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Paracetamol

Weniger Suizide durch kleinere Packungsgröße

18.02.2013
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Durch die Reduktion der Packungsgröße von Paracetamol konnte in Großbritannien die Zahl der Suizide mit diesem Medikament gesenkt werden. Auch die Zahl der Lebertransplantationen ging seit der Änderung zurück, berichten Forscher um Keith Hawton von der Oxford-Universität im »British Medical Journal« (doi: 10.1136/bmj.f403).

 

Wegen einer vergleichsweise hohen Zahl an Paracetamol-Überdosierungen wurde 1998 die Packungsgröße in Großbritannien auf maximal 32 Tabletten à 500 mg für Apotheken und 16 Tabletten für andere Verkaufsorte wie Drogerien festgelegt.

Rückgang um 43 Prozent

 

Diese Änderung hatte deutliche Auswirkungen: In den folgenden elf Jahren ging die Zahl der vollendeten Selbsttötungen mit Paracetamol um 43 Prozent zurück. Dies sind 17 Todesfälle weniger pro Quartal beziehungsweise eine Reduktion um 765 Todesfälle über den gesamten Zeitraum von 1998 bis 2009. Die Zahl der durch Paracetamol-Vergiftungen nötigen Lebertransplantationen sank in den elf Jahren um 61 Prozent im Vergleich zu der Zeit vor der Intervention.

 

Nicht gesunken sei hingegen die Zahl der Krankenhauseinweisungen wegen nicht-tödlicher Überdosierungen, schreiben die Autoren. Dies zeige, dass es keinen generellen Rückgang von Paracetamol-Vergiftungen gebe, sondern vielmehr einen gezielten Rückgang an Selbsttötungen. Der Grund hierfür sei, dass viele Suizide impulsiv geschehen und Menschen mit Suizidabsichten das einnehmen, was sie im Haus haben – und bei kleinen Packungs­größen ist das zu wenig.

 

Trotz der positiven Entwicklung komme es dennoch jedes Jahr zu durchschnittlich 121 Paracetamol-Vergiftungen, schreiben die Autoren. Daher seien weitere Maßnahmen nötig, wie etwa die Packungsgröße weiter zu verringern oder die Dosis in der Einzeltablette abzusenken. In Deutschland sind seit April 2009 nur noch Packungen mit bis zu 10 g Paracetamol frei verkäuflich, größere Mengen sind nur auf Rezept zu erhalten. /

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