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Parkinson

Hirnschrittmacher früh einsetzen

18.02.2013
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Die tiefe Hirnstimulation kann einer deutsch-französischen Studie zufolge Parkinson-Patienten schon zu einem recht frühen Zeitpunkt der Therapie helfen. Der operative Eingriff verbessert die Lebensqualität und die Beweglichkeit signifikant. Bisher gilt die Methode als letzte Option.

Bei der tiefen Hirnstimulation werden Elektroden ins Gehirn eingesetzt, die Impulse über einen Schrittmacher im Schlüsselbeinbereich erhalten. So kann die gestörte Nervenzellaktivität in den sogenannten tiefen Hirnkernen kon­trolliert werden.

Die Methode sei bisher nur als letzte Möglichkeit nach vielen Jahren der Erkrankung angewendet worden, erklärte der Studienleiter, Professor Dr. Günther Deuschl vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel, in einer Pressemitteilung. Sie werde nur bei Patienten mit schwersten Symptomen eingesetzt, die bereits mindestens zehn Jahre erkrankt seien. Jetzt sei nachgewiesen, dass ein solcher Eingriff schon im früheren Krankheitsverlauf Symptome lindern kann.

 

Für die Untersuchung hatten Deuschl und seine Kollegen 251 Parkinson-Patienten mit etwa siebenjähriger Krankheitsdauer randomisiert. Eine Hälfte wurde mit der tiefen Hirnstimulation zusätzlich zur medikamentösen Therapie und die zweite ausschließlich mit Medikamenten behandelt. Dabei zeigte sich, dass der Hirnschrittmacher der medikamentösen Therapie deutlich überlegen war: Nach zwei Jahren war die Lebensqualität in der ersten Gruppe um 26 Prozent besser als in der zweiten Gruppe. Die Mobilität im schlechtesten Zustand wurde um 53 Prozent gesteigert, die Aktivitäten des täglichen Lebens um 30 Prozent. Die Nebenwirkungen aufgrund einer L-Dopa-Gabe wurden um 61 Prozent reduziert, berichten die Forscher im »New England Journal of Medicine« (doi: 10.1056/NEJMoa1205158).

 

Ein negativer Aspekt ist, dass die tiefe Hirnstimulation das Suizidrisiko erhöht. Suizide traten in dieser Untersuchung bei zwei Patienten der Neurostimulationsgruppe und bei einem Patienten in der Medikamentengruppe auf. Die operativen Eingriffe führten bei 27 Patienten zu schweren Nebenwirkungen, allerdings traten abgesehen von einer Narbe bei keinem Patienten bleibende Schäden auf.

 

Die Studie habe ein überraschend homogenes Bild zugunsten der tiefen Hirnstimulation erbracht, sagte Deuschl. »Fast ausnahmslos haben sich alle Parameter der Beweglichkeit verbessert. Besonders wichtig ist aber, dass die Lebensqualität und die psychosoziale Anpassung schon in diesem frühen Krankheitsstadium so deutlich gebessert wurden. Es ist auch bemerkenswert, dass die jüngeren Patienten die Operation offenbar besser vertragen als dies bei früheren Studien bei Älteren berichtet wurde.« /

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