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Neuraminidasehemmer

Wirkung bestätigt

24.02.2016
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Von Annette Mende / Die Neuraminidasehemmer Oseltamivir (Tamiflu®) und Zanamivir (Relenza®) sind wirksame und sichere Arzneistoffe zur Prävention und Behandlung schwerer Fälle von Influenza. Das ist das vorläufige Fazit einer Expertenkommission des europäischen Zentrums zur Krankheitsprävention und -kontrolle (ECDC).

Die ECDC hatte vor dem Hintergrund der anhaltenden Diskussionen um die Wirkstoffgruppe erneut die verfügbare Evidenz gesichtet hat. Berücksichtigt wurden vor allem drei Metaanalysen der Cochrane-Collaboration und aus »The Lancet« beziehungsweise »The Lancet Respiratory Medicine« (DOI: 10.1002/14651858.CD008965.pub4, 10.1016/S0140-6736(14)62449-1 und 10.1016/S2213-2600(14)70041-4).

 

Verkürzte Krankeitszeit

 

Das Ergebnis: Werden Neuraminidasehemmer frühzeitig nach Einsetzen der Influenza-Symptome eingenommen, verkürzen sie die Krankheitszeit nennenswert, und zwar je nach Studie um 16,8 Stunden, 17,8 Stunden oder 25,2 Stunden. Darüber hinaus kam es durch Oseltamivir zu einem statistisch signifikanten Rückgang der Fälle von Lungenentzündung und tieferen Atemwegserkrankungen sowie der Hospitalisierungsrate. Allerdings weist die ECDC einschränkend darauf hin, dass die entsprechenden Studien auf die Erfassung dieser Endpunkte nicht ausgelegt waren. Auch für die prophylaktische Wirksamkeit der Arzneistoffe fanden die ECDC-Experten Belege, wobei diese je nach Setting – normale Haushalte, ambulant behandelte Patienten oder Bewohner von Pflegeheimen – zwischen 13,6 Prozent und 3,05 Prozent schwankten, jeweils bezogen auf die absolute Risikoreduktion. Häufigste Nebenwirkungen waren Übelkeit und Erbrechen; die ECDC spricht von einem »generell benignen Sicherheitsprofil«.

 

Es gebe keine neuen Erkenntnisse, die eine Änderung der zugelassenen Indikationen und Anwendungsempfehlungen der Neuraminidasehemmer erforderlich machen, so die ECDC. Sie sieht mit diesem Ergebnis ihre eigene frühere Einschätzung sowie die nationaler Behörden bestätigt. Allerdings bestehe weiterer Forschungsbedarf, zum einen um die Evidenz allgemein zu stärken, vor allem aber um die Wirksamkeit zur Verhinderung schwerer Komplikationen und für bestimmte Risikogruppen besser zu belegen.

 

Bevorratung medizinisch sinnvoll

 

Die ECDC hält die Praxis vieler Regierungen, sich im Rahmen nationaler Notfallpläne mit großen Mengen dieser Wirkstoffe zu bevorraten, aus medizinischer Sicht für sinnvoll. Zu anderen relevanten Aspekten, beispielsweise zur Kosten­effektivität, sei jedoch keine Aussage möglich. Angesichts der teilweise nach wie vor lückenhaften Evidenz und der Unsicherheit über das Ausmaß der Bedrohung durch kommende Grippe-Epidemien hätten die Regierungen schwierige Entscheidungen zu treffen. Wie wahr. /

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