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Cannabiskonsum fördert Parodontitis

08.04.2008  17:31 Uhr

Cannabiskonsum fördert Parodontitis

Von Wolfgang Kämmerer

 

Die Zahnwurzelhautentzündung (Parodontitis) ist eine der häufigsten chronischen Krankheiten bei Erwachsenen. Unbehandelt kann sie zum Lockern und Verlust von Zähnen führen.

 

Rauchen gilt als der wichtigste verhaltensgesteuerte Risikofaktor für die Entstehung. Der Effekt auf das Periodontium kommt systemisch über die negativen Wirkungen von Nicotin und anderen toxischen Komponenten auf die Immunfunktion, die entzündliche Reaktion sowie durch eine Reduktion der peripheren Durchblutung zustande. Rauchen soll für mindestens 50 Prozent der Fälle von Parodontitis verantwortlich sein. Ob auch das Rauchen von Cannabis eine Parodontitis fördert, wurde in einer neuseeländischen Kohortenstudie untersucht.

 

Hierbei wurden insgesamt 1037 Kinder der Jahrgänge 1972/73 in ihrer mentalen und körperlichen Entwicklung verfolgt. Unter anderem wurde der Cannabiskonsum der Teilnehmer im Alter von 18, 21, 26 und 32 sowie deren Zahnstatus mit 26 und 32 Jahren erhoben. Primärer Endpunkt war das Vorliegen einer Parodontitis (Gingivaablösung, gemessen an drei Stellen pro Zahn) im Alter von 32 Jahren.

 

Die Daten von 903 Teilnehmern konnten ausgewertet werden. 293 Teilnehmer (32,3 Prozent) rauchten niemals Cannabis, 428 (47,4 Prozent) gelegentlich und 182 (20,2 Prozent) waren starke Konsumenten. Bei der Abschlussuntersuchung mit 32 Jahren wiesen 265 Teilnehmer (29,3 Prozent) eine oder mehr Gingivaablösungen mit einer Sondierungstiefen von mindestens 4 mm auf. Bei 111 Teilnehmern (12,3 Prozent) waren diese sogar 5 mm oder tiefer. Die Häufigkeiten für Gingivaablösungen im Alter von 26 und 32 Jahren betrug 6,5 Prozent bei den Probanden, die nie Cannabis rauchten, 11,2 Prozent bei den gelegentlichen und 23,6 Prozent bei den regelmäßigen Konsumenten. Auch nach Berücksichtigung des Tabakkonsums und anderer Risikofaktoren (Geschlecht, Zahnhygiene, Plaque, Zahnarztbesuche) betrug das relative Risiko für Sondierungstiefen von mindestens 4 mm in der Gruppe der regelmäßigen Konsumenten 1,6 und für Sondierungstiefen von mindestens 5 mm sogar 3,1 im Vergleich zu den Cannabis-Abstinenten. Cannabis-Rauchen scheint also ein vom Rauchen unabhängiger Risikofaktor für die Entstehung einer Parodontitis zu sein.

 

Quelle: Thomson, W. M. et al. JAMA 299, (2008): 525-531.

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