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Morbus Parkinson

Ropinirol einmal täglich

08.04.2008  17:36 Uhr

Morbus Parkinson

Ropinirol einmal täglich

Von Sven Siebenand, Frankfurt am Main

 

Mit der Einführung einer Ropinirol-Retardtablette steht seit Anfang März erstmals ein non-ergoliner Dopaminagonist zur täglichen Einmalgabe zur Verfügung. Neben einer besseren Compliance hat die neue Formulierung noch weitere Vorteile.

 

»Dopaminagonisten sind bei Parkinson-Patienten unter 70 Jahren heute Mittel der ersten Wahl«, sagte Professor Dr. Wolfgang Jost, Leiter des Fachbereichs Neurologie und Klinische Neurophysiologie an der Deutschen Klinik für Diagnostik in Wiesbaden. Anlässlich der Einführungs-Pressekonferenz der Ropinirol-haltigen Retardtablette ReQuip-Modutab® von GlaxoSmithKline am 10. März in Frankfurt am Main ging er auf die  aktuellen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie ein. Diese empfehlen, die Therapie mit Dopaminagonisten zu beginnen und nur bei alten und multimorbiden Parkinson-Patienten direkt L-Dopa einzusetzen. Im weiteren Verlauf der Erkrankung gehen Ärzte dann meist zu einer Kombinationstherapie, zum Beispiel mit COMT- oder MAO-B-Hemmern, über.

 

Um Dyskinesien zu vermeiden, wie sie bei vielen Parkinson-Patienten nach einigen Jahren beim Einsatz von L-Dopa auftreten, wird heutzutage das Konzept der kontinuierlichen Dopamin-Rezeptor-Stimulation angestrebt. »Dazu sind auch neue Darreichungsformen bekannter Dopaminagonisten wie Ropinirol geeignet«, sagte Jost. Darin war er sich mit Professor Dr. Heinz Reichmann von der Neurologischen Universitätsklinik in Dresden einig.

 

Reichmann stellte in seinem Vortrag unter anderem die Galenik der neuen Retardtablette vor. Eine kontinuierliche Wirkstofffreisetzung wird durch den Einsatz der sogenannten Geomatrix®-Technologie erreicht. Das System besteht aus drei Schichten. Die zentrale Schicht enthält den Wirkstoff Ropinirol. Sie ist zwischen zwei inaktive Grenzschichten eingebettet, wodurch eine kontinuierliche Wirkstofffreigabe über 24 Stunden sichergestellt wird. Die Tabletten können entweder mit einer Mahlzeit oder unabhängig davon eingenommen werden, am besten immer zum gleichen Zeitpunkt. Wichtig für die Beratung: Die Tabletten sind im Ganzen einzunehmen und dürfen nicht zerkaut, zerkleinert oder zerteilt werden. Die kontinuierliche Wirkstofffreisetzung ist nicht der einzige Vorteil der neuen Formulierung. Reichmann nannte weitere. So erlaube die Retardtablette eine Einmalgabe, was die Compliance verbessere. Der Mediziner verwies darauf, dass viele Patienten, jüngste Untersuchungen gehen von 70 Prozent aus, ihre Präparate häufig zum falschen Zeitpunkt einnehmen. Das Umstellen vom herkömmlichen auf das retardierte Ropinirol sei zudem sehr einfach und könne über Nacht erfolgen. Ferner lasse sich die retardierte Form rasch zur benötigten Konzentration aufdosieren.

 

Problemfall Schlafstörung

 

Professor Dr. Claudia Trenkwalder von der Paracelsus-Elena-Klinik in Kassel ging in ihrem Vortrag auf ein häufig unterschätztes Problem ein, nämlich Schlafstörungen bei Parkinson-Patienten. Auch hier könnten lang wirksame Dopaminagonisten von Vorteil sein. Spezifische Schlafstörungen seien bereits ein Frühsymptom der Neurodegeneration bei Morbus Parkinson. Im weiteren Verlauf der Erkrankung klagen bis zu 90 Prozent der Betroffenen  über Schlafstörungen. Diese seien ein komplexes Problem. Neben Faktoren wie psychiatrischen Problemen (zum Beispiel Depression und Halluzination), REM-Schlafstörungen und Atemaussetzern spielten vor allem krankheitsspezifische motorische Störungen wie Tremor und Akinese eine wichtige Rolle. Nächtliche Unbeweglichkeiten verhindern zum Beispiel das spontane Umdrehen im Schlaf. Während Traumschlafstörungen mit Benzodiazepinen wie Clonazepam behandelt werden können, sollten laut Trenkwalder nächtliche Akinesen mit einer Erhöhung der dopaminergen Medikation therapiert werden. »Hierbei ist es besonders wichtig, Substanzen zu verabreichen, die eine Wirkung während der gesamten Nacht zeigen, um Schlafunterbrechungen durch nochmalige Medikamenteneinnahme zu vermeiden«, so die Medizinerin. L-Dopa-Präparate, auch retardierte, eignen sich dazu nicht, so Trenkwalder weiter. Diese wirken nämlich nur einige Stunden und erreichen nicht die zweite Nachthälfte. Daher plädiere sie bei nächtlichen Akinesen für lang wirksame Dopaminagonisten.

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