHO schätzt, dass jährlich weltweit etwa 9,4 Millionen Menschen neu an einer Tuberkulose (Tbc) erkranken und rund 1,8 Millionen an den Folgen versterben. Zu den Ländern mit einer besonders hohen Inzidenz gehören die Staaten der ehemaligen Sowjetunion (NUS-Staaten) mit rund 100 Betroffenen pro 100 000 Einwohner oder im südlichen Afrika mit weit mehr als 300 Erkrankten pro 100 000 Einwohner. Dort ist zudem die Prozentzahl der HIV-Koinfektionen besorgniserregend hoch.

 

Doch vor allem die Ausbreitung multiresistenter Keime bereitet den Medizinern zunehmend Sorge. Bei einer MDR-Tbc liegen Resistenzen mindestens gegen die beiden wichtigsten Erstrang-Antituberkulotika Isoniazid und Rifampicin vor. Bereits 5 Prozent aller neu erkrankten Menschen sind davon betroffen. In den NUS-Staaten geht die WHO sogar davon aus, dass etwa ein Viertel aller Neuerkrankten unter einer MDR-Tbc leidet.

 

Zudem sollen derzeit weltweit rund 25 000 Menschen jährlich neu an einer XDR-Tbc erkranken. Dabei besteht eine MDR-Tbc mit zusätzlichen Resistenzen gegenüber mindestens einem der Fluorchinolone und einem der drei injizierbaren Zweitrang-Antituberkulotika (Amikacin, Kanamycin oder Capreomycin). Die Therapie dieser Patienten gestaltet sich außerordentlich schwierig.

 

In Deutschland entspannt sich die Situation seit Jahren. Heute liegt die Inzidenz bei 5,5 Tbc-Patienten auf 100 000 Einwohner und der Anteil multiresistenter Erreger bei rund 1,5 Prozent. Doch bei genauerer Betrachtung zeigen sich große Unterschiede zwischen einzelnen Bevölkerungsgruppen und Regionen. So ist das Erkrankungsrisiko für Männer höher als für Frauen, in Ballungsräumen größer als auf dem Land und für Migranten höher als in der einheimischen Bevölkerung. Zudem betrifft das MDR-Tbc-Risiko vor allem Patienten, die aus den NUS-Staaten stammen. Doch jeder kann sich infizieren. /

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