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Sicherheit

Diebstahl in der Apotheke

01.03.2011  17:19 Uhr

Von Ines Landschek / Wird eine Apotheke überfallen, dann geht es meist um Betäubungsmittel oder Bargeld. Diese Überfälle sind nicht ohne Risiko, denn die Täter sind aufgrund ihrer Drogensucht meist nicht zimperlich. Als Apotheker sollte man gewappnet sein – moderne Technik hilft vorzubeugen.

Einbrüche in Apotheken kommen zwar nicht allzu häufig vor, aber jeder einzelne ist für die Betroffenen ein traumatisches Erlebnis. Laut Bundeskriminalamt gab es im Jahr 2009 in Deutschland 202 Diebstähle von Betäubungsmitteln, davon fanden 172 unter »erschwerenden Umständen« statt, das heißt unter Gewaltanwendung. Die Aufklärungsquote betrug rund 47 Prozent. Andere Diebe greifen einfach in die Regale und lassen bevorzugt teure Kosmetika mitgehen. Diese Fälle von Ladendiebstahl in Apotheken werden aber nicht separat erfasst.

Viele Apotheker ersetzen den Schaden, den Ladendiebe angerichtet haben, aus eigener Tasche. Doch solche Gelegenheitsdiebstähle können verhindert werden. Das beste Rezept gegen Ladendiebstahl sind gezielte bauliche Maßnahmen wie übersichtliche Regale, gut ausgeleuchtete Verkaufsräume, Beobachtungs­spie­gel und eventuell Kameras zur Videoüberwa­chung.

 

Die sogenannte elektronische Artikelsicherung (EAS) hat dazu geführt, dass der Diebstahl im Einzelhandel um bis zu 70 Prozent zurückge­gan­gen ist. Allerdings sind die Apotheker laut ADT Sensomatic GmbH, einem Anbieter elektroni­scher Warensicherungssysteme, bisher noch zurückhaltend beim Einsatz von EAS- Systemen. Diese bestehen aus Sicherheitsetiketten an der Ware, Antennen am Eingang und einem Deakti­vator an der Kasse. Apotheker können die Warensicherungssysteme für ihr gesamtes Warenlager einsetzen, sodass jederzeit ein Abgleich zwischen Eingang, Ausgang und Lager­bestand möglich ist.

 

Beste Sicherheit: geschultes Personal

 

Erfahrene Täter lassen sich von solchen Sicherungssystemen allerdings nicht beeindrucken. Sie verwickeln das Personal in endlose Gespräche und versuchen dadurch, die Mitarbeiter aus dem Konzept zu bringen. Diese haben die Kasse und das Wechselgeld dann nicht mehr im Blick. Gegen solche Tricks hilft keine Technik, da helfen nur Gespräche mit den Mitarbeitern und ein gezieltes Training, das auf eine solche oder ähnliche Situa­tionen vorbereitet.

 

In Schulungen können Mitarbeiter das nötige Selbstbewusstsein für kritische Situationen erwerben. Dabei geht es darum, dass die Angestellten einen Blick für die eigenen Routine-Abläufe bekommen. Sie müssen in der Lage sein, den Verkaufsraum ständig auf Ungewöhnliches zu überprüfen und die Kasse im Blick zu haben. Typische Verhaltensweisen von potenziellen Tätern sind etwa umherschweifende Blicke, ein unsystematischer Umgang mit der Ware in den Regalen, offene Taschen oder eine ausweichende Reaktion auf Ansprache. Die Mitarbeiter dürfen sich davon nicht ablenken lassen, potenzielle Diebe sollen sich beobachtet fühlen.

 

Bargeld in der Apotheke

 

Wird ein Täter auf frischer Tat ertappt, sind Beschimpfungen oder handgreifliche Auseinandersetzungen auf jeden Fall zu vermeiden. Arndt Preuschhof, Jurist der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, erklärt, dass gemäß Strafprozessordnung eine vorläufige Festnahmebefugnis für jedermann besteht, wenn der Tathergang beobachtet wurde. Die Polizei sollte besonders dann hinzugezogen werden, wenn sich der Dieb nicht ausweisen kann.

 

Obwohl Kartenzahlung auch in der Apotheke zunimmt, werden kleine Beträge noch häufig bar bezahlt. Gleichzeitig sind immer mehr gefälschte Banknoten in Umlauf. Diese lassen sich mit Falschgeldprüfgeräten erkennen. Größere Scheine sollten bereits am Kassentisch in verdeckt angebrachten, speziellen Kassetten sicher deponiert werden. Ein regelmäßiges Abschöpfen der Kassen reduziert die Geldbeträge im Verkaufsraum. Das Geld kann in Abwurftresoren im Bürobereich sicher gelagert werden, zu denen nur der Inhaber den Schlüssel beziehungsweise den Code besitzt. Ein im Eingangsbereich der Apotheke angebrachtes Schild, das auf diese Technik verweist, schreckt potenzielle Täter ab.

 

Im BTM-Tresor können neben den unter das Betäubungsmittelgesetz fallenden Substanzen auch wichtige Geschäfts- und Abrechnungsdaten sowie höhere Geld­beträge aufbewahrt werden. Empfohlen werden auch Daten- und Dokumentensicherungsvorkehrungen, die gegen Gewalteinflüsse, aber auch gegen Brand- und Löschwassereinwirkungen schützen.

 

Wer als Inhaber in puncto Einbruchschutz nachzurüsten möchte, sollte sich individuellen Rat bei polizeilichen Beratungsstellen holen. Wenig aufwendig ist es, einbruchsichere Türen, entsprechende Rollläden oder Rollgitter anzubringen. Auch Bewegungsmelder schrecken Einbrecher ab. Der Alarm wird bereits aus­gelöst, wenn der Einbrecher von außen einzudringen versucht. Die Anlage sollte an ein Sicherheitsunternehmen gekoppelt sein. Wichtig ist, dass das entsprechende Alarmsystem vom Verband der Sach­versicherer anerkannt und auch von einem entsprechenden Fachmann errichtet wird.

 

Eine weitere Möglichkeit zur Überwachung der Offizin sind Videokameras. Diese Technik wird vor allem für größere Apotheken empfohlen. Allerdings darf die Videoüberwachung nur zu einem vor dem Einsatz festgelegten und schriftlich festgehaltenem Zweck verwendet werden. Die Interessen aller Betroffenen müssen dabei gegeneinander abgewogen werden. Am Eingang muss deutlich auf den Einsatz der Videoüberwachung hingewiesen werden. Genaue Informationen zur Videoüberwachung geben die Datenschutzbeauftragten der einzelnen Bundesländer. / 

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