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Pharmazeutische Betreuung

Zusammenarbeit in die Praxis umsetzen

26.02.2013
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Von Verena Arzbach, Berlin / Um Patienten optimal zu betreuen, sollten Apotheker, Ärzte und Pflegepersonal eng kooperieren. Die Praxis sieht jedoch häufig anders aus. Wie sich eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zum Nutzen des Patienten entwickeln lässt und wie pharmazeutische Betreuung im Apothekenalltag erfolgreich umgesetzt werden kann, waren daher zentrale Fragen der achten Arbeitstagung des Pharmaceutical Care Network Europe (PCNE).

Damit eine interdisziplinäre Zusammenarbeit gelingen kann, sei gegenseitiges Einfühlungsvermögen aufseiten von Apothekern und Ärzten wichtig, betonte Dr. Mark Xuereb, Mediziner und Psychiater aus Malta, bei der Eröffnung der Konferenz. Zwar hätten Ärzte und Apotheker unterschiedliche Verantwortlichkeiten, doch arbeiteten sie auf das gleiche Ziel hin: die optimale Arzneimitteltherapie des Patienten und deren Erfolg sicherzustellen. Mediziner konzentrierten sich dabei eher auf den Nutzen einer Behandlung sowie deren Risiken und Nebenwirkungen. Der Apotheker hingegen lege Wert auf die korrekte Dosierung und Einnahme des Arzneimittels, die Compliance sowie Vorsichtsmaßnahmen und Lagerungshinweise. Daraus resultierten oft Unstimmigkeiten zwischen den Parteien, so Xuereb.

Wie sich eine professionelle Beziehung zwischen Apothekern und Ärzten in der Praxis aufbauen und ausweiten lässt, zeigt das von den Pharmazeuten Dr. Randal McDonough und Dr. William Doucette entwickelte Modell der Collaborative Working Relationship (CWR). Es stellt die Zusammenarbeit als progressive Entwicklung dar.

 

Große Lücke zwischen Theorie …

 

In der Praxis häufig vorzufinden ist die sogenannte Stufe 0, eine professionelle Zusammenarbeit mit nur kurzen Kontakten zwischen Arzt und Apotheker, beispielsweise ein kurzes telefonisches Abklären von Problemen. Die Weiterentwicklung auf die CWR-Stufe 1 setze die professionelle Anerkennung des Apothekers durch den Arzt voraus. Der Arzt sollte dem Apotheker Vertrauen entgegenbringen. Der Pharmazeut wiederum könne die Beziehung fördern, indem er dem Arzt regelmäßig wichtige Patienteninformationen liefere, beispielsweise über in der Vergangenheit eingenommene Arzneimittel.

 

Setzt der Arzt Vertrauen in die Leistungen des Apothekers und erfüllt dieser die Erwartungen, kann die Beziehung auf dieser Basis im Stadium 2 weiterentwickelt werden. Auf der dritten Stufe können die Parteien den Einfluss des Apothekers auf die Versorgung der Patienten gegebenenfalls neu definieren und ausweiten. Investieren Arzt und Apotheker über längere Zeit in die gemeinsame Arbeit, kann sich letztlich eine langfristige und beständige Zusammenarbeit entwickeln. Xuereb betonte, dass das Modell sich nicht in allen Einzelheiten auf alle Situationen in den verschiedenen Staaten anwenden lasse. Jeder Apotheker müsse herausfinden, welche Vorgehensweise am besten zu ihm passe.

 

… und Praxis

 

In der Forschung entwickelte Strategien zur pharmazeutischen Betreuung in die Praxis umzusetzen, sei immer schwierig, erklärte Dr. Alison Roberts von der Pharmaceutical Society of Australia in einem von insgesamt fünf anschließenden Workshops. Als größte Hindernisse einer erfolgreichen Implementierung pharmazeutischer Dienstleistungen sehen Apotheker die fehlende Bezahlung und Schulung sowie Zeitmangel. Jedoch hätten Untersuchungen gezeigt, dass auch finanzielle Anreize, Training, der einfache Zugang zu Fachliteratur und Praxistauglichkeit eines Projekts noch nicht zu einer erfolgreichen Umsetzung im Apothekenalltag führten. »Trotz vieler Entwicklungen besteht eine große Lücke zwischen Theorie und Praxis«, so Roberts. Der Fortschritt komme beim Patienten nicht an.

 

Wie Xuereb empfahl auch Roberts, dass sich jeder Apotheker überlegen sollte, welche Leistungen zu seiner Apotheke passen und wie sich diese am einfachsten in den Apothekenalltag integrieren lassen. Hilfreich könne sein, die Aufgaben im Team klar zu verteilen und einen Projektverantwortlichen zu bestimmen, so das Ergebnis des Workshops. Als mögliche Indikatoren, ob und wie erfolgreich ein Projekt in der Apotheke laufe, könnten die Verantwortlichen die Teilnehmerzahl, die Anzahl der Teilnehmer mit gesundheitlichen Verbesserungen und eine Kosten-Nutzen-Bilanz bestimmen. Nicht zuletzt sei die Motivation der Mitarbeiter von großer Bedeutung: Erfolge sollten publiziert und im Team gefeiert werden. /

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