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Cannabisblüten

Tee lange kochen und heiß trinken

15.03.2017  10:09 Uhr

Von Daniela Hüttemann / Sollen Patienten Cannabisblüten als Tee anwenden, muss dieser lange genug gekocht und heiß getrunken werden. Befolgt man diese Regel, geht auch ohne Fettzusatz genügend Wirkstoff in Lösung.

Bei der Anwendung von Cannabis­blüten als Tee stellt sich das Problem, dass das hauptsächlich wirksame Canna­binoid Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC; Dronabinol) schlecht wasserlöslich ist. Das ist bei der Dosierung berücksichtigt, indem die verwendete Menge Cannabisblüten bei der Zubereitung als Tee deutlich höher ist als bei der Anwendung im Verdampfer. Die Blüten müssen allerdings mindestens 15 Minuten lang gekocht werden, da die Cannabinoide erst durch Decarboxy­lierung aus ihren Vorstufen in die Wirkformen überführt werden.

 

Reaktion läuft langsam ab

»Die bisher am meisten verwendete Cannabissorte enthält hauptsächlich die Carbonsäure-Vorstufe (THC-A) des wertbestimmenden Cannabinoids THC zu etwa 20 Prozent neben kleinen Anteilen THC und Spuren der Carbonsäure-Vorstufe (CBD-A) des Cannabi­diol (CBD)«, erläutert Dr. Holger Reimann, Leiter des Neuen Rezeptur-Formulariums (DAC/NRF), gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung. Im kochenden Wasser löst sich THC-A rasch zu etwa 45 mg/l und THC zu mehr als 10 mg/l, soweit es sich bereits gebildet hat. »Da Wasser bei Normaldruck nicht heißer wird als sein Kochpunkt, ist die Decarboxylierungs-Reaktion langsam und es muss lange gekocht werden, bis nach etwa einer halben Stunde eine THC-Sättigung vorliegt«, so Reimann. Bereits nach 15-minütigem Kochen liege die THC-Konzentration um 10 mg/l, sodass eine Tasse Dekokt etwa 2 mg THC enthalte.

 

Das Dekokt sollte getrunken werden, solange es noch heiß ist. Solange nicht zu viele Tassen getrunken werden, ist eine Überdosierung nicht zu befürchten, da eine gesättigte Lösung entsteht. Für die zwei- oder mehrmalige Anwendung am Herstellungstag kann das Dekokt in der Thermoskanne warm gehalten werden. Um davon noch am Folgetag zu trinken, kann angeblich Kaffeeweißer zugesetzt werden, der das THC bei Abkühlung bindet. Dies und die Zugabe von Sahne oder anderen fettigen Lebensmittel als Lösungsmittel, wie in manchen Foren empfohlen, hat die DAC/NRF-Kommission in den neuen NRF-Vorschriften 22.14. und 22.15. nicht berücksichtigt. Beim Zusatz fettiger Lebensmittel ohne Erhitzung entsteht kein THC und der Zusatz vor dem Kochen ist aus Gründen fehlender Reproduzierbarkeit abzulehnen.

 

Die Blüten werden in der Apotheke zerkleinert und im Falle der Mehr­dosenzubereitung in einer Weithalsflasche abgegeben, um die Abmessung per Pulverlöffel möglichst genau zu gewährleisten. Sie können auch einzeldosiert in Pulverkapseln aus Papier abgefüllt werden. »Die Apotheke unterliegt bei der Zubereitung der Rezeptur­arzneimittel den anerkannten pharmazeutischen Regeln und Qualitätsanforderungen«, betont Reimann. »Da Cannabisblüten nicht nur aus den Blüten im engeren Sinne bestehen, sondern auch aus Trieb­spitzen mit Blütenständen und Kelchblättern, erscheint es ohne ein gewisses Maß an Zerkleinerung unmöglich, reproduzierbar kleine Mengen mit ausreichend gleichförmigen Einzel­dosen an Wirkstoff abzuteilen und anzuwenden.«

 

Im luftdichten Behälter aufbewahren

 

Die Blüten sind oxidationsempfindlich und sollten daher in einem verschlossenen Behältnis aufbewahrt werden. Eine Aufbewahrung im Kühlschrank ist beim Patienten möglich, differenzierte Experimentaldaten für unterschied­liche Lagerungsbedingungen fehlen aber noch. Verordnen darf der Arzt immer nur den Bedarf für 30 Tage (maximal 100 g Cannabisblüten, unabhängig von der Sorte). Vorläufig hat DAC/NRF den Richtwert für die Haltbarkeit mit zwei Monaten etwas länger festgesetzt. Wie bei anderen Betäubungsmitteln auch, darf der Arzt in begründeten Einzelfällen mehr verordnen und muss dies dann wie üblich mit «A» auf dem BtM-Rezept kennzeichnen. /

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