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Impetigo

Eitrige Bläschen und gelbe Krusten

05.03.2007
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Impetigo

Eitrige Bläschen und gelbe Krusten

Von Brigitte M. Gensthaler

 

Die Impetigo contagiosa ist die häufigste bakterielle Infektion der Haut bei Kindern. Da die Erkrankung hoch ansteckend ist, breitet sie sich in Kindergärten und Schulen schnell aus. Gut für die Kleinen: Bei konsequenter Therapie heilt eine Impetigo ohne Narben ab.

 

Grindflechte, Borken- und Pustelflechte oder Schleppe: Die volkstümlichen Namen sind bezeichnend für die unangenehme Hautinfektion, die meist im Gesicht, auf der behaarten Kopfhaut oder an Händen und Beinen auftritt. Auch Gehörgang oder Nasenschleimhaut können betroffen sein. Charakteristisch sind wässrig-eitrige Hautbläschen, die rasch aufplatzen und honiggelbe Krusten hinterlassen.

 

Eine Impetigo wird immer durch Bakterien verursacht. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin sind zu 80 Prozent β-hämolysierende Streptokokken der Serogruppe A, zum Beispiel Streptococcus pyogenes, die Auslöser. Bei etwa 20 Prozent der Patienten wird Staphylococcus aureus nachgewiesen. Oftmals tummeln sich auch beide Keime in den Läsionen. Der natürliche Standort von Staphylococcus aureus ist die nasale Schleimhaut und die Perianalregion. Nur 15 bis 20 Prozent der gesunden Bevölkerung tragen die Keime nie in der Nase. Streptococcus pyogenes kommt an der gesunden Haut nicht vor, ist aber gelegentlich im Rachen gesunder Probanden nachweisbar.

 

Die Eitererreger sind hoch infektiös und werden meist durch Schmierinfektion bei direktem Hautkontakt zwischen Personen übertragen. Aber auch eine indirekte Ansteckung über infizierte Gegenstände wie Kleidung, Spielsachen, Handtücher oder Kämme ist möglich. Dies erklärt, warum sich die Infektion in der Familie, in Kindergruppen und Schulen oft sehr schnell ausbreitet. Ein Kind kann sich auch selbst anstecken, zum Beispiel über sein infiziertes Nasensekret. Der Erkrankungsgipfel liegt einer Studie zufolge zwischen drei und acht Jahren. Bei Erwachsenen tritt eine Impetigo eher selten auf.

 

Die oberflächliche Infektion kann gesunde Haut befallen. Besonders leicht geschieht dies jedoch, wenn die physiologische Hautbarriere gestört ist, zum Beispiel bei Verletzungen, chronischen Ekzemen und Neurodermitis. Die Inkubationszeit ist sehr variabel und kann von einem Tag bis zu mehreren Wochen reichen. In den meisten Fällen beträgt sie zwei bis zehn Tage.

 

Hoch infektiöse Bläschen

 

Grundsätzlich unterscheidet man eine nicht-bullöse sowie eine klein- und eine großblasige Form der Impetigo contagiosa. Bei der nicht-bullösen Impetigo haben die Patienten keine Bläschen, sondern nur honigfarbene bis bräunliche Krusten auf rötlichem Grund. Dieses klinische Bild ist zudem bei einer sekundären Infektion von bestehenden Hautläsionen zu finden, was als Impetiginisierung bezeichnet wird.

 

Die kleinblasige Form wird von Streptokokken verursacht, für die großblasige Form sind Staphylokokken verantwortlich. Die Grindflechte beginnt mit der Bildung von kleinen Bläschen und Pusteln, die bei der kleinblasigen Form sehr schnell aufplatzen. Bei der großblasigen Form können die Blasen 1 bis 2 cm groß werden. Beim Platzen entleert sich eine durchsichtige bis gelbliche, eitrige Flüssigkeit, die eintrocknet und honiggelbe bis bräunliche Krusten zurücklässt. Diese liegen auf geröteter Haut und sind scharf begrenzt.

 

Einzelne Stämme von Streptococcus pyogenes können eine sekundäre Nierenschädigung auslösen. Die Urinanalyse hilft, eine Glomerulonephritis frühzeitig zu erkennen. Bei Staphylokokken-Infektionen treten gelegentlich Juckreiz, Fieber oder Lymphknotenschwellungen auf. Nur selten erfasst die Impetigo tiefere Hautschichten oder Nagelbett und Nagelfalz. Die Diagnose ist für den Kinderarzt einfach, weil das klinische Bild so typisch ist. Der Erreger lässt sich durch eine bakteriologische Untersuchung der Blasenflüssigkeit oder eines Nasen-Rachen-Abstrichs identifizieren. Der Nasen-Abstrich wird auch empfohlen, wenn Kinder wiederholt erkranken.

