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Kropf

Mit Jod und Thyroxin verkleinern

27.02.2007
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Mit Jod und Thyroxin verkleinern

Von Claudia Borchard-Tuch, Königstein

 

Dank konsequenter Verwendung etwa von Jodsalz ist Deutschland nach WHO-Definition kein Jodmangelgebiet mehr. Dennoch gehört die Jodmangelstruma hierzulande zu den häufigsten Erkrankungen. Eine frühzeitige Therapie kann die Strumen wieder verkleinern.

 

»Die Zahl an Schilddrüsenerkrankungen in Deutschland ist hoch«, sagte Professor Dr. Christoph Reiners vom Universitätsklinkum Würzburg auf einer Veranstaltung von Sanofi-Aventis und Procter & Gamble. So fanden sich in der Studie »Papillon« in den Jahren 2001 und 2002 mit knapp 100.000 Personen bei etwa einem Drittel Auffälligkeiten an der Schilddrüse. Dabei war die Jodmangelstruma die bei Weitem häufigste Schilddrüsenerkrankung. Auch in der aktuellen Studie »Papillon 2006« mit 865 Personen wiesen 37,6 Prozent der Frauen und 40,3 Prozent der Männer eine Vergrößerung der Schilddrüse auf.

 

Inzwischen zählt Deutschland nicht mehr zu den Jodmangelgebieten. Lag die tägliche Jodeinnahme in den 1970er-Jahren bei durchschnittlich 50 µg, war sie Anfang der 1990er-Jahre fast auf die doppelte Menge gestiegen. Im Jahr 2000 betrug sie etwa 120 µg. Trotz der verbesserten Jodversorgung in Deutschland liegt die täglich aufgenommene Jodmenge damit bei einem Großteil der Bevölkerung noch immer unterhalb des kritischen Grenzwertes von 150 µg, der von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen wird. Es sollte auf eine jodreiche Ernährung geachtet werden, das heißt viel Fisch gegessen, reichlich Milch und Milchprodukte verzehrt und mit Jodsalz gewürzt werden.

 

Hierbei besteht jedoch eine Problematik, auf die Professor Dr. Rainer Hehrmann vom Diakonie-Klinikum Stuttgart hinwies. »Als Folge der deutschen Gesetzgebung zur empfohlenen, aber freiwilligen Verwendung von Jodsalz und von jodhaltigen Tierfuttermitteln und Desinfektionsmitteln in der Milchproduktion ist die Jodzufuhr nunmehr sehr unterschiedlich«, sagte Hehrmann. So könnten einerseits Einzelne eine Jodeinnahme von über 300 bis 500 µg pro Tag erreichen. Diese sei medizinisch zwar nicht erwünscht, führe aber nicht, wie manchmal behauptet, zur Entstehung einer Hashimoto-Thyreoiditis. Andererseits nehme noch immer jeder Zweite nur 100 µg Jod pro Tag ein.

 

Ein Jodmangel kann schwerwiegende Folgen haben. Die Schilddrüse vergrößert sich, um wie ein Schwamm möglichst viel von dem zu geringen Jodangebot aufnehmen zu können. Eine auf diese Art vergrößerte Schilddrüse kann zu Problemen führen. So können große Strumen zu einer Einengung der Luftröhre oder zu einer Schädigung des Nervus recurrens mit Stimmbandlähmung führen. Daher sollte eine Struma möglichst frühzeitig erkannt und behandelt werden.

 

»Gute medikamentöse Behandlungschancen bestehen bei kleinen Knoten und kleinen Strumen, deshalb ist die Früherkennung wichtig«, erklärte Dr. Diethard Sturm, Hohenstein-Ernstthal. Kinder und Jugendliche erhalten eine Jod-Monotherapie. Bei Erwachsenen gilt als Goldstandard die Kombinations-Therapie  mit Jod und L-Thyroxin. Bewährt hat sich zumeist ein Verhältnis von 1:1. »Eine euthyreote Struma nur mit L-Thyroxin zu behandeln, ist heutzutage obsolet«, betonte Hehrmann. Denn nicht nur das Thyreoidea-stimulierende Hormon (TSH) fördert das Schilddrüsenwachstum, sondern auch intrathyreoidale Wachstumsfaktoren wie IGF-1, EGF und FGF. Sie werden bei Jodmangel vermehrt gebildet. Durch eine angepasste kombinierte Therapie mit L-Thyroxin und Jodid können sowohl das TSH gesenkt als auch der Jodmangel beseitigt und damit die lokalen Wachstumsfaktoren günstig beeinflusst werden.

 

Die medikamentösen Behandlungsverfahren sind umso wirksamer, je jünger der Patient ist. Ist bereits ein knotiger Umbau eingetreten oder sind Verkalkungen und Zystenbildungen zu finden, ist es meistens zu spät: Eine chirurgische Therapie mit der operativen Entfernung der Schilddrüse oder knotiger Anteile ist nicht zu vermeiden. Früherkennung und Frühbehandlung können die Operationshäufigkeit entscheidend senken.

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