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Arzneimittelausgaben

Mehr Geld für unterversorgte Patienten

08.04.2008  17:29 Uhr

Arzneimittelausgaben

Mehr Geld für unterversorgte Patienten

Von Uta Grossmann

 

Die Ausgaben für Arzneimittel sind nach Berechnungen des IGES-Instituts 2007 um 6,4 Prozent auf 28 Milliarden Euro gestiegen. Von den Mehrausgaben profitieren Patienten, die bisher gar nicht oder nicht optimal behandelt wurden – vor allem bei Volkskrankheiten wie Bluthochdruck, erläuterte IGES-Direktor Bertram Häussler.

 

Die Prognose vorweg: Das Berliner IGES-Institut sagt für 2008 einen Anstieg der Arzneimittelausgaben um 7,1 Prozent oder zwei Milliarden Euro voraus. 2007 stiegen die Ausgaben um 6,4 Prozent auf 28 Milliarden Euro. Die IGES-Zahlen basieren auf Daten des Informationsdienstleisters Insight Health.

 

IGES-Direktor Professor Dr. Bertram Häussler stellte die Zahlen im Auftrag des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) am Dienstag in Berlin vor. Abgesehen von der erhöhten Mehrwertsteuer und den in die Erstattung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aufgenommenen Impfstoffen, interpretierte Häussler den Anstieg als »Versorgungsoptimierung«: »Patienten bekommen zunehmend verschrieben, was sie brauchen.« Am Beispiel der Volkskrankheit Bluthochdruck erläuterte Häussler, dass der Mehrverbrauch von Arzneimitteln gegen Hypertonie sich umgekehrt proportional zu den sinkenden Preisen für Generika der entsprechenden Indikationsgruppe entwickelt habe. Bluthochdruck-Patienten seien bisher nicht optimal versorgt worden. Diese Lücke werde nun geschlossen.

 

VFA-Hauptgeschäftsführerin Cornelia Yzer verwies auf eine Studie des Instituts für Empirische Gesundheitsökonomie. Demnach verursacht die Unterversorgung allein der Depression Folgekosten von 17,9 Milliarden Euro im Jahr.

 

Ausgaben steigen auch im neuen Jahr

 

Der Aufwärtstrend bei den Arzneimittelausgaben setzt sich 2008 fort. Im Januar sind die GKV-Arzneimittelausgaben gegenüber dem Vormonat um 12,6 Prozent gestiegen, teilte der Deutsche Apothekerverband (DAV) mit. Es wurden 9,2 Prozent mehr Rezepte eingelöst. Der DAV vermutet, viele Patienten hätten wegen der Praxisgebühr Arztbesuche ins neue Quartal aufgeschoben. Ein weiterer Grund für mehr Rezepte dürfte die Zuzahlungsbefreiung für Rabattarzneimittel sein.

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