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Nebenwirkungen

Wenn Tabletten der Potenz schaden

15.03.2011
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Von Daniela Biermann / Glatze oder Impotenz – stark vereinfacht ausgedrückt sitzen viele Männer in dieser Zwickmühle, wenn sie ihren Haarausfall mit 5α-Reduktase-Hemmern behandeln wollen. Aber auch die regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln schadet dem männlichen Stehvermögen. Darauf weisen zwei jetzt veröffentlichte Studien hin.

Männer, die dreimal täglich ein nicht steroidales Antirheumatikum (NSAR) über mehr als drei Monate einnehmen, haben ein 2,4-fach erhöhtes Risiko für erektile Dysfunktion. Dies ergab eine Auswertung der Daten von mehr als 80 000 kalifornischen Männern im Alter zwischen 45 und 69, veröffentlicht in »The Journal of Urology« (doi: 10.1016/j.juro.2010.11.092). Bereinigten die Epidemiologen Risikofaktoren wie Alter, Ethnie, Rauchverhalten, Diabetes, Bluthochdruck, Herzkrankheiten, hohe Cholesterol-Werte und Übergewicht, blieb immerhin noch ein 1,4-fach höheres Risiko für Impotenz bestehen.

Dabei hatten die Forscher um Steven J. Jacobsen vom Kaiser Permanente Los Angeles Medical Center ursprünglich einen gegenteiligen Effekt erwartet. Denn NSAR schützen im Allgemeinen vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen, mit denen erektile Dysfunktion assoziiert ist. Welcher Mechanismus dem negativen Einfluss der Schmerzmittel auf die Potenz zugrunde liegen könnte, ist noch unklar. Die Wissenschaftler raten jedenfalls davon ab, aufgrund ihrer Ergebnisse die Einnahme von Schmerzmitteln zu stoppen.

 

Eindeutiger ist der Zusammenhang von Impotenz und 5α-Reduktase-Hemmern. Die regelmäßige Einnahme von Finasterid und Dutasterid kann zu einer chronischen erektilen Dysfunktion mit Libidoverlust und Depressionen führen. Das berichten US-amerikanische Forscher in »The Journal of Sexual Medicine« (doi: 10.1111/j.1743-6109. 2010.02157.x). Die Probleme halten auch nach Ende der Therapie an. »Der steigende Gebrauch von 5α-Reduktase-Inhibitoren gibt Anlass zur Sorge«, kommentiert der Herausgeber des Fachjournals, Dr. Irwin Goldstein.

 

Potenzprobleme sind häufig

 

Dass es unter 5α-Reduktase-Hemmern zu Impotenz kommen kann, ist an sich nichts Neues und anhand des Wirkmechanismus’ leicht zu erklären: Das Enzym 5α-Reduktase katalysiert die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron. Letzteres ist etwa zehnmal so stark wirksam wie Testosteron selbst und in einigen Geweben wichtig für die Aufrechterhaltung der Androgenwirkung. In der Prostata kann Dihydrotestosteron zu einer gutartigen Vergrößerung des männlichen Organs führen (benigne Prostatahyperplasie, BPH). An den Haarfollikeln sorgt Dihydrotestosteron für Haarausfall. Dementsprechend sind die Indikationen von 5α-Reduktase-Hemmern BPH und androgenetische Alopezie.

 

Ein niedriger Dihydrotestosteron-Wert wirkt sich aber auch auf die Potenz aus. Laut Fachinformation treten erektile Dysfunktion und Ejakulationsstörungen unter Finasterid-Einnahme bereits in niedriger Dosierung (1 mg) gelegentlich auf, also bei weniger als einem von 100 und mehr als einem von 1000 Anwendern. Bei täglicher Einnahme von 5 mg ist bereits höchstens einer von 10 und mindestens einer von 100 Männern betroffen. / 

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