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Leberwerte

Aussagekräftige Enzyme

08.04.2008  17:36 Uhr

Leberwerte

Aussagekräftige Enzyme

Von Christina Hohmann

 

Für die Diagnose verschiedener Erkrankungen kann es nötig sein, die Funktion der Leber zu überprüfen. Hierfür werden die Konzentrationen von vier Enzymen, die Leberwerte, bestimmt.

 

Die Leber ist das zentrale Organ des Stoffwechsels: Sie produziert lebenswichtige Proteine, nimmt Nahrungsbestandteile wie Glucose oder Fett auf, speichert diese, wandelt sie um und gibt sie bei Bedarf wieder ab. Zudem ist das Organ für den Abbau und die Ausscheidung von Stoffwechselprodukten sowie körperfremden Substanzen und Giftstoffen wie Alkohol oder Arzneimittel verantwortlich. Wichtig hierfür ist die in der Leber gebildete Galle, die schwer wasserlösliche Substanzen löst und in den Darm transportiert, wo sie mit den Faeces ausgeschieden werden.

 

Um die Funktion der Leber und der Gallengänge beurteilen zu können, werden die sogenannten Leberwerte aus dem Blutserum bestimmt. Dies sind vor allem die Konzentrationen der vier Enzyme Aspartat-Aminotransferase (AST), Alanin-Aminotransferase (ALT), Gamma-Glutamyltransferase (Gamma-GT) und alkalische Phosphatase (AP). Die Bestimmung der Leberwerte ist nötig, wenn Symptome auf eine Schädigung der Leber oder der Gallenwege hinweisen. Auch vor der Gabe bestimmter Medikamente kann es sinnvoll sein, die Leberfunktion zu überprüfen.

 

Wie in jedem Organ werden Enzyme in der Leber benötigt, um den Stoffwechsel aufrechtzuerhalten. Bei Schädigung der Leberzellen werden die Enzyme frei und gelangen ins Blut. Je nachdem welches Enzym vermehrt im Blut auftritt und wie stark die Konzentration erhöht ist, lassen sich Rückschlüsse auf die Art und Schwere der Erkrankung ziehen. Die vier genannten Enzyme kommen nicht nur in der Leber, sondern auch in anderen Organen und zwei von ihnen in fast allen Geweben des Körpers vor. Dennoch weisen Konzentrationserhöhungen spezifisch auf Erkrankungen der Leber hin.

 

Aspartat-Aminotransferase

 

Die Aspartat-Aminotransferase (AST), auch Glutamat-Oxalacetattransaminase (GOT) genannt, setzt Aspartat und α-Ketoglutarat zu Oxalacetat und Glutamat um. Das Enzym kommt außer in der Leber auch in höheren Konzentrationen im Herz- und Skelettmuskel vor. Normal ist eine Konzentration von unter 35 Einheiten pro Liter (U/l) Blutserum für Frauen und unter 50 U/l für Männer (siehe dazu Tabelle). Erhöhte Werte weisen auf eine Erkrankung der Leber, wie Leberentzündung (Hepatitis), Zirrhose, Leberkrebs oder Lebervergiftung etwa durch Alkohol, Halothan oder bestimmte Medikamente hin. Ursache können auch ein Gallenstau, eine Gallenblasenentzündung oder eine akute Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung) sein.

Referenzbereiche der Leberenzyme in IFCC-Einheiten pro Liter gemessen bei 37 °C

Enzym Frauen Männer
AST (GOT) unter 35 U/l unter 50 U/l
ALT (GPT) unter 35 U/l unter 50 U/l
Gamma-GT unter 40 U/l Unter 60 U/l
Alkalische Phosphatase (AP) 35 bis 105 U/l 40 bis 130 U/l

Zudem kann ein erhöhter AST-Wert auch auf einen Herzinfarkt hinweisen. In diesem Fall beginnt die Konzentration vier bis acht Stunden nach dem Ereignis anzusteigen und erreicht ihren Maximalwert nach etwa 16 bis 48 Stunden. Leicht erhöhte AST-Werte treten auch bei Schäden der Skelettmuskulatur nach Operationen und bei Muskelerkrankungen wie progressiver Muskeldystrophie auf. Ein gleichzeitiger Anstieg des AST und des ALT-Wertes weisen dagegen auf Leberschäden hin.

