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Rheuma in der Wirbelsäule
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Wenn junge Menschen immer Rückenschmerzen haben

Ein junger, sportlicher Student braucht seit drei Monaten Schmerzmittel, weil er immer wieder früh morgens vor Rückenschmerzen aufwacht, auch wenn es im Laufe des Tages durch Bewegung besser wird. Hier sollten Apotheker hellhörig werden.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 28.04.2026  16:20 Uhr
Wenn junge Menschen immer Rückenschmerzen haben

Über Rheuma in der Wirbelsäule informierte Dr. Sebastian Klapa, Rheumatologe am UKSH in Lübeck, vergangenes Wochenende beim Fortbildungskongress der Apothekerkammer Schleswig-Holstein in Neumüster. Er ging insbesondere auf die axiale Spondyloarthritis (axSpA) ein, als fortgeschrittene Unterform ankylosierende Spondylitis genannt, was früher als Morbus Bechterew bezeichnet wurde.

Die axSpA tritt vor allem bei jungen Menschen auf. Daher bat er die Apothekerinnen und Apotheker, gerade bei diesen aufmerksam zu werden, wenn sie sich immer wieder wegen Rückenschmerzen ein Schmerzmittel besorgen wollen, gerade, wenn sie ansonsten einen gesunden Lebensstil haben. Denn von den ersten Beschwerden bis zur Vorstellung beim Rheumatologen dauere es mitunter sechs Jahre. Es gebe keine klassischen Rheumamarker und typisch sei, dass die Beschwerden durch Bewegung besser werden.

Worauf man außerdem achten beziehungsweise wonach man fragen sollte:

  • Morgensteifigkeit im Rücken
  • Aufwachen in der zweiten Nachthälfte
  • keine Verbesserung in Ruhe
  • schleichender Beginn
  • ein Alter unter 45 Jahre
  • Augenentzündungen (Uveitis) und andere entzündliche Erkrankungen wie Psoriasis oder CED

Typisch sei, dass zunächst das Iliosakralgelenk betroffen ist und die Erkrankung dann weiter nach oben steigt. Die Progression könne jedoch auch schnell gehen, sodass die Betroffenen schon mit Ende 20 beginnen, einen Buckel zu bilden.

NSAR hoch dosiert und Biologika

»Bis vor 20 Jahren haben wir die Krankheit kaum verstanden und hatten auch keine spezifische Therapie«, so der Rheumatologe Klapa. Typisch sei auch, dass Corticoide nicht helfen und sogar kontraindiziert seien. Die Therapie beginne man mit nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) bis zur höchsten maximal tolerablen Dosis. Das wirke jedoch meist nicht sofort. Falls der Patient nach zwei bis vier Wochen darauf anspricht, wird die Therapie fortgesetzt, sonst ein zweites NSAR hinzugenommen (kein Diclofenac). Standard ist Ibuprofen in der Höchstdosis (2,4 g pro Tag, verteilt auf feste Zeitpunkte). Alternativ kommen COX-2-Hemmer infrage.

»Wenn das auch nicht hilft, setzen wir heute schon früh Biologika ein«, berichtete Klapa, vor allem Interleukin-17-Hemmer wie Secukinumab und Ixekizumab. Denn IL-17 scheint in der Pathogenese eine entscheidende Rolle zu spielen. Stärker und länger wirken TNFα-Blocker. Hier sei Adaliumab der Goldstandard. Mit diesen Medikamenten bekomme man 80 Prozent der Patienten schmerz- und beschwerdefrei. Sonst stehen noch Januskinase-Inhibitoren (Upadacitinib, Tofacitinib und off Label Filgotinib) zur Verfügung.

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