 

Lokaltherapie reicht nur selten

 

Nach den Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) und der Arbeitsgemeinschaft für Dermatologische Infektiologie (ADI) können nur leichte Staphylokokken-Infektionen rein topisch behandelt werden. Bei Streptokokken-Befall sollten die Kinder Antibiotika immer auch systemisch bekommen.

 

Manche Kinderärzte befürworten eine alleinige Lokaltherapie bei lokalisierten, unkomplizierten oder bereits abheilenden Infektionen. Ist der Körper großflächig, an mehreren Stellen gleichzeitig oder an kritischen Regionen wie Gehörgang oder Augenwinkel befallen, verordnen sie systemische Antibiotika. Gleiches gilt, wenn das Kind ein geschwächtes Immunsystem hat, sich krank fühlt und Fieber hat, Rezidive nach rein topischer Therapie auftreten oder eine Mischinfektion vorliegt.

 

Zur Lokaltherapie eignen sich Salben, Cremes und Lösungen mit Antibiotika wie Fusidinsäure, Tyrothricin und Mupirocin oder mit Antiseptika wie Chlorhexidin, Clioquinol, Chinolinolsulfat, Polyvidon-Iod, Ethacridinlactat oder Octenidin. Problematisch ist die steigende Resistenzrate von Staphylococcus aureus gegenüber Fusidinsäure. Gegen Mupirocin gibt es in Deutschland praktisch keine Resistenzen. Die Nasensalbe gilt als Reservemedikament zur Eradikation von MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) in der Nase.

 

Antibiotika systemisch geben

 

Als Mittel der ersten Wahl bei Streptokokken-Infektionen empfehlen DDG und ADI nach wie vor Penicillin (Beispiel: Penicillin V peroral). Bei Penicillin-Allergie kann man auf Cephalosporine der ersten Generation (Beispiel: Cefalexin), Makrolide (Beispiel: Roxithromycin) oder Clindamycin ausweichen. Allerdings nehmen Resistenzen gegen Makrolidantibiotika zu.

 

Infektionen mit Staphylokokken werden mit Betalactamase-festen Penicillinen (Beispiele: Flucloxacillin, Dicloxacillin) oder Cephalosporinen der ersten Generation, Amoxicillin/Clavulansäure oder Clindamycin behandelt. Vor Therapiebeginn sollte ein sogenanntes Antibiogramm durchgeführt werden, ein Plattendiffusionstest zur Bestimmung der Empfindlichkeit von Keimen gegenüber Antibiotika. Die Therapie sollte dem Antibiogramm angepasst werden, fordern die Fachgesellschaften. Bei Mischinfektionen kommen Betalaktamase-feste Penicilline oder Cephalosporine zum Zug.

 

Patienten sind solange infektiös, bis alle offenen eitrigen Hautstellen abgeheilt sind. Laut Infektionsschutzgesetz dürfen Kinder, die an Impetigo erkrankt sind, keine Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergarten oder Krippe besuchen. Dies ist frühestens 24 Stunden nach Beginn einer wirksamen antibiotischen Therapie oder nach Abheilen aller infizierten Hautareale wieder möglich, informiert das RKI. Ein schriftliches ärztliches Attest ist dafür nötig.

 

Schmierinfektion verhindern

 

Da die Infektion durch Kratzen und Hautkontakt übertragen und unterhalten wird, können Allgemeinmaßnahmen die Abheilung fördern und die Infektionskette unterbrechen. Durch Verbinden oder Abdecken der Läsionen können die Eltern das weitere Verschmieren der infektiösen Bläschenflüssigkeit verhindern. Das erkrankte Kind und alle Kontaktpersonen sollten sich häufig die Hände waschen, auf jeden Fall nach jedem Hautkontakt mit dem Kind. Seine Fingernägel sollten möglichst kurz geschnitten werden. Dies reduziert auch das Keimreservoir unter den Fingernägeln. Gründliches Waschen mit sauren Syndets oder speziellen Waschlösungen desinfiziert die Haut.

 

Der kleine Patient darf nicht gemeinsam mit anderen Kindern baden und braucht unbedingt Handtuch, Waschlappen und Kamm für sich allein. Warum dies nötig ist, sollten die Eltern auch den Geschwisterkindern erklären, damit diese verstehen, warum sie das Handtuch des kranken Kindes nicht benutzen dürfen. Bakteriell verunreinigte Kleidung und Bettwäsche sollte häufig gewechselt und möglichst bei 60 bis 90°C gewaschen werden.

 

Eine Impetigo ist hoch ansteckend und sieht hässlich aus. Doch bei konsequenter Therapie heilt sie ohne Narben und Folgeschäden ab. Sorgfältige Hautpflege und Hygiene können Neuinfektionen weitgehend verhindern.

Links zu Leitlinien

Streptokokken-Infektion
www.derma.de/fileadmin/derma/pdfs/LL_Streptokokken_2006.10.04_.pdf

Staphylokokkeninfektionen der Haut
http://leitlinien.net

 

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