 

Alanin-Aminotransferase

 

Die Alanin-Aminotransferase (ALT) wird in Deutschland auch Glutamat-Pyruvattransaminase (GPT) genannt. Das ebenfalls am Proteinstoffwechsel beteiligte Enzym kommt in geringen Konzentrationen auch im Herz- und Skelettmuskel vor. Für ALT gelten die gleichen Referenzwerte wie für AST. Ein erhöhter ALT-Wert weist auf akute oder chronische Hepatitis, toxische Leberschäden, Leberkrebs oder einen Verschlussikterus (Gelbsucht infolge Gallenflussbehinderung) hin.

 

Gamma-Glutamyltransferase

 

Die Gamma-Glutamyltransferase (GGT) ist ein membrangebundenes Enzym, das einen Glutamylrest von Glutathion auf Peptide überträgt. Es ist in verschiedenen Organen wie der Leber, der Niere, dem Gehirn oder der Bauchspeicheldrüse zu finden. Ein erhöhter GGT-Wert weist dennoch in der Regel auf Leberschäden hin. Er ist der empfindlichste Indikator für Störungen der Leber- und Gallenfunktion und bei geringen Schäden manchmal der einzige Hinweis.

 

Normalerweise liegt der GGT-Wert bei Frauen unter 40 U/l und bei Männern unter 60 U/l. Stark erhöhte Konzentrationen sind charakteristisch für einen Verschlussikterus, einen Gallengangstau (Cholestase) oder toxische Leberschädigungen. Mäßig erhöhte Werte können bei chronischer Leberentzündung zum Beispiel durch Alkoholmissbrauch, bei Leberzirrhose oder Lebermetastasen auftreten. Leicht erhöhte Werte können auf einen konstanten Alkoholkonsum, eine unkomplizierte Virushepatitis oder eine alkoholische Fettleber zurückgehen. Der GGT-Wert ist gut geeignet, um einen Alkoholismus zu erkennen. Jede dritte GGT-Werterhöhung geht auf chronisch überhöhten Alkoholkonsum zurück. Ein einmaliger Exzess langt dabei nicht aus, den Spiegel ansteigen zu lassen, außer wenn die Leber bereits vorgeschädigt ist. Der GGT-Wert wird auch verwendet, um den Erfolg eines Alkoholentzugs zu überprüfen. Nach etwa drei Wochen sinkt der GGT-Wert um die Hälfte, nach zwei bis drei Monaten liegt er wieder im Normalbereich.

 

Da das Enzym auch in anderen Geweben vorkommt, kann ein Anstieg des GGT-Wertes auch andere Ursachen wie eine Nierenerkrankung, einen Herzinfarkt, Diabetes mellitus oder Bluthochdruck haben.

 

Alkalische Phosphatase

 

Die akalische Phosphatase (AP) ist eine Hydrolase, die Phosphat-Gruppen von verschiedenen Molekülen wie Proteinen, Nukleotiden und Alkaloiden entfernt. Sie kommt in allen Geweben vor, ist in höheren Konzentrationen aber in der Leber, in den Knochen und während der Schwangerschaft in der Plazenta vorhanden.

 

Der Referenzbereich liegt zwischen 35 bis 105 U/l bei Frauen und zwischen 40 und 130 U/l bei Männern. Wie die GGT auch zeigen erhöhte AP-Werte einen Gallenstau in und außerhalb der Leber (Verschlussikterus oder Cholestase) an. Auch bei viraler Hepatitis oder der Einnahme bestimmter Medikamente kann der AP-Spiegel ansteigen. Auch im Knochen ist das Enzym in hoher Konzentration vorhanden. Sie wird dort von knochenaufbauenden Zellen, den Osteoblasten, produziert. Bei vielen Knochenerkrankungen ist die AP-Konzentration erhöht. Dazu zählen Knochenmarkentzündung (Morbus Paget), Knochenkrebs, Knochenmetastasen, Rachitis und Osteomalazie (krankhafter Knochenabbau). Um Skeletterkrankungen aufzudecken, werden zusätzlich noch der Calcium- und Phosphatspiegel bestimmt. Im Kindes- und Jugendalter können erhöhte AP-Werte wegen des Knochenwachstums normal sein, und auch in der Schwangerschaft treten hohe Werte auf, ohne dass sie Krankheitscharakter haben.

 

Regeneration möglich

 

Auch wenn die Leberwerte erhöht sind, heißt das nicht, dass das Organ nachhaltig geschädigt ist. Denn die Leber kann sich als einziges Organ des Körpers in gewissem Umfang wieder regenerieren. Vorraussetzung ist aber, dass der schädigende Stimulus, die virale Infektion, der Alkoholkonsum oder die Medikamenteneinnahme, wegfällt. Dann kann sich neues Gewebe bilden, und die Leberwerte sinken wieder auf ein normales Maß.

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