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Leitbildprozess

Verbandsvertreter kritisieren ABDA

19.02.2014
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Von Daniel Rücker / Seit gut zwei Wochen ist die Website zum Leitbildprozess online. Nach anfänglichen technischen Problemen funktioniert sie reibungslos. Die Beteiligung entspricht den Erwartungen der ABDA. Dennoch gibt es Kritik aus einzelnen Kammern und Verbänden. ABDA-Vize Mathias Arnold kann das nur bedingt nachvollziehen.

Die Apotheker Uwe Hansmann, Hans Rudolf Diefenbach und Jens Dobbert sind mit der Diskussion über das Leitbild nicht zufrieden und kritisieren den Prozess in offenen Briefen. Diefenbach ist selbstständiger Apotheker in Offenbach und stellvertretender Vorsitzender des Hessischen Apothekerverbands. Hansmann leitet eine Apotheke im niedersächsischen Lilienthal. Er war bis Ende 2013 stellvertretender Vorsitzender des Landes­apothekerverbands Niedersachsen. Dobbert ist Leiter einer Apotheke im brandenburgischen Spremberg und Präsident der Landesapothekerkammer Brandenburg. Die Leserbriefe finden Sie im Forum dieser Ausgabe.

 

Hansmann und Diefenbach schreiben in ihrem gemeinsamen Brief an die ABDA: »Die Diskussion via Internetportal, noch dazu bundesländerspezifisch, ist ein totaler Rohrkrepierer, wie er von vielen Insidern bereits vor Beginn vorhergesagt worden ist.« Namentlich benannt werden die Mahner allerdings nicht.

 

Resoluterer Auftritt

 

Wichtiger als ein Leitbild sei es, den Berufsstand besser nach außen zu verkaufen und resoluter gegenüber den Krankenkassen sowie der Politik aufzutreten. In der Presse sollten wirtschaftliche Notwendigkeiten eingefordert werden, heißt es in dem Schreiben. Leidtragende seien auch die Studenten, die am Leitbildprozess gar nicht beteiligt würden.

 

In ihrem Brief zählen Hansmann und Diefenbach ihrer Meinung nach besonders wichtige Punkte auf. Dazu gehören der Erstattungspreis als Basis für die Berechnung der Apothekenaufschläge, die Substitutionsliste, die die Berufsfreiheit gefährde, die mangelhafte Lieferfähigkeit von Pharmaunternehmen und die »ruppige Umgangsform« mit dem brandenburgischen Kammerpräsidenten Jens Dobbert beim Apothekertag 2013.

 

Eine Leitbilddiskussion wäre aus Sicht von Diefenbach und Hansmann erst dann sinnvoll, wenn die oben genannten Probleme gelöst und damit eine akzeptable wirtschaftliche Basis für die Apotheker hergestellt ist. Weiter unten in ihrem Schreiben stellen sie dann allerdings fest, dass der Apotheker »diese zu nichts führende Alibi­diskussion um ein Leitbild« gar nicht brauche. Die Apotheker hätten über Jahrhunderte bewiesen, dass sie um ihre Aufgaben bei der ordnungsgemäßen Arzneimittelversorgung sehr gut Bescheid wüssten.

 

Fragebogen in der Kritik

 

Auch Dobbert hat Probleme mit dem Leitbildprozess. Er kritisiert vor allem den Fragebogen, der nicht genug Fragen zum Berufsalltag stelle. Im fehlen auch Fragen dazu, wie die zukünftige Arbeit rund um das Arzneimittel aussehen wird und welche Aufgaben die Apotheker übernehmen wollen beziehungsweise zu welchem Honorar. Auch komme die Diskussion um die zukünftigen Strukturen der Arzneimittelversorgung zu kurz. Wie steht es um Versandhandelsverbot, Fremd- und Mehrbesitzverbot oder Apothekenpflicht?

 

Anders als Hansmann und Diefenbach hält Dobbert ein Leitbild nicht für überflüssig. Im Gegenteil: »Ich hoffe nicht, dass der ABDA-Stern Leitbild am Ende untergeht, da die Beteiligung an der Diskussion nicht ausgereicht hat«, schreibt er.

 

ABDA-Vizepräsident Mathias Arnold sieht die Kritik mit gemischten Gefühlen. Es sei gut, wenn sich drei erfahrene Vertreter des Berufsstandes öffentlich in die Diskussion einbringen. Alle Meinungen, auch kritische, brächten die Diskussion voran, sagte Arnold der PZ. Gleichzeitig warnt er aber auch davor, die Anforderungen des Tagesgeschäfts mit dem Leitbildprozess zu vermischen. Arnold: »Das eine hat mit dem anderen wenig zu tun.«

 

Beim Leitbild gehe es ausdrücklich nicht um die tägliche Arbeit, sondern um eine Vision für die Zukunft. Die politische Arbeit für eine stabile wirtschaftliche Basis gehe parallel zur Leitbilddiskussion weiter. Arnold: »Unsere Forderung nach einer leistungsgerechten Honorierung bleibt selbstverständlich auf der Agenda.« Die Ökonomie sei wichtig, aber eben nicht visionär.

 

Für Arnold steht ein Abbruch des Leitbildprozesses, wie er von einigen Apothekern in Internetforen gefordert wird, nicht zur Diskussion. Der vorgegebene Zeitplan bis zum Deutschen Apothekertag im September in München werde nicht geändert. Dafür gebe es keinen Grund. Im Gegensatz zu Hansmann und Diefenbach ist Arnold mit der Beteiligung am Leitbildprozess zufrieden. In den ersten Tagen habe es kleinere Anlaufschwierigkeiten gegeben. Diese seien erkannt und behoben worden. Bis Dienstag (18. Februar) hätten sich mehr als 2500 Apotheker auf der Website angemeldet und knapp 1000 eigene Kommentare gepostet. Außerdem seien bereits mehr als 2000 ausgefüllte Fragebögen angekommen. /

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