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Wussten sie schon, dass ...?

15.03.2017  10:09 Uhr

Wussten Sie schon, dass...?

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Von Annette Mende / Jetzt ist es amtlich: Nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) sind die ältesten Schmerzmittel der Welt. Wissenschaftler fanden im versteinerten Zahnbelag eines Neandertalers DNA-Spuren der Westlichen Balsam-Pappel (Populus trichocarpa).

 

Diese zu den Weidengewächsen zählende Pflanze enthält das natürliche NSAR Salicylsäure, dessen Weiterentwicklung Acetylsalicylsäure bekanntlich auch heute noch ein populäres Schmerzmittel ist. Der Neandertaler namens El Sidrón 1 – nach dem Fundort in der El-Sidrón-Höhle im Norden Spaniens – nahm die Pflanze wahrscheinlich gezielt als Analgetikum zu sich, berichtet ein Team um Dr. Laura Weyrich von der University of Adelaide in Australien im Fachjournal »Nature« (DOI: 10.1038/nature21674).

 

El Sidrón 1 muss unter starken Schmerzen gelitten haben, denn er hatte einen Zahnabszess. Er war von fünf untersuchten Neandertalern der einzige, in dessen Zahnbelag die Forscher Pappel-DNA nachweisen konnten, weshalb sie eine therapeutische Absicht hinter dem Verzehr vermuten. Interessanterweise enthielt der Speiseplan von El Sidrón 1 auch verschimmelte Pflanzenteile, auf denen unter anderem der Penicillin-produzierende Pilz Penicillium rubens wuchs. Ihm nun gar eine Selbsttherapie mit dem Antibiotikum zu unterstellen, würde allerdings zu weit führen. Alles in allem scheint es um die Gesundheit von El Sidrón 1 nicht zum Besten bestellt gewesen zu sein, denn in seinem Mund fand sich auch Erbgut des Parasiten Enterocytozoon bieneusi, der akute Durchfälle verursacht.

 

Wenn er nicht gerade an Pappelteilen knabberte, ernährte sich El Sidrón 1 vegetarisch, nämlich von Pinienkernen, Pilzen und Moos. Damit unterschieden sich er und ein weiterer ­Neandertaler mit demselben Fundort von Vertretern ihrer Spezies aus Bel­gien, die viel Fleisch aßen, vor allem Wollnashorn und Mufflon. Die unterschiedliche Kost führte dazu, dass sich in ihren Mundhöhlen verschiedene Bakterien ansiedelten, wie der Zahnschmelz verrät. Ein neues spannendes Feld für die Mikrobiomforschung. /

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