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Vitamin D und Calcium bieten kaum Schutz vor Osteoporose

13.03.2006
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Vitamin D und Calcium bieten kaum Schutz vor Osteoporose

 

PZ  Die Einnahme von Vitamin D plus Calciumsupplemente schützt Frauen in der Postmenopause nicht vor einer Osteoporose.

 

Dies ist das Ergebnis des letzten Teils der Women’s Health Initiative (WHI), die jetzt im New England Journal of Medicine publiziert wurde (NEJM 354, 2006 669-683). Damit stellt die WHI zum wiederholten Mal lang etabliert geglaubte Therapien grundsätzlich infrage. Auch die erhoffte protektive Wirkung gegen Darmkrebs war nicht erkennbar.

 

Kein signifikanter Unterschied

 

Die Ergebnisse zeigen, dass die Knochendichte im Bereich der Hüfte nach einer Behandlungszeit von etwa sieben Jahren gegenüber Placebo nur um 1,06 Prozent angestiegen war. Zu wenig, um einen deutlichen Schutz vor Hüftfrakturen zu bieten. Die Rate der Frakturen sank gegenüber der Placebogruppe um 12 Prozent, was trotz der hohen Teilnehmerzahl der Studie von 36 282 Frauen im Alter von 50 bis 79 Jahren nicht signifikant war (Hazard Ratio 0,88; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,72-1,08).

 

Auch die Rate der Wirbelfrakturen (minus 10 Prozent; Hazard Ratio 0,90; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,74-1,10) und der Gesamtfrakturen (minus 4 Prozent; Hazard Ratio 0,96; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,91-1,02) war nicht signifikant reduziert.

 

Nur in Subgruppen-Analysen wurde ein statistisch überzeugender Effekt beobachtet. Frauen, die mehr als 80 Prozent der Calciumdosierungen eingenommen hatten, erkrankten zu 29 Prozent seltener an Hüftfrakturen. Dies ergibt einen Rückgang von 14 auf 10 Hüftfrakturen bei 10.000 Anwenderinnen. Bei Frauen über dem 60. Lebensjahr wurde eine Reduktion um 21 Prozent erzielt, entsprechend einem Rückgang von 24 auf 19/10.000 Anwenderinnen. Elizabeth Nabel, Leiterin der Women’s Health Initiative, rät daher älteren Frauen weiter zur kombinierten Hormon-Kalzium-Behandlung.

 

Die Supplemente wurden in der Regel gut vertragen. Die Elimination des Calciums über die Nieren kann dort jedoch Spuren in Form von Konkrementen hinterlassen. Die Rate der Nierensteine stieg um 17 Prozent an, so dass bei einer einfachen Nutzen-Risiko-Berechnung vier vermiedene Hüftfrakturen auf 10.000 Personen fünf Nierensteine gegenüberstehen.

 

Keine Prävention vor Darmkrebs

 

Diese Risiken würden vermutlich eingegangen, wenn die Einnahme einen Zusatznutzen hätte, der in einer darmkrebspräventiven Wirkung gesehen wurde. Frühere Studien hatten angedeutet, dass Vitamin D die Entstehung von Polypen verhindert, die die Vorläuferläsion des kolorektalen Karzinoms sind.

 

Während der siebenjährigen Studiendauer der WHI erkrankten 322 Frauen an Darmkrebs, von diesen hatten 168 Calciumsupplemente plus Vitamin D eingenommen und 154 Placebo (NEJM 354, 2006, 684-696). Das um 8 Prozent erhöhte Risiko war nicht signifikant (Hazard Ratio 1,08; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,86-1,34).

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