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Pflegeforum

Pflegern fehlt die Wertschätzung

16.03.2010  17:46 Uhr

Von Werner Kurzlechner, Berlin / Die Pflegeberufe kämpfen um bessere Aus- und Weiterbildung, mehr Nachwuchs und mehr Kompetenzen. Dabei kämpfen sie gegen Widerstände aus der Ärzteschaft wie aus der Politik.

»Ich komme nicht, um zu jammern«, sagte Andreas Westerfellhaus, Präsident des Deutschen Pflegerates, beim Deutschen Pflegeforum vergangene Woche in Berlin. Doch dieses Vorhaben konnte wohl nicht gelingen, obwohl er sich bemühte: »Die Perspektive für die Pflege ist noch nie so gut gewesen heute.« Ganz ausklammern ließen sich Probleme und Aufreger nicht. Zur Sorge vor einem Pflegenotstand merkte Westerfellhaus zwar an, es mangele an exakten Daten. Laut Ex-Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) würden hierzulande bis 2020 aber 300 000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt, doch leider hat sie das erst nach der Wahl gesagt.« In absehbarer Zeit müsse jeder fünfte Schulabgänger einen Pflegeberuf ergreifen, um den Bedarf zu decken – unerreichbar angesichts des schlechten Images bei den Jugendlichen. »Wir haben nicht nur einen Ärztemangel – das ist ein Problem aller Gesundheitsberufe«, so Westerfellhaus.

 

Sauer aufgestoßen ist in der Pflegerszene auch der Vorschlag von der in Nordrhein-Westfalen wahlkämpfenden Sozialdemokratin Hannelore Kraft, Hartz-IV-Empfänger sollten gemeinnützige Tätigkeiten etwa in der Pflege übernehmen. »Bei einem solchen Signal in die Berufsgruppe kann einem ganz schummrig werden«, so Westerfellhaus. Schließlich verrichteten seine Kollegen Arbeiten, für die eine dreijährige Ausbildung nötig sei. Krafts Äußerungen konterkarieren auch Forderungen des Pflegerates nach mehr Weiterbildung sowie einer Akademisierung der Pflegeberufe. Für Unmut sorgte dazu Ende 2009 Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, der über entsprechende Vorhaben auf dem NRW-Gesundheitscampus in Bochum von einem »akademisierten Proletariat« gesprochen hatte.

 

An den Pflegekräften nagt das Gefühl fehlender Wertschätzung. Er habe seinen ersten Termin bei Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) erst für April bekommen, beklagte Westerfellhaus. Nun mag man zugestehen, dass innerhalb der Koalition derzeit noch wenig entschieden wird. In den Prozess bringt der Pflegerat klare Forderungen ein. »Es ist ein Unding, dass wir nicht umfassend im Gemeinsamen Bundesausschuss vertreten sind«, sagte Westerfellhaus.

 

Es gibt aber auch positive Entwicklungen. Westerfellhaus nannte die anstehende Einführung eines Heilberufeausweises: »Wir bekommen damit erstmals eine transparente Erfassung der Berufsgruppe.« Zur Forderung des Pflegerates, die Selbstverwaltung auf die eigene Berufsgruppe auszuweiten, gebe es positive Entwicklungen in Hessen. Auch die neue Berufsordnung in Hamburg mit starkem Akzent auf der Weiterbildung weise in die richtige Richtung. Westerfellhaus forderte von seinen Kollegen, an ihrem Image zu arbeiten: »Es liegt an uns selbst, die positiven Seiten unseres Berufs stärker herauszustellen.« /

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