Pharmazeutische Zeitung online
Uni Frankfurt

Gaudeamus igitur

25.02.2013
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Von Sven Siebenand, Frankfurt am Main / Das Zweite Staats- examen ist geschafft. Im Rahmen einer akademischen Feier nahmen 42 der 55 Absolventen des Wintersemesters 2012/13 an der Uni Frankfurt ihre Zeugnisse entgegen. Bevor alle Anwesenden gemeinsamen zwei Strophen des Studentenliedes Gaudeamus igitur sangen, stand mit dem Festvortrag im Rahmen der Antrittsvorlesung von Privatdozent Dr. Axel Helmstädter der Höhepunkt der Veranstaltung auf dem Programm.

In seinem Grußwort beglückwünschte Pharmazie-Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz die frischgebackenen Pharmazeuten. »Gerade das Fach Pharmazie ist sehr anstrengend, bietet den Absolventen aber unglaublich viele Chancen«, sagte der Vize-Präsident der Uni. Letztendlich gehe es bei der Ausübung dieses Berufes meist um die richtige Anwendung von Arzneimitteln oder die Entwicklung neuer Medikamente. Schubert-Zsilavecz betonte, dass das deutsche Gesundheitssystem auch deswegen eines der besten weltweit sei, weil auch Apotheker einen wichtigen Beitrag dazu leisten. Wie der Moderator der akademischen Feier, Professor Dr. Jochen Klein, bat auch Schubert-Zsilavecz die Absolventen darum, der Uni Frankfurt treu zu bleiben.

Selbstverständlich kamen bei der Feier auch die Absolventen selbst zu Wort. Sie bedankten sich nicht nur bei ihren Angehörigen und Freunden für die jahrelange Unterstützung, sondern auch bei ihren Professoren für deren »überdurchschnittlich großes Engagement«. Positiv hoben die ehemaligen Studenten Aktivitäten wie die Sommerschule zur Vorbereitung auf das Erste Staatsexamen und die Besuche beim Fortbildungskongress Pharmacon hervor. Diese hätten auch zu einem stärkeren Zusammenhalt im Semester geführt.

 

Vom Handwerksknecht zum Medikationsmanager

 

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung verlieh Klein einen von der Firma Merz gesponserten Förderpreis für die beste Absolventin im Studiengang Pharmazie an Helen Hermine Kaminski. Zudem erhielt Privatdozent Dr. Axel Helmstädter seine Urkunde im Rahmen der Umhabilitation. Der Lehrbeauftragte für Geschichte der Naturwissenschaften unter besonderer Berücksichtigung der Pharmazie an der Goethe-Uni zeigte im Vortrag »Vom Handwerksknecht zum Medikationsmanager« auf, wie sich die Ausbildung zum Apotheker über die Jahrhunderte gewandelt hat. Helmstädter informierte, dass die Ausbildung zum Apotheker vor Jahrhunderten eine rein handwerkliche Ausbildung war. Die Lehrzeit betrug zwischen drei und sechs Jahren. Daran schlossen sich die Gehilfenzeit und die sogenannten Wanderjahre an. Erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts mehrten sich die Stimmen, dass eine mehr theoretisch-wissenschaftliche Ausbildung für die Ausübung des Berufes notwendig sei. Aber noch ging es nicht an die Universitäten. Als Interims-Lösungen fungierten etwa 30 pharmazeutische Privatinstitute. Helmstädter informierte, dass das erste 1779 von Johann Christian Wiegleb in Langensalza gegründet wurde. Das größte dieser Institute war das von Johann Bartholomäus Trommsdorff in Erfurt.

Erst im 19. Jahrhundert gab es dann die ersten Ansätze, die Ausbildung zum Apotheker an die Universität zu führen. Im 20. Jahrhundert kamen schließlich neue Disziplinen wie die pharmazeutische Technologie, die Pharmakologie für Naturwissenschaften und schließlich auch die Klinische Pharmazie hinzu. Ein Beispiel dafür, wie neue Anforderungen aus der Praxis auf die universitäre Ausbildung zurückwirken, ist das Fach Klinische Pharmazie. Helmstädter informierte, dass die Klinische Pharmazie in den 1960er-Jahren in den USA entstanden ist. Am 9. April 1960 will der Apotheker Eugene White erstmals eine Arzneimittel-Allergie in einer Patientenakte festgehalten haben. Wie Helmstädter zusammenfasste, ist der Weg von der Arzneimittelorientierung des Apothekers hin zur Patientenorientierung auch in Deutschland längst beschritten. Die Einführung des fünften Prüfungsfaches Klinische Pharmazie erfolgte 2001. Bereits im Jahr 1998 wurde hierzulande die erste Professur im Fach Klinische Pharmazie eingerichtet. /

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