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Schlaganfall

Diabetes schädigt Gefäße früh

12.03.2013
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Von Brigitte M. Gensthaler, München / Ein Diabetes mellitus, aber auch eine Glucosetoleranzstörung können die Gehirngefäße schädigen. Damit steigt das Risiko für einen Schlaganfall deutlich an.

Bis zu zwei Drittel der Menschen mit Diabetes mellitus sterben an kardiovaskulären Erkrankungen. Ihre Lebenserwartung ist im Mittel um fünf bis sieben Jahre verkürzt. Wesentliche Ursachen sind vaskuläre Veränderungen, die schon im Stadium der gestörten Glucosetoleranz beginnen. »Bei der Diagnosestellung eines Typ-2-Diabetes haben 10 Prozent der Patienten bereits Gefäßschäden«, berichtete der Diabetologe Professor Dr. Oliver Schnell beim Kongress »Diabetologie grenzenlos« Anfang März in München. Mikro- und Makroangiopathien könnten nicht nur Gefäße am Herzen, im Auge oder an der Niere betreffen, sondern auch Hirnarterien und -arteriolen.

 

Stark erhöhtes Risiko

 

Diabetes gilt als einer der Hauptrisikofaktoren für einen Schlaganfall – neben der arteriellen Hypertonie und Vorhofflimmern. Er verdoppelt bis verdreifacht das Risiko. Etwa 5 Prozent der Menschen mit Diabetes erleiden im Lauf ihres Lebens einen Insult; bei langer Krankheitsdauer steige die Rate, sagte der Leiter der Forschergruppe Diabetes am Helmholtz-Zentrum München. Während beim Herzinfarkt die Beschwerden oft verschleiert sind oder fehlen, seien die Symptome eines Schlaganfalls bei Diabetikern häufig ausgeprägter als beim Nicht-Diabetiker.

Wichtige Maßnahmen zur Risikoreduktion sind eine gute Blutdruckeinstellung sowie Vermeidung von kardiovaskulären Risikofaktoren wie Adipositas und Rauchen. Eine alleinige intensive Blutzuckersenkung habe in großen Studien keinen signifikanten Effekt auf das Schlaganfallrisiko gezeigt.

 

Ist ein Schlaganfall eingetreten, zählt jede Minute. »Je früher eine medikamentöse Lyse beginnt, umso mehr nützt sie dem Patienten«, betonte Professor Dr. Helge Roland Topka von der Stroke Unit am Klinikum München-Bogenhausen. Die intravenöse Thrombolyse ist etabliert beim akuten ischämischen Insult innerhalb von 4,5 Stunden nach Symptombeginn und bei Patienten bis 80 Jahre. Die 2012 im Lancet publizierte IST-3-Studie habe jedoch gezeigt, dass auch Patienten über 80 Jahren von der Therapie mit rekombinantem Tissue Plasminogen Activator (rt-PA, Alteplase) profitieren. In der Lysegruppe hatten die Patienten nach dem Schlaganfall im Durchschnitt weniger Behinderungen und konnten den Alltag selbst besser bewältigen. Bei der Sterblichkeit nach sechs Monaten gab es keinen Unterschied zwischen der Lyse- und der Kontrollgruppe. Topka plädierte dafür, die Indikation für die intravenöse Lyse auch auf Ältere auszuweiten. /

 

Literatur

 

The IST-3 collaborative group: The benefits and harms of intravenous thrombolysis with recombinant tissue plasminogen activator within 6 h of acute ischaemic stroke (the third international stroke trial [IST-3]: a randomized controlled trial. Lancet 379 (2012) 2352-2363.

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